Facetten der fraktalen Affektlogik
Das Entstehen von
affektiv-kognitiven „Schienen“ und „Eigenwelten“
Beispiel
Angst und Angstlogik
...Eine hochgradig beklemmende Einengung von Fühlen und Denken stellt zugleich ein wesentliches Merkmale einer jeden typischen „Angstlogik“ dar ...
Es gibt unzählige Formen von Angst ...
Qualität und Dauer der Ängste können sehr unterschiedlich sein, und infolge davon auch der Bewegungsimpuls „weg von“ oder „Distanzierung von“ ...
Kollektive fraktale Affektlogik
Eine ganz wichtige Betrachtungsweise findet sich auf S. 237:
Ciompi macht hier den Brückenschlag von individuellen Prozessen zu sozialen Systemen: er nennt sie "kollektive fraktale Systeme". Er beschreibt die emotionale Ansteckung und Versklavung von Menschen als Emergenzphänomen. Menschen können auch zusammen in "Eigenwelten" kommen, als Paar in einer "Folie à deux" (Fälle von induziertem Wahn bei zwei eng zusammenlebenden Personen) landen, als Gruppe zu einer Sekte mutieren oder als Volk in rassistischen kognitiv-emotionalen Eigenwelten landen. (Das kann natürlich auch in positive Zustände emergieren.)
Einen systemtheoretisch fundierten Zugang zum Thema der Beziehungen zwischen Affekten und Gesellschaft finden wir des weiteren bei Niklas Luhmann.
Luhmann befasst sich nicht direkt mit den Wirkungen von Affekten auf das kollektive Denken, sondern nur indirekt über die- für ihn entscheidende –Rolle von sozialen Systemen als Kommunikations- Sinnsystem, bzw. Problemlösungssysteme, oder Möglichkeiten der Komplexitätsreduktion durch sinngebende Selektion aus der komplexen Umwelt.
Sinn (oder auch „Systemrationaltität“, wie Luhmann sagt) wird dabei selbstreferentiell prozesshaft konstituiert über die Ordnung von Erwartungsstrukturen mittels Identifikation von bestimmten Personen, Rollen, Programmen oder Strategien und Werten.
Luhmann 1982, 1984
Auch Luhmanns ganzer systemtheoretisch-konstruktivistischer Ansatz mit Einschluss seines Begriffs der Interpenetration zwischen dem psychischen, sozialen und organisch-biologischen Bereich stimmt weitgehend mit meinen eigenen Auffassungen überein. Umso verwunderlicher mag es deshalb erscheinen, dass Luhmann die Wirkung von Affekten in sozialen Systemen jeder Größenordnung nicht als die grundlegende Kraft und Energie erkennt, die die ganze Systemdynamik erst in Schwung bringt und zugleich organisiert.
Beispiel für kollektive fraktale Affektlogik
... Hinter den momentanen oberflächlichen Motivationen stecken also noch sehr viel massivere und vor allem auch permanentere selbstähnliche Affektdynamismen historischer und nationalchauvinistischer Art (Chauvinismus - extremer Patriotismus und Nationalismus, verbunden mit starker emotionaler Ablehnung alles Fremden), die bei Gelegenheit dann – anlässlich der Europameisterschaften 1995 etwa in Form eines erschreckend gehässigen, wenn auch nur in der Presse ausgetragenen regelrechten „Fußballkriegs“ zwischen England und Deutschland – fast unverhüllt zutage treten können.
Ähnlich regressive Hintergründe werden, wie Freud gezeigt hat, auch in anderen Kollektivphänomenen wie etwa der Massenhysterie, der Massenpanik oder Massenwut immer wieder wirksam.
... Alles spricht sogar dafür, dass – von Ausnahmefällen und –situationen abgesehen – die dynamischen Wirkungen dieser Gruppen und Gemeinschaftsgefühle ( der sogenannten „Wir- Gefühle“) viel stärker sind als jede formale Logik oder „Vernunft“: Nur sie vermögen nämlich zu erklären, was für total verschiedene affkektiv-kognitive „Eigenwelten“ gleichermaßen intelligente und „vernünftige“ Menschen selbst unter „ganz normalen“ Umständen auszubilden vermögen.
Kommunikation ist definitionsgemäß ein soziales Phänomen, und stark affektgesteuerte Komponenten – darunter namentlich Gesichtsausdruck Körperhaltung, Stimme, Gestik (---> !!! Lachen!) – spielen in der verbalen wie nonverbalen Kommunikation eine mindestens gleich große Rolle wie die rein kognitiven Inhalte.
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