Luc Ciompi
Dr. med. Prof. für Psychiatrie (Sozialpsychiatrie Universität Lausanne)
Luc Ciompi, 1929 geboren, Psychiater und emeritierter Professor in Bern, hat sich seit längerer Zeit mit sozialpsychiatrischen Projekten und mit Schizophrenieforschung beschäftigt.
Luc Ciompi ist der Autor des Buches:
Die emotionalen Grundlagen des Denkens
- Entwurf einer fraktalen Affektlogik
Luc Ciompi, 1999, 2. Aufl., Göttingen
Sein hier vorgestelltes Buch ist das Resultat einer jahrelangen Beschäftigung mit dem Thema Affekt und der Organisation von Gefühls- und Bewusstseinszuständen. Er liefert eine eigenständige und anregende Einführung in die konstruktivistische Denkweise und vertritt einen Standpunkt, der den Gefühlen dabei Raum lässt. Er bezeichnet sich als "relativer Konstruktivist": relative Sicherheit in der Unsicherheit.
Kapitel für Kapitel entwickelt er ein Modell über die Emotionen und ihre Bedeutung für den Menschen. Dabei geht er von seinem Buch "Affektlogik" aus, in dem er darlegt, dass Gedanken, Gefühle und Körper eine Einheit sind. Er orientiert sich an seinen eigenen Erfahrungen als Psychiater und als fühlender und denkender Mensch und versucht, die Gefühlswelten mit Theorien der fraktalen Logik, der Chaostheorie und der Selbstorganisation zu erklären. Bei ihm hatte ich nie das Gefühl, dass er diese Modelle als Selbstzweck verwendet oder alte Weine in neue Schläuche abfüllt, sondern den Versuch unternimmt, die "seltsamen Eigenwelten" des menschlichen Daseins zu begreifen. Schritt für Schritt gibt er eine Einführung in diese modernen Theorien und macht dabei immer wieder einen Bezug zur Praxis. Er bezieht dabei auch die neuen Forschungen der Neurobiologie und der Neuropsychologie mit ein.
Buchzusammenfassung (Cover)
Das menschliche Denken organisiert sich ständig in komplexen Wechselwirkungen zwischen Emotionen und Erkenntnissen.
Für das Verständnis dieser Prozesse schlägt Ciompi ein Modell vor, das über die vertraute kausale Logik weit hinausführt:
Emotion und Kognition wirken zusammen in einem unablässigen Prozess der Selbstschöpfung, die sich mit ihr eigener Kraft wieder und wieder selbstähnlich hervorzubringen vermag.
Erstmals in der Geschichte des Denkens über das menschliche Denken stehen Philosophie, Psychologie und die jüngsten Erkenntnisse der Neurobiologie nicht mehr unvermittelt nebeneinander. In Ciompis Erkenntnis einer fraktalen Affektlogik heben sich ihre Widersprüche auf. Auch der alte Streit zwischen Materialismus und Idealismus, ob das Sein das Bewusstsein prägt oder erst das Bewusstsein die materielle Welt schafft, wird versöhnt in dieser Logik höherer Ordnung: Im Chaos, in fraktaler Ästhetik entfaltet sich das menschliche Fühlen und Denken, selbstschöpferisch und lustvoll.
Nach Ciompi wirken immer auch emotionale Einflüsse auf das Denken und Erkennen. Er stellt die theoretischen Grundlagen seines Postulats dar, analysiert das Zusammenwirken von Fühlen und Denken anhand konkreter Beispiele aus Beruf, Alltag und Literatur und reflektiert die möglichen praktischen und theoretischen Konsequenzen seiner Sichtweise.
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