Fraktale Affektlogik
Luc Ciompi
 

 

 
 

Zum Menschenbild
der fraktalen Affektlogik



Akzeptierte und integrierte Emotionalität gepaart mit vertiefter Einsicht in Wesen und Wirkung dieser Emotionalität selbst, so könnte also die sicher nicht leicht zu erfüllende Forderung lauten, die sich als ethische Konsequenz aus der Theorie der frakatalen Affektlogik ergibt.

Sie müsste zu einer Haltung der gegenseitigen Toleranz und Achtung vor dem ganz anderen verbunden mit klarer Abgrenzung und Selbstbehauptung führen, wie sei mikrosozial wohl am ehesten im Ideal eines partnerschafltich-gleichberechtigten Umgangs mit dem anderen Geschlecht und makrosozial im Ideal einer sowohl demokratischen wie auch sozialen, Minderheiten und Schwächere systematisch vor dem Faustrecht des Stärkeren schützenden Staats- und Völkerordnung gegeben scheint. Von einem solchen Ideal aber sind wir gewiss auf allen individuellen wie kollektiven Ebenen, am krassesten jedenfalls auf der Ebene des Umgangs der Völker untereinander (durchaus mit Einschluss der demokratisch regierten westlichen Industrienationen, die zur Zeit mit offener oder versteckter Gewalt ihre eigene Weltsicht als die einzig richtige Wahrheit weltweit durchzusetzen versuchen), offensichtlich immer noch meilenweit entfernt.

... Der ethisch relevante Schluss aus dieser Sachlage könnte sein, dass nicht mehr ein Welt- und Menschenverständnis ohne Angst oder Aggressivität, Wut oder Trauer, sondern ein möglichst „viables“ (lebensförderndes, konstruktives) Gleichgewicht zwischen all diesen (und vielen weiteren) Affekten beziehungsweise Emotions-Kognitionswelten für den einzelnen wie für das Ganze ein sinnvolles Ziel sein könnte.

Gleichzeitig aber wäre zu fordern, dass alles in allem die aufbauenden, vereinigenden und kreativen „positiven“ Gefühle wie Freude und Liebe, Lust und Vergnügen in einer solchen „Affektbalance“ letztlich die Oberhand – sagen wir eine Majorität von mindestens 51 Prozent – behalten müssten, denn ohne ein solches Übergewicht wäre die Zerstörung des sozialen Mikro- und Makrogewebes (der Triumph der Todestriebe, wie Freud zweifellos formulieren würde) unausweichlich.



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zuletzt geändert am:    19.04.2005

von:    Roswitha Wettinger