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Armut
und Konflikte: Eine Bestandsaufnahme
Autor: J. Hof
Aufschwung, kultureller
Dialog und steigender Wohlstand für alle - das versprechen die Befürworter
der Globalisierung.
Gewaltausbrüche, Konflikte, Umweltzerstörung und eine starke Konzentration
wirtschaftlicher Macht auf wenige Länder sind jedoch aktuelle Realität.
Fast ein Viertel der Menschheit lebt in absoluter Armut mit weniger als
1$ pro Tag.
Wenn von Konflikten,
Gewalt und Armut die Rede ist, gibt es zwei Denkschulen.
Die vorherrschende
Denkschule geht davon aus, dass die Ursachen für diese Erscheinungen in
länderspezifischen Eigenschaften und Entwicklungen (mangelndes Wirtschaftswachstum,
schlechte Regierungsführung) liegen.
Das ist in vielerlei Hinsicht richtig. Und doch hat diese Annahme einen
prinzipiellen Fehler: Sie klammert die internationalen - oder globalen
- Dimensionen der Konflikte aus und versäumt es, die verschiedenen Faktoren
in einer ganzheitlichen Betrachtungsweise zu verknüpfen.
Der Grund dafür liegt darin, dass sie auf der grundsätzlichen Richtigkeit
bzw. Unveränderbarkeit des bestehenden Systems (der wirtschaftlichen und
politischen Verhältnisse) ausgeht. So wird einer der bedeutenden Faktoren,
die Armut in einer Region erst hervorrufen - nämlich die Ausbeutung durch
ausländisches Kapital unter den Bedingungen des freien Marktes -, als
Lösung für die wirtschaftliche Misere der Region gesehen.
Eine alternative Sichtweise
argumentiert, dass Armut zwar Wurzel von Konflikt und Gewalt ist, aber
nicht aus sich heraus existiert, sondern durch die Art und Weise geschaffen
wurde, wie eine Region in die globale Wirtschaft integriert ist. Die Grundlage
ihrer Integration ist (hervorgerufen durch die wirtschaftliche und politische
Schwäche) der ungleiche Tausch zwischen dem, was die Region der globalen
Wirtschaft bietet, und dem, was sie dafür erhält.
Legitimiert wird dieser Tausch durch die Ideologie des freien Marktes.
Doch hinter dem freien Markt stehen die großen Monopole und Oligopole,
die ihn kontrollieren - von Diamanten über Rindfleisch und Getreide bis
zu Microsoft.
Der freie Markt ist ein Mythos. Die Gewalt beruht auf der Ausplünderung
der Regionen durch dieses System.
Aber nicht nur die Profitgier der Unternehmen verursacht das Weiterbestehen
der krassen Unterschiede zwischen den Reichsten und den Ärmsten.
Zu einem großen Teil liegt die immer größer werdende Armut und Abhängigkeit
der Entwicklungsländer auch in den Versäumnissen und der Doppelmoral im
Handeln vieler reicher Industrienationen, die den "freien Markt" durch
Handelshemmnisse, unfaire Rahmenbedingungen und Einflussnahme auf das
Handeln von IWF und Weltbank nach ihren Vorstellungen (und Vorteilen)
gestalten.
Die Wahrheit liegt
wie so oft dazwischen und muss von Kontinent zu Kontinent und Land zu
Land differenziert betrachtet werden.


Quelle für alle Schaubilder:
A
Better World For All
Das Konzept einer
neuen internationalen Wirtschaftsordnung
1974 verabschiedete
die UNO gegen die Stimmen der führenden westlichen Industrienationen eine
Erklärung über die Errichtung einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung.
Zentrale Forderungen
waren:
- Die wirtschaftliche
Zusammenarbeit der Staaten soll auf der Basis der vollen, beständigen
und unantastbaren Souveränität der Staaten erfolgen. Jeder Staat hat
seine eigene Souveränität über seine Bodenschätze und seine gesamte
wirtschaftliche Tätigkeit.
- Die Stabilität
der Rohstoffpreise muss gewährleistet sein.
- Entwicklungsländer
sollen das Recht bekommen sich zu so genannten Produzentenkartellen
zusammenzuschließen, um notwendig werdende Preiserhöhungen von Rohstoffen
durchzusetzen
- Steigerung der
Rohstoffverarbeitung in der Dritten Welt
- Abbau von Zollschranken
für Dritte Welt Waren
- Tätigkeit der
so genannten Multikonzerne muss kontrolliert und an die nationalen Entwicklungspläne
angepasst werden.
- Nahrungsproduktion
muss gesteigert werden.
- Alle Staaten werden
aufgefordert, die Vergeudung von Gütern der Natur, einschließlich der
Nahrungsmittel, zu beenden.
Das Konzept der Abkopplung,
dass von einigen Autoren skizziert wurde, ging noch einen Schritt weiter
und forderte eine Abtrennung der Wirtschaften der Entwicklungsländer von
der Weltwirtschaft. Sie sollten vor der Ausbeutung durch internationale
Multikonzerne geschützt werden und die Möglichkeit bekommen, untereinander
Handel zu betreiben um die Grundsteine für eine eigene funktionierende
Wirtschaft zu legen.
Man kann also sagen,
die führenden Wirtschaftsnationen haben das Problem bis heute ausgesessen.
Stattdessen steckten Sie Millionen in Entwicklungsprojekte, die meist
nicht sonderlich erfolgreich waren und von der nur eine dünne Oberschicht
in den Metropolen und die Großgrundbesitzer profitierten.
Erst jetzt, in Zeiten,
in denen internationale Konflikte und terroristische Aktivitäten wieder
Überhand gewinnen, gewinnt auch die Diskussion um eine gerechtere Weltordnung
und die Bekämpfung der Armut wieder mehr öffentliche Aufmerksamkeit. Eine
herausragende Bedeutung fällt hier dem UNO-Generalsekretär Kofi Annan
zu.
Im Folgenden beschäftigen
wir uns mit den Ursachen der Armut und der aktuellen Situation in den
"Armenhäusern" der Erde: Afrika, Asien und Lateinamerika.
Armut in Afrika
Afrika ist ein Paradebeispiel
für fehlgeschlagene Entwicklungshilfe.
Meist wird das Geld, dass an der einen Stelle in das Land oder die Menschen
investiert wird an anderen Stellen durch niedrige Löhne, Handelshemmnisse
und Schuldentilgungen doppelt wieder zurückgeholt.
Die Verschuldung der afrikanischen Länder steigt weiter rapide an und
reicht bei weitem nicht aus, die jährlichen Verbindlichkeiten an die Gläubiger
zurückzuzahlen.
Da die Gläubiger ihr
Geld bekommen wollen, andererseits jedoch durch unerfüllbare Rückzahlungsforderungen
ihren potenziellen Investitions- und Absatzmarkt nicht in den Ruin stürzen
wollen, hat sich der IWF das Konzept der "tragbaren Schulden" ausgedacht,
das heißt Schulden werden so beglichen, dass sie die Wirtschaft nicht
zerstören.
Man könnte dieses Konzept jedoch mit ebenso großem Recht Konzept der "tragbaren
Armut" nennen: einerseits Afrika auf einem Armutsstand zu halten, auf
dem die Menschen nicht gleich tot umfallen und andererseits den größten
wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen.
Aufgrund dieser ausweglosen
Situation der meisten afrikanischen Staaten müssen die reichsten Nationen,
die meist auch die größten Schuldner sind, sich fragen, ob es nicht Zeit
ist, einen radikalen Schnitt zu machen und das jetzige System aus politischen
und wirtschaftlichen (und meist egoistischen) Interessen von Grund auf
neu zu überdenken.
Es muss klar werden, dass das primäre Augenmerk auf der Heranführung der
armen Länder an die wohlhabenden Länder liegen muss.
Und das durchaus auch aus Eigennutz. Es ist illusorisch anzunehmen, dass
in den betroffenen Gebieten der Erde, angesichts bitterer Armut, großem
Bevölkerungswachstum und knapper Mittel jemals Frieden einkehrt. Unfrieden
aber kostet: Militärausgaben, humanitäre Hilfe, Aufbauhilfe, Aufbaukredite
usw.
Um Afrika also Perspektiven
für die Zukunft zu geben muss man den Kreislauf aus Ausbeutung von Ressourcen
und Arbeit durch das Ausland oder die einheimische Oberschicht, Schuldrückzahlungen,
Gewaltherrschaft lokaler Stammesfürsten, tödlichen regionalen Konflikten
und bitterer Armut durchbrechen.
Dazu gehört (auch wenn es für die sog. High Income Countries schmerzhaft
ist) zuerst ein umfassender Schuldenerlass. Wenn man den Menschen in Afrika
die Möglichkeit geben will, sich mit internationaler Hilfe, aber letztendlich
durch eigene Leistung aufzurichten und eine funktionierende Marktwirtschaft
aufzubauen, muss man ihre Wirtschaften schützen. Und das erfordert auch
Entscheidungen gegen den Widerstand mächtiger europäischer und amerikanischer
Wirtschaftslobbys (v.a. Agrarlobby).
Nötig ist eine Transformation
der Wirtschaft wie der Natur des Staates. Die Wirtschaft muss unter die
Kontrolle der Bevölkerung zurückgebracht und ausgerichtet werden auf deren
Bedürfnisse und nicht auf die der Exporteure afrikanischen Reichtums.
Die wertvollen Ressourcen Afrikas dürfen nicht exportiert, sondern dort
auch verarbeitet werden. Ein Land kann nicht nur vom Exportieren seiner
Rohstoffe leben.
Nötig ist nicht ein Minimal-Staat, wie ihn IWF und Weltbank favorisieren,
sondern ein rechenschaftspflichtiger Staat. Der Minimal-Staat überlässt
die Macht den Unternehmen. Wir brauchen Staaten, die soziale Verantwortung
übernehmen können.
Armut in Asien
Das Gesicht Asiens
ist vielfältig. Einige Länder haben in den letzten Jahren den Modernisierungsprozess
stark vorangetrieben (wie z. B. China und Japan) und waren auch wirtschaftlich
erfolgreich.
Die Länder, die während des kalten Krieges nicht von der finanziellen
und materiellen Unterstützung durch USA, Europa oder Sowjetunion aufgrund
militärtaktischer Überlegungen erhalten hatten, verharrten meist auf nahezu
demselben Wirtschafts- und Armutsniveau (meist aufgrund diktatorischer
Regimes oder Stammes- ethnischer oder religiöser Konflikte.
Zu diesen Ländern gehören z. B. Pakistan und Indien, Afghanistan, Irak,
Nord- und Südkorea.
Beschleunigte Globalisierung, angeführt von steigendem Außenhandel und
rapide wachsenden Finanzströmen, verstärkt durch die rasche Ausbreitung
der Informations- und Kommunikationstechnologie, hat die Ungleichgewichte
zwischen und innerhalb der Länder eher noch verschärft.
Es gab Rückschläge bei der Bekämpfung der Armut und es wurde deutlich,
dass auch diejenigen Länder, die in den vergangenen Jahrzehnten wirtschaftlich
erfolgreich waren, noch unter erheblichen institutionellen Schwächen,
etwa im Justizwesen, im Finanzsystem oder bei der Durchsetzung demokratischer
Werte und Strukturen leiden.
Die Tragfähigkeit der - bei allen Unterschieden im Einzelnen - Mischung
aus autoritären politischen Regimes und kleinen, mit dem Staat eng verflochtenen
wirtschaftlich einflussreichen Gruppen ist durch die Krisen der vergangenen
Jahre in Frage gestellt worden.
Von den über 3,5 Milliarden
Menschen in Asien leben heute nahezu 900 Millionen in Armut (nach dem
Weltbank-Kriterium von weniger als einem US-Dollar pro Tag), mit zunehmender
Tendenz.
Die Erfolge der Armutsreduzierung in den vergangenen Dekaden waren vor
allem eine Konsequenz des rapiden Wirtschaftswachstums in Ost- und Südostasien,
aber auch gezielter armutsorientierter Investitionen in die Infrastruktur,
in das Gesundheits- und das Bildungswesen, die u. a. dazu beigetragen
haben, dass seit 1970 die durchschnittliche Lebenserwartung in Asien von
48 auf 65 Jahre und die Alphabetisierungsquote von 40 auf 70 % zugenommen
haben. Auch Japan als hoch entwickeltes Industrieland der Region war ein
starker Wachstumsmotor. Gleichzeitig blieben allerdings Reformen der Strukturen,
insbesondere der Wirtschaftsverfassungen der Länder, aus.
Eine gute Regierungsführung
(good governance), die die Menschenrechte und demokratische Grundprinzipien
achtet und auch die politische Partizipation der Zivilgesellschaft gewährleistet,
ist ein Schlüsselfaktor für die Erreichung nachhaltiger Entwicklung und
die Bekämpfung der Armut. Auch für die wirtschaftlich dynamischen Länder
Asiens ist die Schaffung von Presse- und Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung
und Menschenrechten nicht nur für die ökonomische, sondern auch die soziale
Entwicklung eine große Herausforderung.
So ist im Asien-Konzept
des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
zu lesen:
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"Der "Entwicklungsstaat",
geprägt durch seine autokratischen Leitungsstrukturen und sein korporatistisches
Modell des Zusammenwirkens der öffentlichen Verwaltung und privater
Großunternehmen, beherrschte lange Zeit das Bild Asiens.
Mit der Öffnung und Modernisierung der Gesellschaften und den Anpassungserfordernissen
an sich rasch wandelnde internationale Rahmenbedingungen sind die
Anforderungen an das staatliche Management komplexer geworden.
Dies zeigt sich in besonderer Weise in den Transformationsländern
Asiens, in China, in Teilen Südostasiens und in Zentralasien, wo
im Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft vor allem das institutionelle
Vakuum spürbar wird, also der Mangel an leistungsfähigen staatlichen
Strukturen auf allen Ebenen.
Über die reine Effizienz staatlicher Strukturen hinaus kommt es
aber vor allem darauf an, dass sich der Staat in seinem Handeln
öffnet und stärker an den Bedürfnissen der Bevölkerung ausrichtet.
Überall wird deutlich, dass zur Lösung der anstehenden Probleme
eine breite Beteiligung der Zivilgesellschaft, insbesondere auch
der Frauen und ihrer Organisationen, notwendig ist. Die rechtlichen
und institutionellen Voraussetzungen hierzu müssen jedoch häufig
erst noch geschaffen werden und ein Umdenken hin zu mehr Pluralismus
und Demokratie stattfinden.
In einigen Ländern der Region werden Menschenrechte - teilweise
massiv - verletzt, Kernarbeitsnormen, darunter das Verbot der Kinderarbeit,
nicht eingehalten.
Die Förderung der Menschenrechte ist nicht nur ein eigenständiges
Handlungsfeld - sie ist auch Voraussetzung für die Verwirklichung
vieler anderer Politikziele.
Frauen in Asien
sind besonders häufig Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Es
gilt, die Gleichberechtigung von Frauen in allen Lebensbereichen
zu fördern, ihre Einfluss- und Entscheidungsmöglichkeiten zu erweitern,
ihre Macht zu selbstbestimmtem Handeln zu stärken, Gewalt gegenüber
Frauen zu überwinden und ihren Zugang zu Ressourcen zu verbessern."
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Quelle: A
Better World For All
Subregionale Besonderheiten:
Südasien
(Afghanistan, Bangladesh, Bhutan, Indien, Malediven, Nepal, Pakistan,
Sri Lanka)
In Südasien leben
mehr als 500 Mio. der ca. 1,3 Milliarden Armen weltweit, die mit weniger
als 1$ pro Tag auskommen müssen.
Südasien ist am wenigsten in den Welthandel integriert (Anteil am Welthandel
beträgt nur 1%), was vor allem am wirtschaftlich militärisch und politisch
stärksten Land der Region, Indien, liegt, dass erst in den letzten Jahren
nach einer langen Phase mit einer stark staatswirtschaftlichen und an
nationaler Unabhängigkeit orientierten Wirtschaftspolitik mit einer schleppenden
Liberalisierung und Öffnung seines Handels begonnen hat.
Der immer wieder auflodernde Kaschmir-Konflikt und die von den G8-Ländern
wegen beidseitiger Atomtests verhängten Wirtschaftssanktionen haben Pakistan
und Indien wirtschaftlich zugesetzt.
Bangladesh wurde durch politische Streiks und Jahrhundert-Überschwemmungen
schwer belastet und Afghanistan muss nach jahrelanger Taliban-Herrschaft
und Krieg im wahrsten Sinne des Wortes erst wieder neu aufgebaut werden.
Südostasien
(u.a. Malaysia, Thailand, Indonesien, Kambodscha, Laos, Vietnam, Phillipinen)
Innerhalb Südostasiens
haben einige Länder deutliche wirtschaftliche Fortschritte zu verzeichnen
(z. B. Thailand, Indonesien), während einige andere noch zu den ärmsten
Asiens gehören (z. B. Kambodscha, Vietnam).
Auszug aus dem Asien-Konzept
des BwZE:
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"In den fortgeschrittenen
Ländern wurde im Zuge der Krise evident, dass sie noch über erhebliche
Defizite im Rechtssystem und im Finanzsystem verfügen und dass ihre
spezifische politische Struktur - die enge Verflechtung einer kleinen
Wirtschaftselite mit den staatlichen Strukturen - die notwendigen
Reformen nur gegen erhebliche Widerstände zulässt.
In den ehemaligen
Planwirtschaften Südostasiens steht der Übergang zu marktwirtschaftlichen
Strukturen mit einem großen Bedarf an Institutionenaufbau und Ausbildung
sowie im Aufbau der Infrastruktur ganz im Vordergrund.
Bei allen Unterschieden besteht in sämtlichen Ländern ein deutlicher
Bedarf an Unterstützung bei der Formulierung und Umsetzung einer
am Gemeinwohl orientierten Regierungsführung, hinsichtlich der Beteiligung
der Bürger und Bürgerinnen an politischen Entscheidungsprozessen,
bei der Eingrenzung der Korruption, Bekämpfung der organisierten
Kriminalität, der Verwirklichung der Rechtsstaatlichkeit, bei der
sozialen Sicherung und bei der Formulierung staatlicher Politiken,
z. B. einer Deregulierungs- und Wettbewerbspolitik.
Regionale Vertrauensbildung
und Krisenprävention sind international erst möglich, wenn in den
größeren Territorialstaaten dieser Region interne Stabilität, Demokratie
und Rechtstaatlichkeit gegeben sind."
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Ostasien und Pazifik
(u.a. Japan, Korea, China, Taiwan, Mongolei, Marshall Islands)
Die meisten Länder
außerhalb des Westens, die Anschluss an den weltweiten Modernisierungsprozess
gefunden haben, sind in Ostasien zu finden (v.a. Japan, Korea und China+Taiwan).
Gleichzeitig weisen die VR China und insbesondere Nordkorea noch erhebliche
Defizite bei der Beachtung demokratischer Grundprinzipien und der Menschenrechte
auf.
Zentralasien
(u.a. Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan)
Auszug aus dem Asien-Konzept
des BwZE:
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"Die zentralasiatischen
Länder Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan
(zusammen rund 60 Millionen Einwohner) wurden erst 1991, nach dem
Zusammenbruch der Sowjetunion, selbstständig und haben sich - zusammen
mit den europäisch geprägten südkaukasischen Ländern Armenien, Aserbaidschan
und Georgien - der Gruppe der "Neuen Unabhängigen Staaten (NUS)"
angeschlossen.
Nach Jahrhunderten autoritärer Herrschaft ist ihnen der Übergang
zur Demokratie ebenso neu wie die angestrebte Umwandlung zentral
verwalteter Staatswirtschaften in privat-orientierte Marktwirtschaften.
Fortschritte auf diesem doppelten Transformationsweg - politisch
und wirtschaftlich - sind nur allmählich zu erreichen.
Nach dem Zusammenbruch der Zentralverwaltungswirtschaft ist eine
deutliche Verarmung der Bevölkerung eingetreten. Die Qualität des
Bildungswesens nimmt seither ab. Das Ausmaß der Korruption ist deutlich
gestiegen.
Den betont nationalistischen Regierungen, gestützt auf Verwaltungen,
die bisher nur eine hierarchisch geordnete Befehlswirtschaft kannten,
fehlt es an Gestaltungskraft, um die schwerwiegenden wirtschaftlichen
und sozialen Probleme sowie die gravierenden Umweltbelastungen (z.
B. in der Aralsee-Region) konsequent in Angriff zu nehmen.
In Zentralasien
ist vor dem Hintergrund des ökonomischen Niedergangs und des dramatischen
Anstiegs der Armut sowie der zunehmenden Verwicklung der Länder
Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan in Kampfhandlungen mit
islamistisch orientierten Milizen ein hohes Krisenpotenzial gegeben.
Mit seinen reichen Naturressourcen (Öl, Gas, Metalle) aber auch
als Anbau- und Transitregion für den Drogenhandel hat Zentralasien
eine Bedeutung, die weit über die Region hinausreicht."
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Quelle: A
Better World For All
Armut in Lateinamerika
(u.a. Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Peru, Kolumbien, Puerto
Rico, Kuba, El Salvador, Guatemala, Jamaika, Mexiko, Panama, Paraguay)
Auszug aus Zitterpartie
ohne Ende (Die Zeit 39/2001)
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"Kein
Geld für arme Bauern
Schon seit längerem
unterscheiden sich die Länder Lateinamerikas von anderen, beispielsweise
asiatischen Entwicklungs- und Schwellenländern durch eine extrem
ungleiche Einkommensverteilung. Durch den Aufschwung der neunziger
Jahre hat sich die Kluft noch verstärkt: Die Reichen wurden noch
reicher, und am unteren Ende der Skala nahm die Zahl der Armen absolut
und relativ weiter zu. Daran haben auch die teils neu eingeführten
Systeme der Sozialversicherung nichts geändert. Die arme ländliche
Bevölkerung wird nämlich davon in der Regel überhaupt nicht erfasst.
Seitdem der
wichtigste Handelspartner Lateinamerikas, die Vereinigten Staaten,
in Bedrängnis geraten ist, verschärft sich die Lage. Obwohl die
Binnenmärkte Lateinamerikas ein größeres Gewicht haben als früher,
sind die Folgen noch nicht abzusehen, denn über die Hälfte aller
Exporte geht nach wie vor in die USA. Nachdem im Jahr 2000 noch
einmal ein durchschnittliches Wachstum von mehr als vier Prozent
erreicht wurde, rechnet die Dresdner Bank Lateinamerika in Hamburg
für das laufende Jahr nur noch mit 1,2 Prozent. Das ist weniger
als die durchschnittliche Bevölkerungszunahme von 1,8 Prozent, sodass
das rechnerische Pro-Kopf-Einkommen erneut sinken wird.
Lateinamerika
muss darauf achten, dass sein durch die erfolgreichen Reformansätze
in den neunziger Jahren aufgebauter Goodwill in der gegenwärtigen
Krise nicht beschädigt wird. Denn alle Länder der Region sind weiterhin
auf die ausländischen Investitionen und die damit verbundene Technologie
angewiesen. Auch Hilfe bei der Überwindung des Verschuldungsnotstandes,
insbesondere der kleineren und schwächeren Länder, ist weiterhin
erforderlich, allerdings nicht in Form eines generellen Schuldenerlasses,
sondern mit der Maßgabe, dass die eingesparten Mittel der armen
Bevölkerung helfen, aus eigener Kraft ihre Lage zu verbessern. Nicht
zuletzt aber braucht Lateinamerika auch aufnahmebereite und verlässliche
Absatzmärkte. Mehr als zwei Drittel davon befinden sich in den USA
und in der Europäischen Union. Beide dürfen sich - trotz eigener
Konjunkturprobleme - gegenüber lateinamerikanischen Produkten nicht
abschotten. Im Gegenteil, vor allem die EU sollte die schon so oft
versprochene Marktöffnung, insbesondere für Agrarprodukte, in die
Tat umsetzen. Die auf Festreden immer wieder beschworenen traditionell
so guten Beziehungen zwischen Europa und Lateinamerika dürfen nicht
zur bloßen Floskel verkommen."
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Die Gesellschaften
Lateinamerikas sind demokratischer geworden. Doch dieser Prozess ist nicht
ungefährdet.
Schwach ausgeprägte Gewaltenteilung, Defizite in der Rechtsstaatlichkeit,
die soziale Exklusion ganzer Bevölkerungsschichten in den Ländern Lateinamerikas,
die Missachtung der Rechte indigener Völker, die ausgeprägte Korruption
und die Macht mafioser Drogenkartelle stellen die jungen Demokratien immer
wieder in Frage. Um den Kurs der Demokratisierung zu konsolidieren, müssen
die Rollen von Staat, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft sich verändern.
Es bedarf einer stetigen
Modernisierung von Staat und Gesellschaft. Neben der Förderung der Menschenrechte
müssen Aufgaben insbesondere in den Bereichen Dezentralisierung und Gemeindeförderung,
Stärkung staatlicher Ordnungspolitik und Justizreform übernommen werden.
Die Förderansätze, um die wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Rechte
indigener Völker zu realisieren, reichen von der Demarkierung von Indianergebieten
über die interkulturelle zweisprachige Erziehung bis zu der bei allen
Projekten wichtigen Stärkung der Organisations- und Partizipationsfähigkeit
der indigenen Bevölkerung.
Insbesondere in lateinamerikanischen Schwellenländern bietet es sich an,
über Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft zusätzliche Ressourcen
zur wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Entwicklung zu mobilisieren.
Quellen:
Rigged
Rules And Double Standards - Trade, Globalization and the Fight against
Poverty (Oxfam-Report auf http://www.maketradefair.org)
A
Better World For All (Paris21-Homepage
der UNO, OECD, Weltbank, IMF und EU)
Die
Zwangsjacke der Globalisierung (Yash Tandon, Afrika Süd Mai/Juni 2001)
Zitterpartie
ohne Ende (Die Zeit 39/2001)
Homepage des BMZ
(Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
Armut
tut Not (Die Welt 26/01/2002)
Aktionsprogramm
zur Armutsbekämpfung (Bundesregierung)
Protektionismus:
Das Milliardenspiel mit den Entwicklungsländern (SpiegelOnline 11/04/2002)
Authentische
Wettbewerbsfähigkeit durch institutionelle Reformen (Deutsche Stiftung
für Internationale Entwicklung (DSE))
Erfolg
im Schatten der Generäle (Die Zeit 28/1999)
Bush
verordnet Lateinamerika Armut, Unterdrückung und Militarismus (World
Socialist Web Site)
Entwicklungshilfe
- der "ursprüngliche" Weg
Autor: A. Ostertag
Auch wenn die UN-Vereinbarung,
jährlich 0,7 % des Bruttosozialprodukts der Industrienationen für die
Entwicklungshilfe auszugeben, bei weitem nicht erfüllt wird, so kommen
dennoch jedes Jahr Milliarden Dollar an Geldern zusammen. Diese werden
an die armen Länder der Erde verteilt. Doch damit sind deren Probleme
noch längst nicht gelöst.
Die Mangelnde Koordination
der Geldgeber führt dazu, dass die "Empfängerländer" heillos mit der Verwaltung
und Verteilung der Gelder überfordert sind.
Wie auch die Verknüpfung von Geldspenden mit verschiedenen Auflagen führt
die fehlende Organisation dazu, dass sich die Bürokratie und der aufwändige
Verwaltungsapparat in den hilfsbedürftigen Ländern aufblähen und Unsummen
verschlingen von dem Geld, das eigentlich für die Notleidenden bestimmt
ist. Auch werden aus der Missachtung der Auflagen selten echte Konsequenzen
gezogen, weder von den Geber-, noch von den Nehmerländern.
Die oft herrschende Korruption in den armen Ländern trägt ebenfalls einen
guten Teil dazu bei, dass nur ein geringer Teil der Hilfsgelder auch wirklich
den Hilfsbedürftigen zukommt.
Ein weiteres großes
Problem ist das oft mangelnde Engagement der Empfänger. Dies liegt daran,
dass zu viele Projekte in den Entwicklungsländern von den Helfern erdacht
und geplant werden, anstatt von den Hilfsbedürftigen selbst. Zum einen
wird damit manchmal an den falschen Stellen geholfen, zum anderen betrachten
die Menschen dort die Hilfsprojekte nicht als ihre eigenen und sind deshalb
auch nicht motiviert und engagiert genug, sie durchzuführen.
Zudem werden bei der Planung oft kulturelle oder religiöse Besonderheiten
nicht bedacht, was bei der Durchführung der Projekte dann zu Schwierigkeiten
mit der Bevölkerung führt. Das könnte durch ein Einbeziehen der Einheimischen
in die Planung ebenfalls verhindert werden.
Weitere Hindernisse
für die Entwicklung der armen Länder
Die Misere der armen
Länder ist aber nicht nur auf das Fehlen oder den falschen Einsatz von
Entwicklungsgeldern zurückzuführen. Die reichen Industrienationen tun
das Ihrige, um die wirtschaftliche Selbständigkeit dieser Länder zu verzögern
und zu erschweren.
So werden für Agrarprodukte
aus der dritten Welt nur geringste Preise bezahlt und zudem auch noch
der Import der Agrarprodukte durch die Auflegung von hohen Zöllen behindert,
wodurch ein gewinnbringender Export von Agrarprodukten für die Entwicklungsländer
nicht möglich ist. Dadurch wird auch der Export von illegalen Produkten,
meist Rauschgift wie Kokain und Heroin, begünstigt, weil nur diese Waren
wirklich Geld bringen.
Im Gegenzug wird der Binnenhandel in diesen Ländern durch wohlgemeinte
"Hilfslieferungen" von Nahrungsmitteln wie z. B. Weizen erheblich gestört,
da die im Land produzierten Produkte gegen diese Gratisgaben nicht konkurrenzfähig
sind. Die einheimischen Bauern bleiben dadurch auf ihren Produkten sitzen
und können nicht von deren Verkauf leben. Damit wird die Möglichkeit für
das Land zerstört, wenigstens eine funktionierende Agrarwirtschaft im
Land aufzubauen.
Eine weitere gut gemeinte, aber das Gegenteil bewirkende Einrichtung ist
der Internationale Währungsfonds, kurz IWF. Dieser gibt verschuldeten
Staaten Kredit und schreibt diesen dafür eine bestimmte Politik vor. Der
IWF agiert aber nach veralteten ökonomischen Theorien, die in den wenigsten
Fällen für das entsprechende Land passend sind. So verlangt der IWF, dass
die Finanzmärkte ausländischen Investoren und Spekulanten geöffnet werden,
damit neue Geldmittel ins Land fließen. Gleichzeitig wird jedoch der Finanzmarkt
des Landes instabil und anfällig für Krisen in anderen Ländern, was oft
einen Zusammenbruch der Finanzmärkte zur Folge hat, die ohnehin nicht
besonders stabil sind.
Auch werden vom IWF schon bei geringer Inflation Zinserhöhungen vorgeschlagen,
was viele Konkurse vor allem von kleinen und mittelständischen Unternehmen
nach sich zieht.
Oft ist der IWF auch vor allen Dingen auf die Sicherheit der Rückzahlung
der Kredite bedacht und lässt dabei andere Aspekte außer Acht. Dies zeigt
das Beispiel Äthiopien:
"Die Regierung hatte
ein Entwicklungskonzept für die Landbevölkerung entwickelt, hatte die
Militärausgaben drastisch gekürzt und gleichzeitig eine gute Wirtschaftspolitik
betrieben: Die Inflationsraten waren niedrig, die Wachstumsraten hoch.
Doch der IWF hatte trotz der guten gesamtwirtschaftlichen Daten sein
Beistandsprogramm für Äthiopien mit der Begründung ausgesetzt, Äthiopiens
Haushaltslage gebe Anlass zur Besorgnis. Denn Äthiopien erhielt Entwicklungshilfe
aus dem Westen, und die Regierung wollte damit Schulen und Krankenhäuser
bauen. Der IWF aber befürchtete, Äthiopien könne in Zahlungsschwierigkeiten
geraten, weil niemand wisse, wie lange die Entwicklungshilfe fließe.
Die Regierung solle nur so viel Geld ausgeben, wie sie an Steuern einnahm
und die Entwicklungshilfe zurücklegen." (aus: Die Zeit, 14.03.02, S.55)
Eine Prüfung der Statistiken
ergab, dass die Entwicklungshilfe zuverlässiger war als die Steuereinnahmen.
Demnach hätten Äthiopien und auch andere Entwicklungsländer die Auslandshilfe
anstatt der Steuereinnahmen in ihre Haushaltspläne einbeziehen müssen.
"Und wenn weder
Steuern, noch Auslandshilfe auch der Einnahmeseite des Etats verbucht
werden dürften, dann wäre jedes Land in schlechter Verfassung." (Joseph
Stieglitz, Die Schatten der Globalisierung, 2002. In: Die Zeit, 14.03.02,
S.55)
Quellen: Die Zeit,
14.03.2002, "Helfer, die nicht helfen"; Die Zeit, 27.03.2002, "Wenigstens
reden"; Die Zeit, 14.03.2002, "Auf Seelenfang in Bosnien"
Menschen für Menschen
Seit er 1981 bei "Wetten,
dass...?" die Wette abschloss, dass nicht einmal ein drittel der Fernsehzuschauer
bereit sei, für die hungernden Menschen in der Sahelzone auch nur eine
Mark zu spenden, und durch diese Wette über zwei Millionen Mark an Spenden
zusammenbekam, bekämpft Karlheinz Böhm mit seiner Stiftung "Menschen für
Menschen" die Armut und den Hunger in Äthiopien. Er geht dabei einen gänzlich
anderen Weg als andere Hilfsorganisationen.
Was unterscheidet nun die Arbeit von Menschen für Menschen von anderen?
Im Folgenden sollen einige Unterschiede aufgezeigt werden:
- Die Menschen werden
zur Selbsthilfe motiviert. Menschen für Menschen gibt die Grundvoraussetzungen,
z. B. Saatgut, Werkzeuge und die Verpflegung mit Nahrungsmitteln, solange
die erste Ernte noch nicht eingebracht ist. Die Menschen werden nicht
"durchgefüttert", sondern können ihre ursprünglichen Anbaumethoden anwenden
und auch gegebenenfalls verbessern. Dabei erhalten sie Hilfe, wo es
nötig ist.
- Die Hilfe von
Menschen für Menschen bleibt auf Äthiopien beschränkt, und auch dort
auf ausgewählte Projekte. So kann zwar nicht allen Menschen dort geholfen
werden. Diejenigen, die Hilfe bekommen, erhalten aber nicht nur einen
winzigen Teil von einer großen Spendensumme, sondern können sich eine
gesicherte Existenz aufbauen und sind nach einiger Zeit nicht mehr Abhängig
vom Fließen weiterer Spendengelder. Dadurch können wieder neue Projekte
gestartet werden.
- Menschen für Menschen
gibt nur ein Viertel der Hilfsgelder für sofortige Nothilfe, also für
die Verteilung von Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern an Hungernde
Menschen aus. Drei Viertel des Geldes werden für längerfristige Projekte
verwendet.
- Menschen für Menschen
hilft unabhängig von den politischen Zuständen im Land. Die Stiftung
ist unabhängig von anderen Organisationen oder von Regierungen.
- Bei Umsiedelungen
von Menschen in andere Gebiete werden nicht, wie sonst üblich, die Männer
vorausgeschickt, um Häuser zu bauen und Felder anzulegen, sondern die
Familien werden gemeinsam umgesiedelt. Damit wird ein Zerreißen des
Familienverbandes vermieden. Also kommen an erster Stelle die Dorfgemeinschaft,
die soziale Struktur, dann die Bestellung der Felder und zuletzt der
Bau fester Häuser.
- Menschen für Menschen
setzt auf die Ausbildung von Einheimischen Fachkräften. Zunächst kommen
ausländische Ärzte, Lehrer, Ingenieure und andere Fachkräfte ins Land.
Es wird ein System zur Bildung und Ausbildung aufgebaut. Nach und nach
können dann die ausländischen Kräfte durch inzwischen ausgebildete Einheimische
ersetzt werden.
- Es werden im Durchschnitt
nur 8,5 bis neun Prozent der Spenden für den notwendigen Verwaltungsaufwand
verwendet. In Deutschland beschäftigt die Stiftung ganze neun Angestellte,
in Äthiopien sind dagegen 580 Einheimische für Böhms Organisation tätig.
- In ihrer radikalen
Ausrichtung auf die Hilfe zur Selbstentwicklung, ihre Vernetzung wissenschaftlicher,
ökonomischer und praktischer Hilfe bei gleichzeitiger Wahrung der kulturellen
Identität, ist die Arbeit von "Menschen für Menschen" zu einem Vorbild
für verwandte humanitäre Organisationen geworden.
Quelle: www.menschenfuermenschen.de
Angola
Autor: A. Vogt
Diese Arbeit versucht
vor dem geschichtlichen Hintergrund, sowie anhand der möglichen Folgen
der Kolonialisierung, die Gegenwart Angolas an seiner Vergangenheit zu
reflektieren und zu verstehen.
Im ersten Teil wird die Geschichte Afrikas zu Zeiten der Kolonialisierung
grob umrissen, um die spätere Entwicklung besser verstehen zu können.
Der zweite Teil befasst sich mit der politischen Lage Angolas ab Mitte
des 20. Jahrhunderts.
"Noch vor 150 Jahren
war der größte Teil Afrikas noch ein weißer Fleck auf der Landkarte" so
schreibt Peter Scholl-Latour in seinem Buch "Afrikanische Totenklage -
Der Ausverkauf des Schwarzen Kontinents". Aber dies änderte sich bald.
Geschichtlicher
Hintergrund
In der zweiten Hälfte
des 15. Jahrhunderts erkundet der portugiesische Prinz Heinrich der Seefahrer
die Küste Afrikas. Anfang des 16. Jahrhunderts besetzt Portugal die ostafrikanische
Küste, um sich die Verbindung nach Indien zu sichern.
An der Westküste werden die Portugiesen immer mehr von anderen westeuropäischen
Seeleuten, vor allem aber von Engländern verdrängt. Nur in Angola können
sich die Portugiesen halten.
Die Europäer kauften Sklaven von afrikanischen Mittelsmännern. Portugal
betreibt den Sklavenhandel vor allem nach Brasilien.
Zwischen 1500 und 1880 haben wahrscheinlich min. 10 Mio. Afrikaner den
Kontinent zwangsweise als Sklaven verlassen haben.
1652 errichten die
Holländer am Kap die erste europäische Siedlung in Afrika. Nachdem Afrika
weitgehend erforscht war, folgt Ende des 19. Jahrhunderts die politische
Unterwerfung fast des ganzen Erdteils und seine Aufteilung unter den westeuropäischen
Kolonialmächten. Der Wettlauf um die Kolonien begann 1879 mit den Erwerbungen
am Kongo von König Leopold II. von Belgien und der Besetzung Ägyptens
1882 nach dem Bau des Suezkanals durch die britische Regierung. (vgl.
Verfasser unbekannt, Afrika, http://land.heim.at/toskana/210137/Afrika.htm,
27.05.2002)
1885 nehmen Vertreter
von 14 europäischen Staaten und den USA an der internationalen Afrikakonferenz
teil. Anhand einer riesigen Afrikakarte wird der Kontinent aufgeteilt.
Die Grenzlinien werden willkürlich, oft mit einem Lineal, gesetzt und
man entscheidet über das Schicksal vieler Völker. Afrika wird zum wirtschaftlichen
Ergänzungsraum der Kolonialmächte. Es liefert große Mengen der wertvollen
Rohstoffe. Die industrielle Entwicklung wird dabei weitgehend vernachlässigt.
(vgl. Verfasser unbekannt, Das Deutsche Kaiserreich, http://www.deutsche-schutzgebiete.de/afrikakonferenz.htm,
27.05.2002)
Portugal muss sich
auf Angola und Mosambik beschränken.
Strukturwandel
Die Kolonisierung
Afrikas veränderte tief greifend die wirtschaftlichen und politischen
Systeme, sowie die bestehenden Sozialstrukturen. Uniforme politischer
Modelle und einheitliche Wirtschaftsstrukturen verdrängten die bisherige
regionale Vielfalt. Die Festlegung von Grenzen in Afrika brachte die erste
gravierende Veränderung. Den traditionellen afrikanischen politischen
Einheiten waren feste Grenzen nicht bekannt. (vgl. Mair, Stefan, Ausbreitung
des Kolonialismus, http://www.bpb.de/info-franzis/info_264/body_i_264_4.html,
27.05.2002)
"Nach dem 1. Weltkrieg
teilten England, Südafrika, Frankreich und Belgien die deutschen Kolonien
als Völkerbundsmandate unter sich auf. Die Kolonialverwaltung festigte
sich rasch, wobei die Briten dem System der indirekten Herrschaft Vorrang
gaben, das den einheimischen Fürsten eine begrenzte Autorität ließ.
Die Gründung moderner Schulen und die Durchdringung wenigstens einiger
Gebiete mit modernem Wirtschaftsleben erzeugten aber neben den traditionellen
Herrenschichten eine neue Bildungselite, die bald unter Verwendung europäischer
Ideen Ansprüche auf politische Macht anmeldete.
Die rasche Entkolonialisierung
Afrikas seit dem Ende des 2. Weltkriegs übertrug in der Regel den kolonialen
Verwaltungsapparat in die Hände dieser neuen Elite. Sie stellte fast überall
die Führer der nationalen Befreiungsbewegungen, die nach der Erlangung
der Unabhängigkeit oft als Einparteisysteme weitergeführt wurden. Die
neuen Führer erreichten meist den Abzug der Kolonialmacht durch Verhandlungen
und gewaltlosen Druck.
Nur Algerien musste die Franzosen 1954-1962 durch Partisanenkrieg zum
Nachgeben zwingen. Andere Aufstände scheiterten, so in Kenia (Mau-Mau
1952-1954) und Kamerun. In vielen afrikanischen Staaten setzte zu Beginn
der 1990er Jahre ein Demokratisierungsprozess ein.
Der südafrikanische Präsident de Klerk begann 1990 mit einer Reformpolitik,
die zur Abschaffung der Apartheid führte. Die herrschenden Regime in Äthiopien,
Liberia, Tschad und Somalia wurden 1990/91 nach blutigen Bürgerkriegen
gestürzt. 1993 erlangte Eritrea die Unabhängigkeit. 1997 gelang der Sturz
des Mobutu-Regimes in Zaire, das wieder in Kongo umbenannt wurde.
Hauptkrisengebiete Afrikas waren neben den beiden Kongo-Staaten zur Jahrtausendwende
Algerien, Angola, Burundi, Liberia, Ruanda, Sierra Leone, Somalia und
Sudan." (unbekannt, Afrika, http://land.heim.at/toskana/210137/Afrika.htm,
27.05.2002)
1961 brechen im Norden
der portugiesischen Überseeprovinz Angola die Bakongo-Aufstände aus. Die
Bakongo gehören der Gruppe der Bantu an. Heute haben sie mit ca. 14%,
nach den Mbundu und den Ovimbundu, den drittgrößten Anteil an der Bevölkerung
Angolas. Sie leben vornehmlich im Norden Angolas und bilden in Cabinda
und Uige die Mehrheit. Die Bakongo selbst teilen sich in acht ethnologische
Untergruppen; jedoch sprechen sie alle dieselbe Sprache (Kikongo).
Die Befreiungsbewegung der Bakongo, die Uniao das Populacoes de Angola
(UPA), richtet sich vor allem gegen die portugiesischen Farmen, Polizeiposten,
Handelsniederlassungen und die Assimilados, wie die angepassten europäisierten
Schwarzen heißen.
Zu dieser Zeit regiert in Portugal der Diktator Oliveira de Salazar. Für
Portugal sind Angola und die Mosambik sehr wichtig. Ohne seine Provinzen
erscheint es als unbedeutender, armer Staat am Rande Europas.
Salazar entsendet mehrere Tausend Mann Militär nach Angola und schlägt
die Aufstände blutig nieder. Diese Aufstände bilden den Auftakt für den
Kampf für die Unabhängigkeit Angolas.
Seit 1951 wurden mehrere
verschiedene Befreiungsbewegungen in Angola gegründet.
Die wichtigsten für die Zukunft Angolas sind die von Agostinho Neto gegründete
marxistische MPLA (Movimento Popular de Libertacao de Angola - Volksbewegung
für die Befreiung Angolas) und die pro-westliche UNITA (Uniao Nacional
para a Independencia Total de Angola - Nationale Union für die totale
Unabhängigkeit Angolas) unter Jonas Savimbi.
1975 entlässt Portugal
Angola in die Unabhängigkeit. Die Rivalitäten der Befreiungsbewegungen
eskalieren nun in einem innerstaatlichen Bürgerkrieg. Sofort nach der
Unabhängigkeitsproklamation Angolas besetzt die MPLA das Regierungsgebäude
in der Hauptstadt Luanda. Die MPLA wird jedoch von zwei Seiten bedroht.
Aus Norden von der Kongo-Armee Marschall Mobutus, mitsamt der Bakongo-Stammesbewegung
FNLA. Aus Süden rücken weiße Südafrikaner mit UNITA-Partisanen heran.
Die MPLA erhält militärische Unterstützung von der UdSSR und Kuba.
Um der MPLA zu Hilfe zu kommen, entsendet Fidel Castro mit Unterstützung
Moskaus kubanische Freiwillige, sowie Soldaten der marxistischen Republik
Guinea nach Angola.
Dies war nur möglich, weil die USA noch an den Folgen des gescheiterten
Vietnam-Feldzuges litten, sowie dem Watergate-Skandal. Die MPLA kontrolliert
nun auch noch die Erdölvorkommen von Cabinda, die schon durch die amerikanische
Firma Gulf Oil gefördert werden. Um die Ölfelder von Cabinda gegen die
Rebellenbewegungen der UNITA und FLEC (Front für die Befreiung der Exclave
Cabinda) zu schützen, werden internationale Söldnerfirmen und US-Special
Forces eingesetzt. Da Gulf Oil Gewinnbeteiligungen an die MPLA abführt,
können sie den Kampfeinsatz der kubanischen Verbündeten finanzieren.
Nur durch diese Subventionen des amerikanischen Konzern Gulf Oil, war
es der MPLA möglich die pro-westliche UNITA Savimbis in Schach zu halten.
Die UNITA verfügte selbst über enge Kontakte zur amerikanischen CIA und
bekam Waffen und Geld aus Washington und Pretoria.
Die MPLA, unter ihrem
Führer A. Neto, ruft die Volksrepublik Angola mit marxistisch-leninistischer
Staats- und Gesellschaftsordnung aus. 1979 stirbt A. Neto. Der Erdölingenieur
Eduardo dos Santos wird sein Nachfolger.
Bis Mitte der 1980er Jahre kontrolliert die MPLA die wichtigsten Städte
Angolas.
Die UNITA dagegen
hat den Großteil der ländlichen Gebiete unter ihrer Kontrolle. Sie erhält
finanzielle Unterstützung, sowie Waffenlieferungen aus den USA und wird
von der südafrikanischen Regierung mit Luft- und Bodentruppen, Waffen
und Ausbildungsprogrammen versorgt.
Nach Ende des Kalten
Krieges schwor die MPLA ihren früheren Idealen ab und kehrte sich der
Demokratie und Marktwirtschaft zu. Jetzt traten auch die wahren Ursachen
des Konfliktes zwischen MPLA und der UNITA zutage. Es war nicht nur die
pro-westliche bzw. auf der andern Seite die sozialistische Orientierung
der beiden Parteien, sondern die Gegensätze zwischen den traditionellen
Strukturen und der Kampf um die Vorherrschaft dieser Eliten über Ressourcen
Angolas. Zudem wurde auch die Beschaffung von Waffen und Finanzmitteln
nach Ende des Ost-West-Konfliktes für beide Seiten schwieriger.
1992 nach einem, unter
internationalem Druck erzwungenem Waffenstillstand zwischen den Armeen
dos Santos und Savimbis, sollten freie Wahlen die Feindschaft beenden.
Als aber dos Santos die Wahlen gewann, unterstellte Savimbi Wahlbetrug.
Alle Versuche die beiden feindlichen Armeen doch noch zu versöhnen, oder
sie gar als eine Streitmacht zu vereinen, scheiterten und die Kämpfe brachen
erneut aus.
Ende 1992 beherrschte die UNITA fast 70% des Landes und die Mehrzahl der
Provinzhauptstädte.
1994 konnte sich die MPLA, dank Waffenlieferungen aus Israel, Portugal
und Brasilien, gegenüber der UNITA wieder behaupten. Auch das von der
UN 1993 verhängte Waffenembargo gegen die UNITA stärkte die Regierungsarmee.
Diesen Ansturm der MPLA konnte Savimbi mitsamt seiner UNITA nur überleben,
weil ihm von mehreren Seiten diskret assistiert wurde,
z. B. von dem französischen Staatschef Francois Mitterand und dem Kongo-Diktator
Mobutu. Außerdem verfügt er über reichhaltige Diamantenvorkommen.
Nach schweren Kämpfen
unterzeichneten 1994 die Bürgerkriegsparteien erneut ein Friedensabkommen.
In dem so genannten Lusaka-Protokoll wird der UNITA eine Regierungsbeteiligung
zugesagt. Der mit diesem Protokoll unterzeichnete Waffenstillstand wird
jedoch von beiden Seiten immer wieder durch kleinere Kampfhandlungen gebrochen.
1997 nimmt die "Regierung
der nationalen Einheit" ihre Arbeit in Luanda auf. Diesmal sind auch UNITA-
Minister beteiligt und Savimbi erhält den Status "Führer der größten Oppositionspartei".
Nur wenige Monate später wird die Hoffnung auf Frieden wieder zerstört.
Im Juni 1997 liefern sich MPLA und UNITA schwere Kämpfe um die Diamantengebiete.
"Die Öl-Multis haben
das Kalkül gemacht, dass eine in Luanda und Benguela stark positionierte
Regierung eher in der Lage ist, über die immensen Off-Shore-Vorkommen
längs der Atlantischen Küste zu verfügen als die im Hinterland operierenden
Partisanenverbände der UNITA." (Aussage Paulo Texeira Jorges1 über die
plötzliche Wertschätzung der ehemals marxistischen MPLA bei den USA)
(Scholl-Latour, Peter, Afrikanische Totenklage, 2001, S. 223)
"Die damalige (im
Jahr 2001) Unterstaatssekretärin Susan Rice hatte in einer Pressekonferenz
in Luanda erklärt, dass die USA die militärische Offensive dos Santos
ihren support gewährten, nachdem eine konkrete Zusage aus Luanda vorlag,
die europäischen, das heißt vor allem die französischen Rivalen im Petroleumgeschäft
zugunsten der amerikanischen Konsortien aus dem Feld zu schlagen."
(Scholl-Latour, Peter, Afrikanische Totenklage, 2001, S. 224)
1) mehrere Jahre erster
angol. Außenminister, 2001 hoher Funktionär der MPLA, für intern. Beziehungen
der Partei zuständig
Laut Angaben der UN
soll es zwischen November 1992 und März 1994 500.000 Todesopfer durch
Kampfhandlungen und Hungersnöte Angola gegeben haben.
Weitere Folgen des jahrzehntelangen Konfliktes sind: mehr als 1 Million
Binnenflüchtlinge, ca. 10 - 15 Millionen vergrabene Landminen, eine zerstörte
Infrastruktur und eine zerrüttete Wirtschaft
Zwar ist Angola mit der Unterzeichnung des Abkommen 1997 und der Bildung
einer gemeinsamen Regierung dem Frieden ein Stück näher gerückt, erleidet
aber durch immer wiederkehrende Kämpfe schwere Rückschläge.
Nach wie vor ist Situation schwer einzuschätzen und lässt kaum Aussagen
auf die künftige Entwicklung Angolas zu.
"Im Kriegsland
Angola gab, der unabhängigen Wochenzeitung "Folha 8" vom 26. Juni 1999
zufolge, der Direktor von ELF Aquitaine, P. Timbart zu, dass sein "Vorgänger
als Konzernchef in Luanda jahrelang für die UNITA-Rebellen Waffen illegal
besorgt" habe. Das Beispiel bestätigt, wie lukrativ der fortgesetzte Krieg
in Angola ist für die Spitzen der MPLA-Regierung, der UNITA um Jonas Savimbi
als auch für Diamanten- und Erdölfirmen (Falcone Komplex) sowie ausländische
Politiker, die auf Gehaltslisten der Konzerne stehen" (Branscheidt, Hans,
Über die Globalisierung des Verbrechens, http://www.medico.de/rundschr/101editorial.htm,
27.05.2002)
Weitere Quellen:
- Verfasser unbekannt,
Zerrissenes Angola - Stellvertreterkrieg seit 1975, http://www.n-tv.de/2945630.html,
22.02.2002, letzter Zugriff 27.05.2002
- Payer, Margarete,
Angola: der Krieg ist ein lukratives Geschäft, http://www.payer.de/kommkulturen/kultur084.htm#11.,
Zugriff: 27.05.2002
- Teege, Silja,
Angola, http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/Ipw
/Akuf/kriege_1997/afrika/angola_unita_text.html, Zugriff: 27.05.2002
- Scholl-Latour,
Peter, Afrikanische Totenklage - Der Ausverkauf des Schwarzen Kontinents,
2001
Argentinien
Autor: S. Simon
Staatsname: República
Argentina
Staatsgründung:
Unabhängigkeitserklärung am 9. Juli 1816
Staats- und Regierungsform:
seit 1853 Präsidialrepublik (Die Verfassung gestattet dem Präsidenten
die Ausrufung des Ausnahmezustands mit der Suspension des Parlaments und
der Grundrechte. Auf diese Verfassungsklausel wurde in der Geschichte
Argentiniens häufig zurückgegriffen.)
Staats- und Regierungsführung:
Präsident
Verwaltungsgliederung:
1 autonome Stadt und 23 Provinzen
Hauptstadt: Buenos
Aires
Offizielle Sprache:
Spanisch
Bevölkerung: 36,6
Mio. Einwohner
Bevölkerungsdichte:
13,2 Menschen pro km2 (mehr als 1/3 der Bevölkerung lebt in Buenos
Aires oder Umgebung; 85% der Bevölkerung leben in städtischen Gebieten)
Arbeitslosenrate:
annähernd 30% 14 Mio. von rund 37 Mio. Argentiniern leben unterhalb
der Armutsgrenze
Analphabetenquote:
12%
Staatsreligion:
mehr als 92% der Bevölkerung sind römisch-katholischer Konfession
Ethnische Zusammensetzung
der Bevölkerung: 85% europäischer Abstammung
Geschichte und
Wirtschaft:
Die "Vereinigten Provinzen
von Südamerika" erklärten 1816 die Unabhängigkeit von der spanischen Herrschaft.
Da die Kongressmitglieder keine Einigung über die Regierungsform erzielen
konnten, brach schließlich 1819 ein Bürgerkrieg aus, der jedoch nicht
zur Errichtung einer stabilen Regierung führte.
1829 wurde de Rosas zum Gouverneur der Provinz Buenos Aires gewählt und
bereits 1852 wieder gestürzt.
1853 wurde die föderalistische Verfassung angenommen; erster Präsident
der Republik Argentiniens wurde Urquiza. Zwischen 1853 und 1861 kam es
erneut zum Krieg sowie in dessen Folge zu etlichen Unruhen.
1862 wurde Buenos Aires zur Hauptstadt erklärt. Die Stadt entwickelte
sich zur reichsten und dichtbevölkertsten Provinz der Union und übernahm
zeitweilig die Kontrolle über den Rest des Landes.
Im Jahr 1880 wurde
Roca zum Präsidenten gewählt. Ab 1880 setzte in Argentinien eine Phase
wirtschaftlicher Hochkonjunktur ein. Es war wohl zu dieser Zeit, als der
bekannte Satz: "Hier spuckst du auf den Boden, und eine Blume sprießt."
geprägt wurde. Die Landwirtschaft verhalf dem Land zu einer der reichsten
Nationen der Welt zu werden.
Jedoch hatte die 1929
einsetzende Weltwirtschaftskrise erste ernste Auswirkungen auf Argentiniens
Wirtschaft: Arbeitslosigkeit und Armut verursachten enorme soziale und
politische Spannungen.
1937 wurde Ortiz Präsident
und setzte sich für die Festigung der Demokratie ein.
1942 stürzte das Militär die Regierung und übernahm die provisorische
Präsidentschaft. Während dieser Zeit wurden alle politischen Parteien
verboten, oppositionelle Zeitungen unterdrückt und die Überreste der Demokratie
erstickt.
Bei den 1946 abgehaltenen
Wahlen gewann Oberst Perón, der den ärmsten der Armen, der Bauern- und
Arbeiterklasse, eine arbeiterfreundliche Sozialpolitik zusicherte. 1946
verkündete Präsident Perón einen Fünfjahresplan, der die Expansion der
Wirtschaft wieder vorantreiben sollte. Dies war nötig geworden, da Argentinien,
nach dem 2.Weltkrieg den Rückgang des Exports von Agrarprodukten durch
den Aufbau einer gut funktionierenden Industrie zu ersetzen, versäumt
hatte.
Der Außenhandel schuf
im Jahr 1953 erstmals wieder eine günstige Handelsbilanz. Doch nahm der
inflationäre Druck, der die Lebenshaltungskosten seit 1948 um mehr als
200% in die Höhe getrieben hatte, nicht ab.
1955 wurde Perón durch
eine Militärrevolte gestürzt. Daraufhin wechselten zivile und militärische
Regierungen. Trotz der, während dieser Zeit anhaltenden Unruhen der Arbeiter
und der ständig steigenden Lebenshaltungskosten, konnte 1959 mit Hilfe
ausländischer Kredite eine gewisse Stabilität erreicht werden. 1973 kehrte
Perón in das Amt des Präsidenten zurück, ein Jahr später trat, nach seinem
Tod, seine Frau Isabel die Nachfolge an. Während ihrer Präsidentschaft
verschlechterte sich die politische und wirtschaftliche Lage rapide. Die
Lebenshaltungskosten stiegen um 335%.
1976 schließlich putschte
das Militär und eine Junta übernahm die Macht. Sie löste die Gesetzgebung
auf und herrschte durch Verordnungen. In den folgenden Jahren verschwanden
nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen 20.000 bis 30.000 Menschen
spurlos. Sie wurden gefoltert und getötet, ohne dass Angehörige je von
ihrem genauen Schicksal erfahren haben.
Während dieser Zeit der Militärdiktatur "explodierten" die argentinischen
Schulden regelrecht. Die 1976 von den Gewaltherrschern umgesetzte Wirtschaftspolitik
leitete einen Prozess der Zerstörung der Produktionskapazitäten des Landes
ein und ebnete somit einer Spekulationswirtschaft den Weg. Die meisten
Kredite bezog die Militärdiktatur damals von Privatbanken westlicher Industrienationen.
Durch diese großzügig gewährten Kredite setzte die hohe Verschuldung des
Landes jedoch erst ein. Die Ziele dieser, von der Regierung vorangetriebenen
und durch die Banken unterstützte, Verschuldungspolitik waren: 1. die
persönliche Bereicherung der Regierung und 2. die Erhöhung der Reserven
in internationalen Währungen, um die Importe zu steigern, insbesondere
den Kauf von Waffen. Durch die Verschuldungspolitik, die selbst der Internationale
Währungsfonds (IWF) unterstützte, gelang es der Militärdiktatur ihr internationales
Ansehen zu erhöhen und sich so die breite Unterstützung der US-Regierung
zu sichern. Das Militär hat dem Land folglich nicht nur politisch, sondern
auch wirtschaftlich geschadet. Sie hinterließen ein de-industrialisiertes,
extrem hoch verschuldetes Land mit einer Inflationsrate von mehr als 900%.
Unter der Führung
der, im Jahre 1983 demokratisch gewählten Regierung, kehrte die Nation
zur Demokratie zurück. Zu Beginn der Regierungszeit des Präsidenten Alfonsin
gab die Zentralbank bekannt, dass sie über kein Verzeichnis der Außenschuld
Argentiniens verfüge. Trotzdem übernahm Alfonsin anstandslos die gesamte
Schuldenlast der Militärs und auch die Schulden der Privatunternehmen,
die diese während der Diktatur angehäuft hatten. Er strukturierte die
Auslandsschulden um und führte Finanzreformen ein. Doch gelang es ihm
nicht den Schuldenberg zu verkleinern und neue Kapitalgeber ins Land zu
holen.
Erst 1989 als Menem zum neuen Präsidenten gewählt wurde und er sein neoliberales
Wirtschaftsprogramm verkündete und sein Wirtschaftsminister Cavallo 1991
den Peso eins zu eins an den US-Dollar fixierte, wurde Argentinien erneut
interessant für Kapitalanleger aus aller Welt. Doch stellte sich die Angleichung
des Wechselkurses für den Export der argentinischen Wirtschaft als äußerst
ungünstig heraus. Mit diesem harten Kurs wurden argentinische Produkte
im Verhältnis zu den Erzeugnissen anderer Länder zu teuer. Unter der Aufsicht
des IWF tilgte Menem die Staatsschulden, in dem er immer neue Schulden
aufnahm. Trotzdem galt Argentinien nach den internationalen Direktiven
zur Liberalisierung der Wirtschaft als vorbildlich. Selbst als es mehr
als offensichtlich wurde, dass Menems Regierung die aus den Verkäufen
der Staatsbetriebe und Ressourcen erzielten Einnahmen nicht zur Senkung
der Staatsverschuldung einsetzte, gewährte der IWF weiterhin Kredite.
Präsident Menem muss
sich vor der Staatsanwaltschaft von Buenos Aires für den von ihm während
seiner Amtszeit von 1989 bis 1999 organisierten Waffenschmuggel nach Kroatien
und Ecuador verantworten. 1991 und 1995 hatte die Regierung unter Menems
Führung mit Geheimdekreten die Ausfuhr von 75 Tonnen argentinischen Kriegsmaterials
nach Kroatien und Ecuador bewilligt. Da beide Staaten zu jenem Zeitpunkt
als Krieg führende Nationen einem UN-Waffenembargo unterlagen, gab die
Regierung falsche Endbestimmungsländer an: Venezuela und Panama, wobei
Letzteres gar keine Armee unterhält. Im Anschluss an den illegalen Waffenhandel
sind in Argentinien 600 Millionen Dollar des Verkaufserlöses verschwunden.
Die Präsidentschaftswahl
von 1999 gewann de la Rúa. Er versprach den Argentiniern eine Politik
des sozialen Ausgleichs. Im Wahljahr war die Arbeitslosenrate rezessionsbedingt
von 12,8% auf 14,5% gestiegen. Doch versetzte eine Entscheidung des IWF
vom 05.12.2001, einen wichtigen Kredit nicht auszuzahlen, der argentinischen
Wirtschaft den letzten Stoß und stürzte das Land in eine noch tiefere
Krise. Und das obwohl Argentinien bereits Rückzahlungen in Milliardenhöhe
geleistet hatte. Nun war die Regierung gänzlich zahlungsunfähig geworden.
Erneut sollte die Bevölkerung die Kosten der fehlgeschlagenen Wirtschaftspolitik
tragen: Lohnkürzungen, Beschneidung der Renten, Kürzungen im Bildungssystem
und in der Gesundheitsversorgung. Doch erst die Einschränkung des Zugriffs
auf die Privatkonten bewirkte, dass sich die Bevölkerung gegen die amtierende
Regierung erhob, Geschäfte plünderte und sich Straßenkämpfe mit der Polizei
lieferte.
Die Regierung de la Rúas war nicht auf den Aufstand vorbereitet, obwohl
sie darüber informiert worden waren und es auch sonst mehr als genug Anzeichen
dafür gab. So z. B. die bereits zum wiederholten Male stattgefundenen
Aufstände der piqueteros (organisierte Arbeitslose) im Landesinneren und
natürlich auch die seit vier Jahren andauernde Wirtschaftskrise selbst.
Am Abend des 19.12. verkündete de la Rúa den Ausnahmezustand (der u.a.
ein Versammlungsverbot bedeutet). Als Reaktion hierauf stürmten die Argentinier
auf die Strassen, um den cacerlazo (kollektives Schlagen auf Kochtöpfe)
zu beginnen und dadurch eine lange Zeit politischer Passivität zu beenden.
Schließlich verkündete de la Rúa den Rücktritt seines Finanzministers
Cavallo. Doch gingen am 20.12.2001 die am Vortag begonnen Proteste weiter,
was zur Folge hatte, dass de la Rúa seinen Rücktritt unterzeichnen musste.
Eine Woche später
wurde Saá zum Übergangspräsidenten ernannt. Er verkündete die Schaffung
von einer Million Arbeitsplätzen innerhalb von nur drei Monaten und ernannte
ein Kabinett voller fragwürdiger Politiker. Die Schulden beliefen sich
zu dieser Zeit auf rund 155 Mrd. Dollar. Deshalb musste die Regierung
erneut ihre Zahlungsunfähigkeit erklären und den Schuldendienst aussetzen.
Die wirtschaftliche Instabilität hielt aber auch weiterhin an. Die Regierung
sperrte schließlich sämtliche private Konten. Woraufhin am 28.12.2001
erneute cacerlazos in den Strassen begannen und Präsident Saá zum Rücktritt
zwangen.
Am 01.01.2002 übernahm
Eduardo Duhalde die Präsidentschaft. Trotz der zu erwartenden Präsidentschaftswahlen
im März wurde seine Amtszeit bis März 2003 festgelegt. Er stellte die
Rückzahlungen des Schuldendienstes vorübergehend ein, wertete den Peso
gegenüber dem Dollar um 40% ab und bemühte sich um neue Kredite seitens
des IWF. Die Abwertung der Währung, die die verbliebene Wettbewerbsfähigkeit
auf den Weltmärkten sichern sollte, wirkt sich allerdings negativ auf
die hohe Außenschuld aus und steigert die Last des Schuldendienstes nur
noch zusätzlich.
Die Proteste gehen indessen weiter. Die Argentinier, die jahrelang ein
politisches System ertragen haben, welches von Korruption und Straflosigkeit
gekennzeichnet war beginnen sich in Nachbarschaftsversammlungen und Komitees
zu organisieren. Sie klagen das System, welches sich auf Klientelismus
und ein korruptes Justizwesen stützte, sowie die Machenschaften der Politiker
und den IWF an und fordern u.a. die Verstaatlichung der Nationalbank und
den Rücktritt des Obersten Gerichtshofs. Sie können die ineffizient arbeitendenden
Banken und hohen Zinsen nicht mehr ertragen und wollen nicht länger zusehen
wie der Schuldenberg immer höher wird, während sich die Rezession verschärft
und das gut ausgebaute soziale Netz gänzlich zerstört wird.
Verwendete Literatur:
Alexandra Endres,
Plündernde Vettern - Wie eine Elite ihr Land zerstört: Ursachen der argentinischen
Katastrophe in Die Zeit Nr.19, 2002-05-02, S. 24-25
Wolfgang Uchatius,
Medizin für den Markt - Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz diagnostiziert
Krankheiten der Globalisierung in Die Zeit Nr.12, 2002-03-14, S.55
http://www.weltalmanach.de/staaten/argentinien.html
http://www.erdkunde-online.de/0071.htm
Sand im Getriebe:
Internationaler deutscher Rundbrief der Attac-Bewegung, Ausgabe 6/2002,
(25.03.2002)
Die
nachfolgenden Informationen über den Internationalen Währungsfonds stammen
von der Site des International Monetary Fund:
http://www.imf.org/external/np
/exr/facts/deu/glanced.htm.
Hier finden sich weitere ausführliche Informationen zu dem Thema Finanzpolitiken,
das hier nur kurz erwähnt werden soll.
Internationaler
Währungsfonds (IWF)
- der IWF wurde
am 27. Dezember 1945 mit der Unterzeichnung eines Übereinkommens durch
29 Länder gegründet
- der IWF nahm seine
Finanzoperationen am 1. März 1947 auf
- derzeitige Mitgliedschaft:
182 Länder
- leitende Organe:
Gouverneursrat, Internationaler Währungs- und Finanzausschuss, Exekutivdirektorium
- Ziele:
- Förderung
der internationalen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Währungspolitik
- Erleichterung
der Ausweitung eines ausgewogenen Wachstums des Welthandels
- Förderung
der Stabilität der Wechselkurse
- Mitarbeit
bei der Errichtung eines multilateralen Zahlungssystems
- allgemeine
Fondsmittel unter angemessener Sicherung zur zeitweiligen Verfügung
der Mitgliedsländer in Zahlungsbilanzschwierigkeiten stellen
- Verringerung
der Dauer und des Ausmaßes der Ungleichgewichte der internationalen
Zahlungsbilanzen der Mitgliedsländer
- Tätigkeitsbereiche:
- mittels Überwachung
beurteilt der IWF die Wechselkurspolitik seiner Mitgliedsländer
im Rahmen einer umfassenden Analyse der allgemeinen wirtschaftlichen
Lage und der wirtschaftspolitischen Strategie eines jeden Mitgliedslandes
- Finanzhilfen
schließen Kredite und Darlehen ein, die der IWF Mitgliedsländern
in Zahlungsbilanzschwierigkeiten zur Unterstützung ihrer wirtschaftspolitischen
Anpassungs- und Reformmaßnahmen gewährt
- Die gewährleistete
technische Hilfe besteht aus Fachkenntnissen und Unterstützungen,
die der IWF seinen Mitgliedsländern in mehreren Bereichen zur Verfügung
stellt. Beispiele hierfür sind: die Gestaltung und die Umsetzung
der Geld- und Fiskalpolitik; der Institutionsaufbau (wie die Errichtung
von Zentralbanken oder Schatzämtern); die Durchführung von Transaktionen
mit dem IWF und deren Rechnungslegung; das Erfassen und die Aufbereitung
statistischer Daten; die Ausbildung von Beamten aus Mitgliedsländern
- Finanzierungsmechanismen:
Der IWF stellt Mitgliedsländern seine Mittel über verschiedene Kreditfazilitäten
zur Verfügung. Mit Ausnahme der Armutsbekämpfungs- und Wachstumsfazilität
(PRGF), beansprucht ein Mitgliedsland die finanziellen Ressourcen des
Fonds, in dem es Reserveaktiva gegen einen entsprechenden Betrag seiner
eigenen Währung vom Fonds kauft (zieht). Der IWF erhebt auf diese Ziehungen
Gebühren und verlangt, dass das betreffende Mitgliedsland innerhalb
eines bestimmten Zeitraums seine eigene Währung vom Fonds zurückkauft
(zurückzahlt).
- Finanzpolitiken:
Unter den Finanzpolitiken des IWF sind die Modalitäten für die Inanspruchnahme
seiner finanziellen Mittel zu verstehen. Dazu gehören:
- Reservetranchenpolitik
- Kredittranchenpolitik
- Notfinanzierungspolitik
- Reguläre Fazilitäten:
- Bereitschaftskreditvereinbarungen
- Erweiterte
Fondsfazilität (EFF)
- Konzessionäre
Hilfe:
- Armutsbekämpfungs-
und Wachstumsfazilität (PRGF)
- Initiative
für hochverschuldete arme Länder (HIPC)
- Sonderfazilitäten:
- Fazilität
zur Kompensierung bei Exporterlösausfällen (CFF)
- Fazilität
zur Stärkung von Währungsreserven (SRF)
- Vorsorgliche
Kreditlinie (CCL)
"Eine
andere Welt ist möglich"
Autor: D. Werner
Bericht über das
2. Weltsozialforum (WSF) in Porto Alegre, das vom 31. Januar bis 5. Februar
2002 im brasilianischen Porto Alegre stattfand.
Für eine Woche war das WSF so etwas wie eine kleine "andere Welt". Mit
über 50.000 TeilnehmerInnen nahmen fast dreimal so viele Menschen teil,
wie im letzten Jahr. Darunter waren über 15.ooo Delegierte, die über 5.000
verschiedene Organisationen - Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften,
Bauernvereinigungen, soziale Bewegungen, politische Organisationen - repräsentierten.
Über 700 verschiedene Veranstaltungen - Konferenzen, Seminare, Workshops
- fanden statt.
Hintergrundinformationen
Organisatoren:
Das WSF wurde getragen von verschiedenen Organisationen, z. B. ATTAC,
der Zeitung Le Monde Diplomatique, dem Stadtrat von Porto Alegre und der
Regierung des Bundesstaates Rio Grande do Sul.
Wirtschaftliche und politische Situation:
Der größte Teil der TeilnehmerInnen kam aus Brasilien und Lateinamerika.
Es war kein Zufall, dass das WSF auf diesem Kontinent stattfand und sein
Charakter war von den Ereignissen in Lateinamerika geprägt. Einerseits
ist Lateinamerika durch Neoliberalismus und Globalisierung schwer getroffen.
Als Stichworte seien hier nur die Schulden- und die Wirtschaftskrise der
letzten Jahre genannt. Andererseits ist Lateinamerika aber auch zu einem
Zentrum des Widerstandes geworden. So gab es vor zwei Jahren einen Volksaufstand
in Ecuador, der für einige Tage die Regierung stürzte und der neue Formen
der Selbstorganisation der Massen (die Volksparlamente) hervorbrachte.
Im bolivianischen Cochabamba ging die Bevölkerung gegen die Privatisierung
der Wasserversorgung erfolgreich auf die Barrikaden und im Dezember des
letzten Jahres stürzte der argentinische Volksaufstand einen Präsidenten
nach dem anderen.
Regionale politische
Situation:
Die Stadt Porto Alegre im Bundesstaat Rio Grande do Sul, wo das WSF stattfand,
wird von der Arbeiterpartei (PT) regiert. Als Besonderheit gibt es dort
den so genannten "partizipativen Haushalt" oder Beteiligungshaushalt.
Die Haushaltsberatungen werden öffentlich und unter Einbeziehung sozialer
Bewegungen, Gewerkschaften etc. geführt. Diese kommen auf speziellen Versammlungen
zusammen und können selber über die Vergabe von 15 Prozent der Haushaltsmittel
entscheiden.
In diesem Jahr stehen die Präsidentschaftswahlen an und der wahrscheinliche
Kandidat der reformistischen Arbeiterpartei (PT), Lula, liegt bei den
Meinungsumfragen vorn. Die Wahlen werden durch eine Zunahme der politischen
Gewalt überschattet. So gab einen Mordanschlag auf José Rainha, den Führer
der Landlosenbewegung MS, mehrere PT-Politiker wurden entführt und zwei
ermordet. Als Drahtzieher dieser Einschüchterungsversuche vermutet man
Teile des Staatsapparates und des Militärs.
In Porto Alegre, sprach Lula unter anderem auf einer Kundgebung beim Jugendcamp.
Er sprach sich dort gegen die nord- und südamerikanische Freihandelszone
aus.
Themen auf dem
WSF:
Unter den zahlreichen
Themen, sollen zwei hervorgehoben werden. Sie waren von besonderer Aktualität
geprägt. FTAA/ALCA
Neben den Ereignissen in Argentinien war die Freihandelszone der Amerikas
(engl. FTAA, spanisch ALCA) ein wichtiges Thema während des WSF. Dieser
Plan stieß auf breite Ablehnung, da die ALCA nur den Interessen Nordamerikas
dienen. ALCA soll letztlich eine Erweiterung der NAFTA (Freihandelszone
seit 1994 zwischen Kanada, USA und Mexiko) sein. Ziel der USA ist es,
einen einheitlichen und liberalisierten Wirtschaftsblock unter ihrer Dominanz
zu schaffen, durch den sie den Einfluss europäischer Konzerne in Lateinamerika
zurück drängen können.
Die Auswirkungen, die ALCA auf die lateinamerikanischen Länder haben wird,
kann man am Beispiel von Mexiko betrachten. Hier sind acht Millionen Menschen
in Armut geraten und eine Million ist unter den Mindestlohn gefallen.
In den Freihandelszonen wurden Arbeitsschutzstandards und Umweltschutzauflagen
abgebaut, die Arbeitszeit beträgt zwölf Stunden und mehr, Kinderarbeit
nimmt zu.
Krieg und Militarismus
Der Krieg gegen Afghanistan und die Militarisierung im Allgemeinen war
ein zentrales Thema und stieß auf eine breite Ablehnung. Zu den bestbesuchtesten
Veranstaltungen gehörte "Eine Welt ohne Kriege ist möglich", auf der Noam
Chomsky sprach. (Noam Chomsky ist Professor für Linguistik am Massachusetts
Institute of Technologie (MIT) und hat in den 60er Jahren die Vorstellungen
über Sprache und Denken revolutioniert. Zugleich ist er einer der prominentesten
und schärfsten Kritiker der gegenwärtigen Weltordnung und des US-Imperialismus.
Obwohl er von der New York Times als "einflussreichster westliche Intellektuelle"
und als "bekanntester Dissident der Welt" bezeichnet wird, wird er von
den Mainstreammedien und im politischen Diskurs weitgehend ignoriert.
Er hat über 57 Bücher über US Interventionismus in den Entwicklungsländern,
die politische Ökonomie der Menschenrechte und die Propagandarolle der
Medien in unserer Gesellschaft geschrieben.)
Vittorio Agnolotti,
der Sprecher des Genua Sozial Forums, sagte zu dem Thema: "Wir sind ein
und dieselbe Bewegung: unser Kampf ist gegen den Neoliberalismus und gegen
den Krieg." Und in der Erklärung der sozialen Bewegungen, die sich im
Laufe des WSF mehrmals getroffen haben, heißt es: "Im Namen des 'Krieges
gegen den Terrorismus' werden in der ganzen Welt zivile und politische
Rechte verletzt. Mit dem Krieg gegen Afghanistan, in dem ebenfalls terroristische
Methoden angewandt wurden, und mit den zukünftigen bereits vorbereiteten
Kriegen, befinden wir uns in einem permanenten globalen Krieg. Seine Ausweitung
wurde durch die Regierung der USA und ihrer Alliierten entfesselt, um
ihre Herrschaft zu festigen. Dieser Krieg enthüllt das brutalste und nicht
akzeptable Gesicht des Neoliberalismus. (...) Die Opposition gegen diesen
Krieg ist eines der konstitutiven Elemente unserer Bewegungen." ,
Statements der
Globalisierungskritiker in Porto Alegre
Auf die Frage,
welche Antworten denn zu geben sind, hört man viele verschiedene Äußerungen.
Naomi Klein,
mit ihrem Buch "No Logo!" ist Naomi Klein zur Vordenkerin der Globalisierungsgegner
geworden. Sie sagt, dass es nicht nur eine Alternative zur Globalisierung
gibt, sondern hunderte und dass von diesen keine verworfen werden sollte.
Gleichzeitig drückt sie einen kämpferischen Ansatz aus, sie sagt "Wir
brauchen keine Zivilgesellschaft, sondern zivilen Ungehorsam."
José Bové‚
französischer Farmer und Aktivist gegen die McDonaldization sagt, dass
die französischen Volksmassen 1789 auch nicht wussten, was am nächsten
Tag passieren würde, als sie die Bastille stürmten und spricht sich dafür
aus, die Frage der Alternativen zu klären, wenn "die Bastille gestürmt
ist".
Vandana
Shiva, Physikerin, Ökologin, Aktivistin, Verlegerin und Autorin
betonte, dass die "andere Welt" auf weiblichen Werten aufgebaut sein sollte.
Vandana Shiva, Indien
1990 kündigte die
Professorin ihren Job an der Universität Bangalore und gründete die Bauernbewegung
"Navdanya". Gemäß Shiva wird die Umwelt Indiens in erster Linie von den
multinationalen Konzernen und der Weltbank bedroht, die den Bauern chemische
Düngemittel, Pestizide und Herbizide verkaufen. Ihrer Organisation gehören
zwar nur 2000 der über 100 Millionen indischer Bauern an, aber "wenn es
darauf ankommt", sagt sie, "können wir halb Indien gegen den Pharmamulti
Monsanto mobilisieren". Im Moment kämpft sie gegen die Umsetzung der letzten
WTO-Vereinbarungen in Indien. Als prominente Kritikerin der WTO und der
Weltbank sitzt sie im Vorstand des IFM, des "Dachverbandes" der Globalisierungsgegner.
Martin Khor ist
Direktor des Dritte Welt Netzwerkes (einem Netzwerks von unterschiedlichen
Nichtregierungsorganisationen in verschiedenen Entwicklungsregionen).
Er ist Autor verschiedener Bücher über Handels-, Entwicklungs- und Umweltfragen,
er spricht sich eindeutig für eine keynesianistische Wirtschaftspolitik
aus.
ATTAC stellt
weiterhin die Besteuerung von Devisentransaktionen (Einführung der Tobinsteuer)
in den Mittelpunkt ihrer Alternativen.
Attac wurde 1998 in
Frankreich gegründet. Seit Anfang 2000 gibt es Attac auch in Deutschland
als ein breites gesellschaftliches Bündnis, das vom BUND über ver.di und
Pax Christi bis zu kapitalismuskritischen Gruppen reicht.
Das Internationale
Forum zur Globalisierung, dem auch Vandana Shiva und Walden Bello
angehören, betont unter anderem die Bedeutung einer Reform der Vereinten
Nationen.
Walden Bello
spricht sich eindeutig für eine Entglobalisierung auf kapitalistischer
Grundlage aus und fordert die Stärkung nationaler Ökonomien und regionaler
Wirtschaftsblöcke. Er fordert die Auflösung des IWF und betont, dieser
solle durch keine neue internationale Institution ersetzt werden. Walden
Bello, Chef der Drittwelt-Organisation "Focus on the Global South" ist
der prominenteste Verfechter eines "differenzierten Umgangs" der Industrienationen
mit den Entwicklungsländern. Seine Mission sieht der Soziologieprofessor
im Schutz der ärmeren Länder vor den "entfesselten Gewalten eines globalen
Kapitalismus"Sehr allgemein spricht er sich für eine Stärkung von NGO's
und multilateralen Abkommen aus und fordert ein "pluralistisches, dezentrales
und demokratisches System".
Susan George schlägt
in ihrer Zustandsbeschreibung der Welt einen schärferen Ton an. Sie spricht
von drei Krisen, denen die Menschheit sich ausgesetzt sieht: erstens die
Krise der Armut und Ungleichheit (zu der sie die Weltwirtschaftsrezession,
Entlassungen und Überkapazitäten zählt), zweitens die ökologische Krise
und drittens die Krise der Demokratie.
Susan George ist Forscherin
und Schriftstellerin, sie hat mehrere Bücher über die Nord/Süd-Beziehungen,
vor allem in den Bereichen Landwirtschaft und Verschuldung, verfasst.
Sie ist Präsidentin des Observatoire de la mondialisation in Paris und
Vize-Präsidentin der ATTAC6 in Frankreich.
Zusammenfassend
kann man sagen, dass die meisten der RednerInnen sich in einigen Fragen
einig waren: so der Einführung einer Tobinsteuer, der Streichung der Auslandsschulden
der armen Länder, der Ablehnung von Krieg und Militarismus, der Notwendigkeit
der Kontrolle der Finanzmärkte und multinationalen Konzerne und ganz allgemein
den Zielen von Demokratie, Frieden, sozialer Gerechtigkeit, einer nachhaltigen
umweltgerechten Entwicklung. Eine klare Strategie zur Erreichung dieser
Ziele wurde nicht vertreten. Die vertretenen Ideen bewegten sich im Rahmen
der sozialen Marktwirtschaft.
Quellen:
http://www.france.diplomatie.fr/label_france/DEUTSCH
/ DOSSIER/2000/13alimentaire.html (Zugriff am 8. Mai 2002)
http://www.sonntagszeitung.ch/sz15/S21-8402.HTM
(Zugriff am 8. Mai 2002)
http://www.attac-netzwerk.de/index.php
(Zugriff am 27. Mai 2002)
http://www.portoalegre2002.org/
(Zugriff am 27. Mai 2002)
Armut,
Krieg und Terrorismus
- gibt es eine Verbindung - ?
Autor: B. Wänke
Trotz der schon seit
Jahrzehnten praktizierten Globalisierung sterben " täglich 100 000 Menschen
am Hunger und seinen Folgen". ("Trommler der Empörung", 21.01.02, http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,179113,00.html,
Stand 01.05.02) Der Genfer Soziologieprofessor Jean Ziegler stellte
ausgehend von dieser Problematik bereits auf der Uno-Vollversammlung im
November 2001 eine Verbindung zum Terrorismus her. "Die Koalition gegen
den Terror ist zum Scheitern verurteilt, weil es zur gleichen Zeit keine
Koalition gegen den Hunger gibt" ("Trommler der Empörung", 21.01.02,
Der Spiegel)
Nun stellt sich die Frage wie die Armut bzw. der Hunger mit dem internationalen
Terrorismus, eine offensichtlich neue Form der Kriegsführung in Verbindung
steht.
Diese neuen Kriege werden oftmals nicht mehr von einzugrenzenden Staaten
geführt, sie sind privatisiert und werden durch ein undurchsichtiges Netz
an Hintermännern mit finanziellen Mitteln versorgt. Diese Schattenglobalisierung,
die anstelle der Unterstützungsmächte wie z. B. USA, China, Sowjetunion
getreten ist, sichert die Mittelzufuhr dieser Staaten hauptsächlich aus
illegalen Drogen- oder Diamantengeschäften. Zahlreiche Beispiele hierfür
liefert der Staatenzerfall auf dem afrikanischen Kontinent. Nach Beendigung
des kalten Krieges hofften viele Afrikaner auf mehr Demokratie & einen
Weg aus der Abhängigkeit von den westlichen Staaten. Durch den Kongokonflikt,
traten verstärkt "private Kriegsunternehmer auf, die den Krieg nicht als
Mittel verstehen, einen politischen Willen durchzusetzen, sondern als
Lebensunterhalt und Bereicherungschance" ("Der Krieg ernährt wieder
den Krieg",11.04.2002, Taz). Dieses System beginnt bei Kindern, die
eine Waffe brauchen, um zu überleben bis hin zu Generälen, die durch diese
Kriegsführung Millionen verdienen. Die Armut in diesen Ländern, verbunden
mit innergesellschaftlichen Konflikten häufig religiöser Natur, macht
die Bevölkerung unweigerlich anfällig für terroristische Ideologien. Sie
sind es, die diesen Menschen Ziele aufzeigen, an die sie glauben können.
Es bedarf nur einer "starken, wegweisenden" Führung. Diese staatsinternen
Auseinandersetzungen können, wie es der Kongokonflikt mit seinen Auswirkungen
auf Uganda & Ruanda zeigte, schnell zu "transnationalen Kriegen" führen.
Aber hat Armut auch
etwas mit den Terroranschlägen des 11. September 2001 zu tun?
Sicherlich finden terroristische Regime häufig in Länder mit ärmerer Bevölkerung
und geringem Bildungsniveau Anklang. Die Religion und Kultur eines Landes
sind aber nicht außer Acht zulassen. Wird nun die Erreichung fanatischer
Ziele mit dem Glauben, der Religion gerechtfertigt und wurde die Bevölkerung
in diesem Glauben "erzogen", so finden terroristische Regime wie die Taliban
leicht Anhänger, die aus besagten Gründen der Kultur "gerne" für ihr Land
sterben.
Bei der breiten Diskussion
über die Ursachen und Wurzeln des Terrorismus kristallisierten sich viele
heraus. Unter ihnen waren Globalisierung, Ausbeutung der armen Länder
durch die reichen, die Arroganz und das Verhalten Amerikas gegenüber anderen
Ländern. Jedoch wurde keine "Ursache" für den Terror häufiger genannt
als die Armut, Hunger und Krankheit. Armut sorgt für politische Unruhen
und soziale Instabilität, aber erzeugt sie Terrorismus? Niemand hat bisher
eine eindeutige Wechselbeziehung zwischen Armut und Terrorismus festgestellt,
es gibt weder soziologische noch historische Belege die diese Annahme
bestärken könnten. Und das nicht nur weil Osama Bin Laden aus einer wohlhabenden
Familie stammt. "Auch die deutsche RAF und ihre "verwandten" Organisationen
in Italien, Japan und anderswo kamen weder aus der Arbeiterklasse, noch
kannten sie soziales Elend aus ihrer Umgebung." ("Terror, Globalisierung
und Armut", http://www.welt.de/daten/2001/10/09/blickpunkt)
Entscheidend ist die
Frage, wo Terrorismus vorkommt und wo nicht.
"Unter den 49 Ländern, die von der UNO als die Ärmsten der Armen bezeichnet
wurden, hat der Terrorismus nur in zweien eine gewisse Rolle gespielt
- im Sudan und in Afghanistan, und in beiden Fällen war es kein einheimisches
Produkt, sondern ein ausländischer Import. Terroristen erkauften sich
ein Land.
Manchmal kommt Terrorismus tatsächlich in den ärmeren Regionen eines Landes
vor, in Peru beispielsweise oder in Nordirland, einem der vernachlässigten
Teile des Vereinten Königreichs. Aber genauso tritt er in wohlhabenderen
Gegenden auf wie z. B. im Baskenland Spaniens. Sicher, diejenigen, die
den extremeren Flügeln des palästinensischen Terrorismus wie der Hamas
und dem Dschihad beigetreten sind, kamen aus weniger wohlhabenderen Teilen
der Gesellschaft, und das Gleiche trifft auf die libanesische Hisbollah
zu. Aber unter den palästinensischen Selbstmordattentätern war, soweit
man das ermitteln kann, keiner, der unter Hunger gelitten hätte." ("Ist
Armut ein Grund für den Hass der Moslems?", 16.02.2002, Laqueur, Walter,
Die Welt, http://www.uga.edu/bahai/2002/020209-2.html,
Stand 13.05.2002) Laut dem Entwicklungsforscher Franz Nuscheler rebellieren
die Armen selbst nicht. Sie neigen eher zur Selbstanklage und geben sich
ihrem Schicksal hin. Die Terroristen hingegen fühlen sich durch die Armut,
durch die von ihnen als ungerecht empfundene Welt provoziert. Sie sehen
sich als die Sprecher der Sprachlosen. Das ist ihre Selbstlegitimation,
auch dann, wenn sie gar keine sozialen Anliegen haben, sondern eher religiöse
und politische, wie die Terroristen von New York und Washington." ("Die
armen rebellieren nicht", Die Zeit, http://www.zeit.de/2001/4
/Wirtschaft
/print_200141_interv._nuschele.html, Stand 16.02.2002)
Aber nicht nur die
Armut wird als eine Ursache für die Verbreitung des Terrorismus gesehen.
Ein weiter Ausgangspunkt, der von vielen Wissenschaftlern, Forschern und
Politikern geäußert wurde ist der "Konflikt der Kulturen". Es mag wohl
etwas Wahrheit in dieser These liegen, jedoch gibt es auch hier keine
Beweise, die diese Behauptung rechtfertigen könnten.
Wenn nun aber die Armut, der Kulturenkonflikt, die Globalisierung und
alle weiteren genannten eben nicht die Ursachen für den Terrorismus sind
(zumindest nicht allein betrachtet), wo liegen dann die Wurzeln?
"Die Ursachen des Terrorismus, um es auf den breitmöglichsten Nenner zu
bringen, sind die Terroristen. Was treibt sie dazu, so zu handeln, wie
sie es tun? Es ist ein Fehler zu glauben, dass das einzig (oder hauptsächlich)
von "objektiven" sozialen, ökonomischen und politischen Bedingungen abhängt.
Was eine Person zum Terroristen macht und eine andere mit gleich starken
religiösen oder politischen Überzeugungen zu einem Politiker oder einem
aggressiven Geschäftsmann, mag wohl", wie bereits beschrieben, "mit Religion
und kulturellen Traditionen zu tun haben, aber vielleicht noch mehr mit
kollektiver und individueller Psychologie." ("Ist Armut ein Grund für
den Hass der Moslems?", 16.02.2002, Laqueur, Walter, Die Welt, http://www.uga.edu/bahai/2002/020209-2.html,
Stand 13.05.2002)
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