Affektiver Inprint
Ein neourphysiologischer „affektiver Inprint“ in kognitiven Strukturen als Grundlage der Operatorwirkungen der Affekte?
Eine bereits 1991 und 1992 vorgeschlagene Gesamthypothese Ciompi’s lautet:
Die Entstehung von kognitiven neuronalen Strukturen wird durch einen spezifischen „affektiven Inprint“ stimuliert; der gleiche Affekt (beziehungsweise sein neurophysiologisches Äquivalent) ist in der Folge zur Reaktivierung der gleichen affektiv-kognitiven Strukturen nötig.
Gemeint ist damit, dass ein und derselbe neurophysiologische Mechanismus von allem Anfang an affektive Komponenten mit kognitiven Prozessen verbinden und später für das obligate Zusammenwirken beider verantwortliche sein könnte.
Oder anders gesagt: alle kognitiven Assoziationsbahnen besäßen damit von Anfang an eine mehr oder weniger spezifische affektive „Färbung“ oder „Prägung“.
Ein solcher Mechanismus würde auf einen Schlag zumindest die folgenden von der Affektlogik postulierten Phänomene erklären:
- Das obligate Zusammenspiel von Affekt und Kognition
- Die affektabhängige Entstehung von funktionell integrierten Fühl-, Denk- und Verhaltensprogrammen
- Die affektspezifische Fokussierung der Aufmerksamkeit
- Die affektabhängige Speicherung und Mobilisierung von kognitivem Gedächtnismaterial
- Die schalter- oder schleusenartig kanalisierende und komplexitätsreduzierende Operatorwirkungen der Affekte auf bestimmte kognitive Inhalte
- Die synchron wie diachron kontinuitätsschaffenden („leim- oder bindegewebsartigen“) Funktionen der Affekt auf kognitive Elemente
Die Inprint-Hypothese lässt sich auf noch durch das folgende ebenfalls aus dem Konzept der Affektlogik direkt ableitbare Erklärungselement weiter abrunden:
Ausgehend von unserer Definition von Kognition als Wahrnehmung und Verarbeitung von sensoreichen Differenzen wäre denkbar, dass (ähnlich wie ein einem digitalen Computer) jedem relevanten kognitiven Unterschied eine funktionelle Verzweigung im neuronalen Netzwerk entsprechen würde, über welche die von bestimmten sensorischen Reizen herrührende neuronale Erregung je nach Kontext und Stimmung entweder in die eine oder die andere von zwei möglichen Richtungen umgelenkt würde.
Wenn nun affektspezifische Transmittoren oder Modulatoren im Sinn des postulierten „affektiven Inprints“ bei der Entstehung wie Aktivierung von solchen Bifurkationen (Gabelungen) wirksam würden, so ergäbe sich insgesamt das Bild einer einfachen Beziehung zwischen den kognitiven Prozessen und der funktionellen neuroanatomischen Feinstruktur einerseits, und den affektiven Prozessen und der biochemisch-humoralen Aktivierung dieser Feinstruktur durch bestimmte Neurotransmittoren andererseits.
Zugleich ließen sich affektive und kognitive Elemente zu einer ebenso ökonomischen wie biologisch sinnvollen Hypothese über deren funktionelles Zusammenspiel vereinen: Bildlich dargestellt entspräche das kognitive System damit einem komplex konfigurierten Röhrensystem, dessen Verzweigungen durch den Druck der darin fließenden Flüssigkeit (= die spezifischen Affekte bzw. ihre neourtransmittorischen Äquivalente) selbst gebildet wie auch in der Folge immer wieder geöffnet(das heißt affektspezifisch aktiviert) oder auch geschlossen (affektspezifisch gehemmt, blockiert) würden.
Zu den konkreten Hinweisen auf einen solchen Zusammenhang darf man die bereits erwähnten Befunde zur affektstimulierenden Reifung von dopaminergen (die Wirkung des Dopamin betreffend – Dopamin ist eine biochemische Vorstufe von Adrenalin und Noradrenalin) Verbindungsbahnen zwischen präfrontalem Kortex und limbischem System in früher Kindheit zählen. Wie beschrieben beeinflussen diese Verbindungsbahnen die Qualität der späteren zwischenmenschlichen Beziehungen entscheidend. Nach Schore (der sich übrigens auf unsere Inprint-Hypothese ausdrücklich bezieht) wird die Reifung der besagten Bahnen durch Endorphine (endogene Morphine – vom Körper selbst erzeugte Morphine – starke analgetische, schmerzlindernde Wirkung – Endorphine können als Neurotransmitter, Neuromodulatoren oder als Hormone wirken – wird oft auch als „Glückshormon“ bezeichnet) stimuliert, deren Ausschüttung ihrerseits von einer postiven Mutter-Kind-Beziehung abhängt (Schore 1994). Gleichzeitig aktivieren dieselben Endorphine die betreffenden Verbindungsbahnen.
"Stillen hilft gegen Schmerzen"
Artikel aus der "Netzeitung" www.netzeitung.de
Die Annahme liegt damit nahe, dass prinzipiell sehr ähnliche, aber durch andere Affekte (bzw. Transmittoren) vermittelte biochemische Einflüsse bei der Entstehung auch von weiteren kognitiven Bahnungen eine analoge Rolle spielen könnten.
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Im Bereich der Personalwirtschaft wird der sogenannten "Graugansphase" eine besondere Bedeutung beigemessen.
Mit der "Graugansphase" wird die erste Phase des Erlebens und Kennenlernens eines Unternehmens aus der Sicht eines neuen Mitarbeiters bezeichnet.
Erfahrungen und Studien haben ergeben, dass dieses erste Erleben und Kennenlernen von entscheidender Bedeutung für die zukünftige Beziehung des Mitarbeiters zum Unternehmen sind.
Die "Graugansphase" ist nach einem Experiment von Konrad Lorenz mit Graugänsen benannt ist. Dabei war der erste Eindruck der frisch geschlüpften Entchen entscheidend dafür, wen sie künftig als Muttertier akzeptierten.
Ein positver erster Eindruck in der ersten Kennenlernphase eines Mitarbeiters wirkt sich entscheidend für die spätere Zusammenarbeit aus. Dabei wirkt sich der erste positve Eindruck weiter für eine spätere positive Zusammenarbeit aus.
Ein negativer Eindruck wird sich auf die spätere Arbeit entsprechend negativ auswirken.
Die erste entscheidende Prägephase im Unternehmen bestimmt also die künftige Zusammenarbeit immens.
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