Fraktale Affektlogik
Luc Ciompi
 

 

 
 

Grundbegriffe der Affektlogik



Der Begriff der Affekte wird in der Literatur bald als synonym und bald als verschieden von anderen ebenso uneinheitlich definierten Ausdrücken wie „Gefühl“, „Emotionen“, „Stimmungen“, „Launen“ oder „Gemütsbewegungen“ verwendet, wobei das umgangssprachliche „Gefühl“ dem subjektiven Körpererleben und auch der Intuition besonders nahe steht, während der – seinerzeit interessanterweise von Descartes in die Wissenschaft eingeführte – Begriff der „Emotion“ ( lat. motio = Bewegung) mehr die energetische und motivationale Seite des Gemeinten betont.

Aufgrund der ihm vorliegenden Untersuchungen definiert Ciompi den Begriff Affekt wie folgt:


"Ein Affekt ist eine von inneren oder äußeren Reizen ausgelöste, ganzheitliche psycho-physische Gestimmtheit von unterschiedlicher Qualität, Dauer und Bewusstseinsnähe."


„Kognition“ bedeutet wörtlich zunächst gar nichts anderes als Erkennen

Kognition definiert Ciompi folgendermaßen:


"Unter Kognition ist das Erfassen und weitere neuronale Verarbeiten von sensorischen Unterschieden und Gemeinsamkeiten beziehungsweise von Varianzen (Unterschieden, Abweichungen) und Invarianzen (Gleichheiten) zu verstehen."


Der Begriff der Logik – der „Kunst des Denkens“ oder des „richtigen Schließens“ – stammt vom griechischen „logos“ = „vernünftige Rede“ ab und hat im Wesentlichen zwei Bedeutungen, eine engere und eine weitere.

Im engeren Sinn geht es dabei um die Lehre von den formalen Beziehungen zwischen Denkinhalten, deren Beachtung im tatsächlichen Denkvorgang für dessen (’logische’) Richtigkeit entscheidend ist, das heißt um die formale Logik, so wie sie sich als streng rationale Wissenschaft seit Aristoteles bis heute herausgebildet und in eine Reihe von Unterdisziplinen wie mathematische und philosophische Logik, Aussagenlogik, Prädikatenlogik und so weiter aufgegliedert hat.

Im weiteren Sinn dagegen bedeutet „Logik“ nicht mehr als eine folgerichtige, das heißt in sich schlüssige oder auch nur gewohnte Verknüpfung von Sachverhalten, Handlungen, Verhaltensweisen.

Jede Logik entsteht aus der spezifischen Art und Weise, wie einzelne kognitive Komponenten – das heißt also Systeme von Unterschieden – zu einem größeren operationalen Ganzen zusammengebaut werden. Oder anders gesagt: Der Modus der Verknüpfung von kognitiven Elementen begründet eine Logik. Folgernd daraus definiert Ciompi Logik folgendermaßen:


Als Logik bezeichnen wir die Art und Weise, wie kognitive Inhalte miteinander verknüpft werden.


Was für Gefühle gibt es? - Grundgefühle und deren unendliche Abwandlungen

  • Angst, Furcht, Grauen, Horror, Panik ...
  • Wut, Zorn, Jähzorn, Empörung, Erbitterung ...
  • Trauer, Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Schwermut, Melancholie, Depression ...
  • Freude, Glück, Seligkeit, Liebe ...
  • Interesse, Aufmerksamkeit, Neugier ...
  • Ekel, Abscheu, Grausen ...
Innerhalb dieser sechs Grundgefühle gibt es weitere Gefühlsvarianten.



Zur reziproken (wechselseitigen) strukturellen Koppelung
zwischen dem
psychischen, sozialen und biologischen Phänomenbereich


... “Geisteswissenschaft ist letztlich nichts anderes als Hirnwissenschaft“, so formulierte kürzlich wieder ein bekannter Neurowissenschaftler mit dem Argument, dass heute schon „hinter“ praktisch jedem Fühlen und Denken können spezifische neuronale Prozesse nachgewiesen werden (Roth 1996)...

Die Grundüberzeugung von Ciompi ist, dass Fühlen, Denken und Umwelt immer untrennbar miteinander verknüpft sind.

"Sowohl der psychische, der soziale wie der biologische Bereich organisieren sich nach ihren je eigenen Gesetzmäßigkeiten selbst, und gleichzeitig beeinflussen sie sich in ihrer Struktur dort, wo sie interagieren, fortwährend gegenseitig."

Zu den typischen Vermittlern oder „psycho-sozio-biologischen Mediatoren“ zwischen den verschiedenen Ebenen gehört in erster Linie … das Phänomen der neuronalen Plastizität. Über sie wirken innerpsychische und soziale Prozesse in der Tat sehr klar auf das neuronale Substrat ein, was dann reziprok wiederum das subjektive psychische Erleben und das zwischenmenschliche Verhalten beeinflusst.

Ganz ähnlich sind Stressphänomene aller Art sowohl auf der psychosozialen wie biologischen Ebene gleichzeitig manifest. Neben vielfältigen körperlich-neurovegetativen Spannungs- und Überforderungssymptomen führen sie, wie die moderne psychoimmunologische Forschung gezeigt hat, auch auf der immunbiologischen Ebene zu Veränderungen im zellulären Abwehrsystem – einer Art mobilem Nervensystem – und alle diese körperlichen Veränderungen wirken ihrerseits dann sowohl auf den innerpsychischen Zustand wie auf das soziale Verhalten in vielfacher Weise zurück.



--->     Presseartikel aus "Welt am Sonntag" zu dieser Thematik



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zuletzt geändert am:    19.04.2005

von:    Roswitha Wettinger