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Ordensgeschichtliche Bibliographie und Recherche im Internet

Eric W. Steinhauer / 12. Februar 2001

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Der folgende Aufsatz wurde als Referat auf einer Tagung des neu gegründeten Arbeitskreises Ordensgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (AKO) gehalten, die vom 9. bis 11. Februar 2001 an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar stattfand. Der Aufsatz entspricht dem mündlichen Vortrag, freilich ergänzt durch Hyperlinks.

1. Einstimmung
Das Internet hat in den letzten Jahren die Arbeitsbedingungen und -gewohnheiten in allen Zweigen der Wissenschaft grundlegend verändert. Das gilt auch für die Ordensgeschichte als besonderem Teil der Kirchengeschichte. Ohne Übertreibung kann man sagen, daß gerade für die Ordensgeschichte diese Entwicklung eine enorme Arbeitserleichterung darstellt, vor allem für den Bereich der Ordensgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Für diesen Zeitraum kann der Forscher nur sehr bedingt auf gut erschlossene Quellensammlungen zurückgreifen. Eigenpublikationen der Ordensgemeinschaften sind nur zu einem kleinen Teil in den Bibliotheken vorhanden. Ein Grund dafür ist sicherlich, daß hier der Anteil der sogenanten grauen Literatur besonders hoch ist. Da bleiben für die Recherche fast nur die einschlägigen theologischen und bio-bibliographischen Lexika, der solide, aber schon recht veraltete "Heimbucher" und natürlich das DIP (Dizionario degli Istituti di Perfezione), das leider auch nicht immer aktuell ist. Hinzu treten historische Gesamtdarstellungen der einzelnen Ordenszweige und einschlägige Zeitschriften. Für den Bereich der ausländischen Gemeinschaften sieht sich der Forscher vor unhandliche Nationalbibliographien gestellt, die seine Arbeitskraft über Wochen binden können, dabei aber nur eine unverhältnismäßig geringe Ausbeute ergeben. Diese unerfreuliche Situation, die sich nur dann besser darstellt, wenn man direkt an der Quelle in der Bibliothek oder im Archiv einer Ordensgemeinschaft sitzt, kann durch den Einsatz des Internet entscheidend verbessert werden, nämlich im Bereich der Literaturermittlung, also der ordensgeschichtlichen Bibliographie, und im Bereich der allgemeinen Informationsrecherche. Bei den Möglichkeiten des Internet-Einsatzes für die Ordensgeschichte sind zwei grundlegende Arten der Web-Nutzung zu unterscheiden. Auf der einen Seite steht die passive Nutzung, also das Abrufen von schon im Internet auf Webseiten oder in Datenbanken bzw. Katalogen verfügbaren Informationen. Auf der anderen Seite bietet das Internet auch Gelegenheit, aktiv nach Informationen zu suchen und selbst Forschungsergebnisse online anzubieten, sei es auf einer eigenen Homepage, sei es in Form einer elektronischen Publikation. Ich setze bei den nachfolgenden Überlegungen Grundkenntnisse im Umgang mit dem Internet voraus.

2. Passive Recherche
Bei der passiven Recherche greift der Forscher auf Informationen zurück, die schon im Internet vorhanden oder online über Datenbanken abfragbar sind. Hier sind vor allem fünf Informationsquellen zu nennen: die Online-Kataloge und Datenbanken der Bibliotheken, Suchmaschinen, Linksammlungen, Homepages der Orden bzw. solche mit ordensgeschichtlichem Inhalt und schließlich sonstige "nützliche Seiten".

2.1 Online-Bibliothekskataloge und Datenbanken
Die online-Kataloge der Bibliotheken erleichtern die ordensgeschichtliche Literatursuche erheblich. Komfortable Verbundkataloge wie der Kirchlichen Verbundkatalog (KiVK). Hier findet man verstärkt Eigenpublikationen der Ordensgemeinschaften, die nicht in den staatlichen Bibliotheken erfaßt werden. Der KiVK weist zudem auch Aufsätze aus theologischen Zeitschriften nach.

Neben den Katalogen sind noch die biographischen und nationalbibliographischen Datenbanken zu erwähnen, die in den Bibliotheken benutzt werden können. Auf Einzelheiten kann im Rahmen dieses Vortrages nicht eingegangen werden. Als Beispiel möchte ich nur die biographische Datenbank IBI nennen, die Literaturhinweise für das Weiterstudium gibt. Auch weniger bekannte Persönlichkeiten des Ordenslebens sind hier berücksichtigt.

Die bisher genannten Recherchemöglichkeiten enthalten nur Hinweise auf Informationen, die in gedruckter Form vorhanden sind. Sie bilden bloß eine Brücke zu den herkömmlichen Quellen. Das Internet bietet hier nicht unbedingt ein "Mehr" an Information; es bietet die Informationen aber schneller und bequemer als die üblichen gedruckten Repertorien, Mikroformen und Zettelkataloge. Man kann - das ist ein großer Pluspunkt - seine Recherche vom heimischen Schreibtisch aus erledigen. Das Internet ist aber nicht nur ein besserer "Zettelkasten", es bietet auch eigene Informationen an, die entweder nur online zu finden sind oder aber die Lektüre einer schon gedruckten Version überflüssig machen. Diese Informationen finden sich auf Webseiten oder Homepages, die Ordensgemeinschaften, Forscher oder sonstwie interessierte Personen und Institutionen erstellt haben und im Internet frei zugänglich anbieten. Bevor einige dieser Seiten für den hier interessierenden Bereich der Ordensgeschichte exemplarisch vorgestellt werden, stellt sich zuerst die Frage: Wie kann ich diese Seiten finden? Die Antwort ist einfach: mit Suchmaschinen oder mit Hilfe von Linksammlungen.

2.2 Suchmaschinen
Die abermillionen Seiten des Internet wären unbrauchbar, wenn es nicht die Möglichkeit gäbe, gezielt nach Informationen zu suchen. Diese Aufgaben wollen die Suchmaschinen erfüllen. Sie sind eine Art Inhaltsverzeichnis des Internet. Anhand frei wählbarer Suchbegriffe kann der Benutzer mit Hilfe der Suchmaschine Seiten finden, die den gewählten Suchbegriff enthalten. Je spezieller der Begriff, desto ergiebiger ist die Abfrage. Eine spezielle Abfragesyntax erhöht die Trefferquote noch weiter. Die Bedienung von Suchmaschinen ist meist online erklärt. Die wichtigsten Suchmaschinen sind:
http://www.fireball.de
http://www.altavista.de
http://www.lycos.de

Es ist nützlich, mehrere Suchmaschinen zu benutzen, da keine Suchmaschine das Web vollständig erfaßt. Selbst die besten Maschinen decken weniger als 20% der online angebotenen Inhalte ab. Für den deutschsprachigen Raum liefert fireball.de die besten Ergebnisse.

2.3 Linksammlungen
Im Gegensatz zu den Suchmaschinen, die rein mechanisch Abfrageergebnisse durch bloßes Vorkommen von Begriffen produzieren, sind Linksammlungen planmäßig und systematisch angelegte Verzeichnisse für einen bestimmten Bereich. Eine gute Linksammlung kann die online-Recherche erheblich erleichtern. Für ordensgeschichtlich arbeitende Forscher sind vor allem folgenden Sammlungen zu nennen:
http://www.orden-online.de (die umfangreichste Sammlung, die auch ausländische Seiten berücksichtigt)
http://orden.de (nur deutschsprachige Seiten, nicht ganz aktuell).

Vor vier Jahren war die Zahl der Ordensseiten noch sehr überschaubar. Ich selbst hatte eine kleine Linksammlung im Internet angeboten unter http://members.aol.com/Orden. Bei über 500 Links habe ich dann "das Handtuch geworfen". Das rasante Anwachsen des Informationsangebots war nicht mehr zu bewältigen. Inzwischen hat sich die Informationsstruktur im Internet insoweit stabilisiert, als es feste Anlaufstellen für die einzelnen Orden gibt. Die Links, die einen einzelnen Ordensverband betreffen, finden sich mittlerweile auf ordenseigenen Seiten zuverlässig nachgewiesen. Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Wenn ich mich über den Prämonstratenser-Orden informieren will, so genügt es, eine "Portal-Seite" zu kennen, die eine gute prämonstratensische Linksammlung umfaßt, etwa www.premontre.org oder die Seiten der Abtei Hamborn in Duisburg. Von da aus kann man leicht weitere Seiten ansteuern und binnen kurzer Zeit die gewünschten Informationen sammeln. Im allgemeinen sind die Seiten der Generalate oder der deutschen Provinzen der einzelnen Ordensgemeinschaften gute Portalseiten. Diese Seiten lassen über www.orden-online.de finden.

2.4 Homepages der Orden / Seiten mit ordensgeschichtlichem Inhalt
Endlich sind wir bei den eigentlichen online-Informationen angelangt. Die bisher geschilderten Seiten waren nur Kataloge oder Verzeichnisse, die lediglich ein Hilfsmittel der Informationsvermittlung darstellen.

Die auf Webseiten verfügbaren Informationen lassen sich in zwei Kategorien fassen: Reproduktionen schon gedruckter Inhalte und eigene online-Angebote. Meist sind die Seiten der Ordensgemeinschaften mehr oder weniger ausführliche Prospkete, die Geschichte, Aufgaben und Verbreitung der jeweiligen Gemeinschaft vorstellen. In diesem Zusammenhang findet sich regelmäßig auch ein Angebot mit einer Ordensgeschichte, mit historischen Quellentexten, ja sogar mit einer Bibliographie. Hierzu möchte ich nochmals die Seite der Prämonstratenser (OPraem.) unter http://www.premontre.org als Beispiel anführen. In dem reichhaltigen prämonstratensischen Angebot findet sich eine online-Ausgabe des 1999 erschienenen "Hagiologion", eines Verzeichnisses der Heiligen, Seligen und anderen bedeutenden Persönlichkeiten des Prämonstratenserordens. Weiterhin findet man das berühmte "Monasticon Praemonstratense" von Norbert Backmund. Daneben gibt es wichtige historische Quellentexte des Prämonstratenserordens, liturgische Eigentexte, Bibliographien. Als weiteres Beispiel möchte ich die Vinzentiner (CM) anführen. Hier gibt es eine gute Bibliographie unter: http://vincentian.stjohns.edu . Als drittes Beispiel seien die Eucharistiner (SSS) genannt. Sie bieten die Schriften ihres Stifers Pierre-Julien Eymard (1811-1868): http://www.eucharistie.cz online an. Das ist besonders verdienstvoll, da sie nur in alten, oft nicht entleihbaren Ausgaben und nur in wenigen Bibliotheken vorhanden sind.

Da das Internet keine nationalen Grenzen kennt, ermöglichen die Homepages der Orden auch, sich über hierzulande recht unbekannte Gemeinschaften schnell und relativ ausführlich zu informieren, beispielhaft sei auf die Seiten der Trinitarier (O.Ss.T.) und der Stigmatiner (CSS) hingewiesen, oder auf die "Kongregation vom hl. Petrus in Ketten", die Charles Fissaux (1805-1867) 1839 gegründet hat. Ich glaube, von dieser Gemeinschaft hat kaum jemand von Ihnen je zuvor gehört.

Speziell für Ordenshistoriker sind natürlich Ordensarchive interessant. Diese sind aber bislang kaum im Netz vertreten. Neben den Jesuiten bietet das Provinzarchiv der Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes in Münster das inhaltlich umfangreichste deutschsprachige Angebot unter http://members.aol.com/Ordem/SMIC. Das von mir bearbeitete und in einem ausführlichen Findbuch erschlossene Archiv präsentiert sich online mit dem historisch-bibliographischen Teil des Findbuches und einer Gliederung des Bestandes. Es wäre schön, wenn auch andere Archive den Schritt ins Internet unternähmen.

Seiten mit ordensgeschichtlichem Inhalt werden nicht nur von Ordensgemeinschaften, sondern auch von interessierten Historikern angeboten. Besonders erwähnen möchte ich hier die Seite von Herrn Johannes Mertens unter: http://www.johannes-mertens.de mit dem Titel "Beiträge zur Ordensgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert".

Will man das online-Angebot im Bereich der Ordensgeschichte bewerten, so kann man wohl eine positive Bilanz ziehen. Die bereitgestellten Informationen sind grundsätzlich solide und bieten gute Einstiege für weitere Forschungen. Zwar wird vielfach nur geboten, was auch in Büchern und Zeitschriften nachzulesen ist. Doch ist eine solche Arbeitserleichterung gerade Sinn und Zweck des Internet, das eine große Fülle von Informationen an den eigenen Schreibtisch holt. Teilweise bietet das Internet aber auch Inhalte, die "offline" so nicht verfügbar sind. Wer sich etwa für ganz aktuelle Entwicklungen wie das Aufkommen von Ordensgemeinschaften des nachkonziliaren Traditionalismus informieren will, ist nicht nur für den ersten Zugriff auf online-Quellen angewiesen. Wo sonst kann man etwa näheres über die "Servi Jesu et Mariae" erfahren, wenn nicht auf den Homepages der jeweiligen Gemeinschaft? Oder wo findet man sonst Material zu sedisvakantischen Ordensgemeinschaften wie der "Congregatio Mariae Reginae Immaculatae" (CMRI)? [Kurz zur Begriffserklärung: Sedisvakantisten sind Traditionalisten, die infolge der nachkonziliaren Reformen die kirchliche Hierarchie für häretisch und daher ipso facto für abgesetzt halten. Der Stuhl Petri ist also vakant, daher der Name: Sedisvakantisten.] Auch wenn es nicht so exotisch zugehen soll: Berichte von Generalkapiteln, Personalia und andere Mitteilungen aus dem Leben der Ordensgemeinschaften, lassen sich schnell und unkompliziert den Homepages der jeweiligen Gemeinschaft entnehmen. Ein aktuelles Beispiel: Vor einigen Wochen ist der ehemalige Generalobere der Redemptoristen und in Ordensdingen sehr engagierte P. Josef Pfab C.Ss.R. verstorben. Einen recht ausführlichen Nachruf konnte man schon kurz nach seinem Ableben unter http://www.redemptoristen.de finden.

2.5 "Nützliche Seiten"
Schließlich sei noch auf "nützliche" Seiten hingewiesen, die nicht ausschließlich ordensgeschichtliche Informationen enthalten, gleichwohl aber gute Hinweise geben.

Da ist zunächst das Biographisch-Bibliographische Kirchenlexikon zu nennen, das zu einem erheblichen Teil online ist. Manche Artikel enthalten auch Aktualisierungen, die über das in der gedruckten Ausgabe Gebotene hinausgehen. Dort finden sich teilweise sehr umfangreiche Bibliographien zur Ordensgeschichte. Die Seiten des BBKL sind mit einer eigenen Suchmaschine erschlossen.

Interessant ist auch eine Seite der Universität Erlangen, auf der Inhaltsverzeichnisse historischer Zeitschriften aufgeführt sind. Die Materialfülle ist beeindruckend. Man kann sich viele Stunden in unterirdischen Zeitschriftenmagazinen sparen und mit der Suchfunktion des Browers die Recherche-Arbeit von einer Woche während einer Kanne Tee erledigen! Das sog. "Zeitschriftenfreihandmagazin" findet man unter: http://www.phil.uni-erlangen.de.

Nützlich ist auch die Lemmata-Liste der über 31.500 Stichwörter des Lexikon des Mittelalter (LexMA) unter: http://www.unizh.ch/lexma/stichwoerter.html. Mit Hilfe dieser Liste kann man einen Bibliotheksbesuch effektiv planen.

Erwähnenswert ist noch eine norwegische Seite, die eine Liste aller Selig- und Heiligsprechungen von Papst Johannes Paul II. enhält: Pave Johannes Paul IIs saligkåringer: http://www.katolsk.no. Die betreffenden Personen werden in einer ein bis zwei Druckseiten umfassenden Kurzbiographie näher vorgestellt. Da unter den neuen Seligen und Heiligen sehr viele Ordensleute sind und anstehende Selig- und Heiligsprechungenverfahren in den Ordensgemeinschaften oftmals Anlaß für historische Forschungen waren und sind, dürfte diese Seite für Ordenshistoriker von besonderem Interesse sein. In diesem Zusammenhang sei noch kurz angemerkt, daß auch die einzelnen Ordensgemeinschaften "ihre" Seligen und Heiligen im Internet vorstellen. So etwa die Passionisten (CP) unter: http://www.cp.pcn.net/santisp.html, und die Trinitarier (O.Ss.T): http://www.trinitari.it. Solche Zusammenstellungen wird man im herkömmlichen Schrifttum nur schwer finden, vor allem nicht mit so schönen Bildern wie bei den Trinitariern.

2.6 Suchstrategien
Fassen wir die Möglichkeiten der passiven Recherche im Internet zusammen. Mit Hilfe von online-Katalogen und Datenbanken kann die Literaturrecherche wesentlich vereinfacht werden. Erste Sachinformationen bieten demgegenüber Webseiten der einzelnen Ordensgemeinschaften. Diese findet man über Suchmaschinen oder über Linksammlungen. Am einfachsten ist der Weg durch eine der "Portal-Seiten", die bei http://www.orden-online.de nachgewiesen sind.

3. Aktive Nutzung
Mit der passiven Recherche sind die Möglichkeiten des Internet aber noch nicht erschöpft. Hinzu kommt noch die aktive Nutzung dieses Mediums. Im Gegensatz zur passiven Recherche, die sich auf schon im Netz vorhandene Informationen bezieht, ergreift der Forscher bei der aktiven Nutzung selbst die Initiative. Hier gibt es zwei Wege: die kommunikative Recherche, also das Stellen von Anfragen im Wege elektronischer Kommunikation, wie eMail, Mailinglisten und Newsgroups; dann die Nutzung des Internet, um selbst Inhalte online zu stellen, etwa auf einer eigenen Homepage oder gar in Form einer elektronischen Publikation.

3.1 Kommunikative Recherche
Bei der kommunikativen Recherche geht es, wie der Name schon sagt, um Kommunikation. Das Internet ist nicht nur ein Informations-, sondern auch ein Kommunikationsmedium. Damit bietet es die Möglichkeit, zu anderen Forschern im Bereich der Ordensgeschichte Kontakt aufzunehmen. Das kann auf dreierlei Weise geschehen: per eMail, in einer Mailingliste, in einer Newsgroup.

3.1.1 eMail
Per eMail findet ein schriftlicher Kontakt zwischen zwei Personen statt. So kann man etwa Anfragen an Ordensgemeinschaften, die das eigene Forschungsgebiet betreffen, bequem und schnell stellen. Nach meiner Erfahrung kann man schon binnen weniger Tage mit einer Antwort rechnen.

3.1.2 Mailinglisten
Mailinglisten sind eine Art Rundbriefzirkel. Jeder Teilnehmer einer solchen Liste kann eine eMail an die Liste schicken, die dann jedes Listenmitglied erhält. So kann man Kontakt zu gleichgesinnten Forschern finden, aber auch Publikationen und Veranstaltungen kostengünstig und zielgruppenorientiert bekannt machen. Für den Bereich der Ordensgeschichte ist mir zur Zeit keine Mailingliste bekannt. Aus Demonstrationsgründen habe ich daher eine Liste für die Ordensgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts bei http://www.egroups.de eingerichtet. Sie heißt "ordensgeschichte1920". Jeder, der interessiert ist, kann dort Mitglied werden und so mithelfen, eine ordensgeschichtliche Fachöffentlichkeit im Internet aufbauen. Um die Liste zu subskribieren, schickt man einfach eine eMail an ordensgeschichte1920-subscribe@egroups.de. Es wäre schön, wenn auf diesem Wege auch die Kommunikation des AKO modern und effizient moderiert werden könnte. Die Mailingliste, die ich eingerichtet habe, soll dazu die Möglichkeit eröffnen. Nähere Hinweise finden sich unter: http://www.egroups.de/group/ordensgeschichte1920.

3.1.3 Newsgroups
Im Gegensatz zu einer Mailingliste, die sich an die "geschlossene" Öffentlichkeit der Listenmitglieder richtet, ist eine Newsgroup ohne Einschränkung öffentlich. Man kann sich die Newsgroup als ein "schwarzes Brett" vorstellen, an das man Nachrichten schicken kann. In der Fachsprache des Internet wird das auch "posten" genannt. Auf diese Nachrichten können nun andere Netzteilnehmer wiederum in öffentlichen Nachrichten Bezug nehmen. Wegen der uneingeschränkten Öffentlichkeit eignen sich die Newsgroups nur bedingt für einen fruchtbaren Fachaustausch. Eine Newsgroup speziell zur Ordensgeschichte existiert meines Wissens zur Zeit nicht.

3.2 Eigene Angebote
Bislang wurde das Internet unter dem Gesichtspunkt eines Informations- und Kommunikationsmediums betrachtet. Man kann es darüberhinaus natürlich auch als Publikationsmedium nutzen. Dabei lassen sich zwei Möglichkeiten unterscheiden: die Einrichtung und Pflege einer eigenen Homepage und die elektronische Publikation.

3.2.1 Die eigene Homepage
Die eigene Homepage kann man als eine Art Visitenkarte im Internet bezeichnen. Ein kurzer (akademischer) Lebenslauf, Hinweise zu laufenden Forschungsprojekten, eine auf die eigene wissenschaftliche Arbeit bezogene Linksammlung und natürlich ein Verzeichnis eigener Publikationen sind denkbare Inhalte einer persönlichen Homepage. Für den Bereich der Ordensgeschichte kann die Seite des Freiburger Kirchenhistorikers Karl Suso Frank OFM das Gemeinte anschaulich illustrieren.

Was, außer der ganz natürlichen Neigung zu einer gewissen Selbstdarstellung, könnte der Nutzen einer solchen privaten Homepage sein? Da lassen sich mehrere Vorteile auflisten. Zum einen kann durch eine gut gemachte Homepage eine per eMail vorgebrachte Anfrage mit Substanz und Seriosität gefüllt werden. Wenn man auf eigene Publikationen und Forschungsprojekte verweisen kann - und das tut man indirekt mit der schlichten Angabe seiner Homepage-Adresse - wird man eher mit einer ergiebigen Antwort rechnen können, als jemand, der einfach nur ein paar Fragen hat. Durch die Angabe seiner Homepage kann man sich in einer eMail-Anfrage auch die manchmal lästige und umständliche Beschreibung der eigenen Person und der eigenen Forschungsrichtung sparen. Zum anderen entfaltet die eigene Homepage einen Effekt, den ich gern als "Reuseneffekt" bezeichnen möchte. Eine Reuse ist ein Netz zum Fangen von Fischen. Mit der Reuse "Homepage" fangen wir Gleichgesinnte und können Forschungskontakte knüpfen. Ich habe das am Beispiel der Seite des Archivs der Missionsschwestern ganz konkret erfahren. Plötzlich kommen Anfragen von Forschern, teilweise aus dem Ausland, die über Missionsorden in China arbeiten. Man kann so in einen lebendigen Austausch treten und vom Schreibtisch aus ein kleines wissenschaftliches Netzwerk errichten, das bei eigenen Fragen nützlich sein kann. Kurz: die eigene Homepage hilft ungemein, sich in der "science community" einen eigenen Platz zu verschaffen. Das umso mehr, je besser sie ist. Und das hängt von den Inhalten ab. Damit kommen wir zum nächsten Punkt, nämlich den online-Publikationen.

3.2.2 Online-Publikation
Der Übergang zwischen einer Hompage und einer Online-Publikation ist fließend. Beide sind informationstechnisch gesehen Online-Ressourcen. Während eine Homepage mehr gestaltete Information ist, die man, wäre sie gedruckt, als Prospekt oder Selbstdarstellung bezeichnen könnte, ist eine online-Publikation die Veröffentlichung eines größeren, zusammenhängenden Textes, also eines Buches oder eines Aufsatzes im Internet. Solche online-Publikationen gibt es viele. Meist sind sie online-Versionen eines gedruckten Werkes. Das schon erwähnte BBKL wäre ein Beispiel hierfür. Manchmal finden sich aber auch Texte, die allein im Internet vorhanden sind. Wegen urheberrechtlicher Schwierigkeiten und weil der Satz scripta manent wohl am ehesten für Gedrucktes gilt, wird von dieser Art der Publikation nur zögerlich Gebrauch gemacht. Sie bietet aber Chancen, die man bedenken sollte. Im Gegensatz zu Zeitschriften- und Buchpublikationen ist der Forscher bei der online-Publikation unabhängig von Verlagen. Er und nur er allein entscheidet, was er veröffentlicht. Gerade für junge Wissenschaftler kann die online-Publikation etwa einer gut gelungenen Seminararbeit das weitere Fortkommen fördern. Geht es um die schnelle Publikation aktueller Ergebnisse, vermag die online-Veröffentlichung das Verdienst der Erstentdeckung sichern. Für die Ordensgeschichte gebe ich abschließend ein Beispiel für eine online-Publikation. Es handelt sich um einen Aufsatz von Jürgen Sarnowsky aus dem Jahre 1999 mit dem Titel: "Die Quellen zur Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen", im Internet unter der URL: http://www.rrz.uni-hamburg.de/Landesforschung/Quellen.htm zu finden. Sarnowsky hat auch eine kleine Sammlung von den Deutschen Orden betreffenden Regesten ins Internet gestellt: http://www.rrz.uni-hamburg.de/westpreussen/orden.html.

4. Ausblick
Es sollte gezeigt werden, daß sich durch das Internet die Möglichkeiten der ordensgeschichtlichen Bibliographie und Recherche verbessert haben. Zu diesen Verbesserungen gehört nicht nur das im Vergleich zu gedruckten Repertorien schnellere und umfangreichere Datenmaterial, sondern auch der leichtere und fruchtbarere Austausch von Forschungsergebnissen, kurz: die Kommunikation zwischen den einzelnen Forschern. Das Internet ist damit nicht bloß ein Informationsmedium, sondern auch ein Kommunikationsmittel. Bei all den positiven Entwicklungen durch das Internet dürfen aber auch einige kritische Anmerkungen nicht fehlen. Im Vergleich zur gedruckten Information besteht beim Internet wegen der leichten Zugänglichkeit für jedermann auch die Gefahr der unseriösen oder fehlerhaften Information. Kein Verlag bürgt durch sein Lektorat für Qualität. Allerdings wird sich dieses Problem mit zunehmender Nutzung des Web auch verringern, jedenfalls im Bereich der Wissenschaft. Wer im Netz gelesen werden möchte, wer durch eigene Seiten auf sich aufmerksam macht und sich so in die Forschungsgemeinschaft seiner Disziplin einzubürgern anschickt, wird auf gute Information und richtige Inhalte bedacht sein. Hier liegt auch der Reiz des Internet. Es ist so gut und so schlecht wie seine Nutzer. Für die ordensgeschichtliche Recherche heißt das, daß der Forscher, der das Internet nutzt, selbst aufgerufen ist, am Informationsangebot des Web mitzuarbeiten. Hier sei allerdings eine deutliche Warnung angebracht: Die Möglichkeiten des Internet verführen leicht zur "Projekt-Macherei". Man sollte sich gut überlegen, was man im Netz anbietet und wie hoch der Pflegebedarf der online bereitgestellten Information ist. Nichts ist ärgerlicher, als eine veraltete und schlecht verwaltete Homepage.

Das Internet hat in hohem Maße die Arbeitsmöglichkeiten verbessert, es ersetzt aber nicht, wie man leichthin glauben kann, den kundigen Nutzer. Im Gegenteil, seine Informationsfülle und seine Kommunikationsmöglichkeiten kann nur derjenige zu seinem Vorteil voll ausschöpfen, der intelligent und verantwortungsvoll mit diesem Medium umgeht.

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Monday, 12-Feb-2001 16:07:14 CET

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