Was ist und wozu studiert man Informationsmanagement?
Wolfgang von Keitz / 1.Dezember 1998
Zum Berufsbild des Informationsmanagers
Was ist Informationsmanagement?
Von Daten ueber Information zum
Wissen
Der Informationsmanager
arbeitet im Team
Der Informationsmanager arbeitet
als Manager
Lehrinhalte und Lernziele
des Studiengangs
Zum Berufsbild des
Informationsmanagers
Information ist ein zentraler Bestandteil guten
Managements. Der dramatische Preisverfall in der Informationstechnik, verbunden
mit einer überproportionalen Leistungszunahme der Computer und enormen
Fortschritten in der Telekommunikation bieten eine einmalige Chance, das
Management von Unternehmen und oeffentlichen Einrichtungen durch die intensivere
Nutzung von Information wesentlich effektiver zu gestalten.
Die Probleme, die wir heute im Informationssektor
vorfinden, sind zahllos. Um nur einige zu nennen:
-
Was hat Prioritaet bei der Entwicklung von Informationssystemen?
-
Wie kann man unterschiedliche Informationsressourcen
integrieren?
-
Wie können Nichtinformationsspezialisten Informationssysteme
für sich nutzbar machen?
-
Wie können Konflikte zwischen Informationsspezialisten
und Informationsnutzern vermieden werden?
-
Wie kann dem Topmanagement das in Informationssytemen
steckende unternehmerische Potential verdeutlicht werden?
Wie können diese Probleme geloest werden? John
F. Rockart, der Direktor des Center for Information Systems Research der
MIT Sloan School of Management, schreibt im Juni 1981 ueber die zukuenftigen
Anforderungen an Informationsspezialisten: „In jedem Unternehmen besteht
ein Bedarf an Personen, die sich mit der Organisation von Information beschaeftigen,
die die Entwicklung von Informationssystemen planen und den Entwicklungsfortschritt
von Informationssystemen verfolgen. Kurz gesagt, es besteht ein Bedarf
an Personen, die sich als Architekten der Informationsinfrastruktur
eines Unternehmens verstehen. Diesen Personenkreis nennen wir Informationsmanager".
Was Rockart 1981 als Prognose verstand, ist heute Wirklichkeit geworden.
Gut ausgebildete Informationsmanager sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt.
Aufgabe der HBI ist es, Informationsmanager auszubilden.
Was ist
Informationsmanagement?
William R. Synnott und William H. Gruber veröffentlichen
1981 die erste Monographie, die den Titel „Information Resource Management"
trägt. Synnott und Gruber sind reine Praktiker. Synnott ist zu dieser
Zeit Senior Vice President der First National Bank of Boston und Gruber
ist President der Research und Planning Inc., einer auf das Informationsmanagement
spezialisierten Unternehmensberatung. Synnot und Gruber prägen mit
ihrer Veröffentlichung den heutigen Begriff des Informationsmanagement,
indem sie den damals weit verbreiteten, weitgehend technisch verstandenen
Begriff des Information Systems Management um den Gedanken des Information
Resource Management erweitern und zum Information Management
zusammenfassen. Informationsmanagement befasst sich nach Synnott und Gruber
mit zwei Fragen: Der Frage der Technik von Informationssystemen und der
Frage der Organisation der Inhalte in Informationssystemen. Beide Fragen
sind untrennbar miteinander verbunden, da die Wahl der Technik entscheidenden
Einfluss auf die Organisation der Inhalte hat.
Von Daten über Information
zum Wissen
John Diebold, der Gründervater der Unternehmensberatung
im Informationssektor, definiert Information in ihrem Kern als Analyse
und Synthese von Daten. Aus Daten wird durch den Einsatz spezifischer
Analyse- und Syntheseverfahren Information; und aus Information wird, wenn
sie denn kommuniziert und von einem menschlichen Gehirn internalisiert
wird, Wissen. Umgekehrt entsteht durch die Externalisierung von
Wissen Information, die wiederum durch Dekonstruktion in Daten zerlegbar
ist. Anders formuliert, wer sein Wissen aufzeichnet, produziert damit Information,
deren Daten sich in einer Datenbank speichern lassen. Eine andere Person
kann in dieser Datenbank recherchieren, erhält die entsprechenden
Daten, analysiert und interpretiert diese; es entsteht Information, aus
der wiederum Wissen erwachsen kann.
Während des Informationsmanagementsstudiums
wird man schnell feststellen, dass die Dinge nicht ganz so einfach sind,
wie sie nach John Diebold scheinen. Der Informationsbegriff ist in der
Tat erheblich vielschichtiger. Der Weg von den Daten über die Information
zum Wissen ist steinig und mühevoll. Üblicherweise bezeichnen
wir den Erwerb von Wissen als Lernen. Dass Lernen mit viel Arbeit
verbunden sein kann, haben jeder bereits auf seinem bisherigen Lebensweg
erfahren.
Was für jeden Einzelnen von uns gilt, gilt
auch für Unternehmen. Unternehmen produzieren Daten, Information und
Wissen. Und: Unternehmen müssen Daten, Information und Wissen von
aussen erwerben, wenn sie sie nicht selbst herstellen können oder
wollen. Erst in den letzten Jahren wurde vielen Unternehmern klar, dass
auch Unternehmen zum Erwerb von Wissen lernen müssen. Man spricht
in diesem Zusammenhang von der lernenden Organisation.
Der Prozess der Externalisierung von Wissen, seine
Speicherung, Erschliessung und Vermittlung nimmt in Unternehmen einen immer
groesseren Raum ein. Deshalb hat sich in den letzten Jahren ein eigenständiges
Tätigkeitsfeld entwickelt, das Wissensmanagement genannt wird.
Thomas Davenport, Professor für Informationsmanagement an der University
of Texas, hat mit seinem jüngst erschienenen Buch Working Knowledge:
How Organizations Manage What They Know deutlich gemacht, dass Informationsmanager
heute auch dieses Fachgebiet beherrschen müssen. Informationsmanager
sind meist eben auch Wissensmanager.
Der Informationsmanager
arbeitet im Team
In früheren Jahren wurde das Informationsmanagement
in Unternehmen in bestimmten organisatorischen Einheiten, wie Bibliotheken,
Archiven, Patentabteilungen und Informationszentren weitgehend zentral
organisiert. Mit der Entwicklung der modernen Informations- und Kommunikationstechnik,
insbesondere mit der Entwicklung des leistungsfähigen Personal Computers
und der lokalen und wide-area Netzwerktechnik setzte ein Umdenkungsprozess
ein. Heute ist man sich einig, dass Informationsorganisation in Unternehmen
mit Hilfe multimedialer Intranet- und Internet-Technologie weitgehend
dezentral erfolgen muss, wenn sie erfolgreich sein will. Dies bedeutet
auch, dass die entsprechenden zentralen Abteilungen an Bedeutung verlieren,
und dass Informationsmanager im Team mit Informatikern, Betriebswirten
und anderen Fachleuten an der Gestaltung unternehmensinterner Intranets,
Internet-Anwendungen, digitaler Bibliotheken, usw. arbeiten. Die spezifische
Aufgabe des Informationsmanagers ist es, bibliothekarisches, dokumentarisches
und informationswissenschaftliches Methoden- und Fachwissen in die Teamarbeit
einzubringen.
Der Informationsmanager
arbeitet als Manager
Als Informationsmanager sollte man sich im klaren
darueber sein, was Management bedeutet. In den entsprechenden Lehrbüchern
wird man zahlreiche unterschiedliche Definitionen finden. Kurz gesagt bedeutet
Management
-
Ziele setzen,
-
die Mittel zur Zielerreichung auswaehlen,
-
den Mitteleinsatz koordinieren,
-
den Grad der Zielerreichung kontrollieren und
-
bei Bedarf den Mitteleinsatz korrigieren.
Diese zielorientierte Managementphilosophie nennt
man Management by Objectives (MBO). Dies ist nur eine unter vielen
Managementphilosophien, und auch sie klingt in der Theorie einfacher, als
es in der Praxis dann tatsächlich ist.
Es leuchtet ein, dass die Ziele des Informationsmanagements
mit den Unternehmenszielen konform sein sollen. Um aber konkrete „Informations-Ziele"
setzen zu können, muss man die Informationsbedürfnisse seiner
potentiellen Nutzer kennen. Wer die Mittel zur Zielerreichung auswählen
will, wer entscheiden will, welche Hard- und Software in einem Unternehmen
im Rahmen der Informationsorganisation zum Einsatz kommt, muss über
die neuesten informationstechnologischen Trends informiert sein. Wer interne
Informationen strukturieren und externe Informationen beschaffen muss,
sollte die wichtigsten Werkzeuge der Informationsorganisation und die für
sein Unternehmen zentralen externen Daten- und Informationsbestände
kennen. Wer den Mitteleinsatz koordinieren will, muss im Umgang mit Hard-
und Software geschult sein; er sollte die wichtigsten Datenbanksystemen
kennen, um selbst Datenbanken aufbauen zu können, und er sollte in
den wichtigsten externen Datenbanken recherchieren können. Wer den
Grad der Zielerreichung kontrollieren und den Mitteleinsatz gegebenenfalls
korrigieren will, der muss die wichtigsten Regeln des Projektmanagements
beherrschen.
Hinzu kommt, dass der Informationsmanager auch
in eigener Sache aktiv werden muss. Er muss seine Vorstellungen und Ideen
seinem Topmanagement nahe bringen können, und er muss seine Informationsabteilung
ergebnisverantworlich leiten können. Hierzu gehören fundierte
betriebswirtschaftliche, informationsrechtliche und informationsethische
Kenntnisse.
Lehrinhalte des Studiengangs
Im Studiengang Informationsmanagement werden die
Lehrinhalte vermittelt, die für einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben
erforderlich sind. Nach Abschluss des Studiums werden die Absolventen
-
praktische Kenntnisse in der Anwendung moderner Informationstechnik
(grundlegende Hardwarekenntnisse, Betriebssysteme und Programmieren, Internet-
und Intranet-Anwendungen)
-
fundierte betriebswirtschaftliche Kenntnisse (Organisation,
Controlling, Marketing, Projektmanagement, usw.),
-
fundierte Kenntnisse informationswissenschaftlicher
Methoden und ihrer Anwendung (formale und inhaltliche Erschliessung, Aufbau
und Arbeitsweise von Retrieval- und Datenbankmanagementsystemen, Informationsorganisation
in offenen und geschlossenen Informationssystemen)
-
fundierte Kenntnisse der Informationssysteme, -strukturen
und -inhalte der Branche, in der sie spaeter taetig werden moechten (z.B.
im Bereich Wirtschaft die wichtigsten Wirtschaftsdatenbanken, im Bereich
Medien die wichtigsten Presse- und Mediendatenbanken, usw.)
besitzen.
Informationstechnische Kenntnisse, betriebswirtschaftliche
Kenntnisse und informationswissenschaftliche Methoden werden im Pflichtprogramm
des Studiengangs gelehrt. Im Wahlpflichtprogramm werden diese Kenntnisse
vertieft. Ferner soll in den Wahlpflichtfächern branchenspezifisches
Wissen erworben werden.
Informationsmanager werden mit Informatikern, Wirtschaftsinformatikern
und Betriebswirten um einen Arbeitsplatz konkurrieren. Jeder dieser Studiengänge
hat seine spezifischen Vorteile und seine Defizite. Studierende der HBI
haben das Plus, einen Studiengang gewählt zu haben, der das Thema
„Management von Information" in den Mittelpunkt seiner Lehrinhalte stellt.
Die HBI bietet Ihnen eine moderne informationstechnische
Infrastruktur, die zur eigenen Fort- und Weiterbildung genutzt sollte.
Nichts und niemand ist perfekt. Gerade das Taetigkeitsfeld
des Informationsmanagers ist von hohem Innovationstempo geprägt. Der
berufliche Erfolg vieler HBI-Absolventen zeigt aber, dass die HBI auf dem
richtigen Weg ist.
Thursday, 25-Mar-1999 23:01:42 CET
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