Die fragmentierte Gesellschaft
Referat zum ZEIT-Interview Uwe Jean Heuser
Von Eva Niemeyer
Der Aufsatz "Die fragmentierte Gesellschaft" von Uwe Heuser in dem Magazin Zeitpunkt Nr.5 beschreibt die Auswirkungen der neuen Informationstechnologie auf den Einzelnen, sowie auf die Gesellschaft, das Sozialsystem und die Gemeinschaft.
Das Sinnbild der modernen Gesellschaft stellt die Infobahn dar, welche die Hoffnung der Einen und die Ängste der Anderen weckt. Jeder 2. Deutsche fürchtet der Informationsflut und den Anforderungen des Computers nicht gewachsen zu sein. Trotzdem hoffen die Optimisten auf eine vernetzte Welt, elektronische Gemeinschaften und vielen Informationen. Während die Pessimisten eine Zweiklassengesellschaft prophezeien, in der nur die Reichen und Klugen überleben und eine breite, verarmte Unterklasse entsteht, welche sich die neuen Technologien weder leisten noch verstehen können.
Doch der Wandel hat längst begonnen, schon jetzt ist die Arbeitswelt stark von der Informationstechnologie geprägt und die Entscheidung, ob man diese Technologie will oder nicht, ist längst gefallen. Dabei wird von jedem einzelnen und auch vom Staat große Anpassungsfähigkeit verlangt. Denn das bisherige Modell von Beruf und Karriere, das die Industriegesellschaft beherrscht hat, stimmt immer weniger. Die letzten 150 Jahre war es die Regel, daß man morgens zur Arbeit ging und abends wieder nach Hause. Doch heute entstehen "virtuelle Unternehmen", d.h. ein Unternehmen mit wenig festen Angestellten und vielen Telearbeitern. (Unter Telearbeit versteht man die Arbeit zu Hause oder unterwegs am Computer) Diese Telearbeiter können aus allen Teilen der Welt sein, denn durch das Netz sind keine Grenzen gesetzt(in der Europäischen Union gibt es bis jetzt 2 Millionen Telearbeiter). Das ist für die Unternehmer ein großer Vorteil, denn sie sparen hohe Personalkosten und können sich die Arbeiter je nach Qualifikation weltweit aussuchen.
Doch das hat zur Folge, daß es immer mehr Selbständige und eine immer kleiner werdende Anzahl von Arbeitnehmern gibt, die in die Sozialversicherung einzahlen. D. h. , daß immer weniger Erwerbstätige einen immer größeren Teil ihres Einkommens in das Sozialsystem stecken, ohne große Hoffnung später viel davon zu sehen. Dadurch steigen weitere Beitragszahler aus und die Sozialversicherung wird zu einem System von Armen für Armen verkümmern. Die traditionelle Arbeitswelt geht verloren und der Sozialstaat wird in der Informationsgesellschaft auseinanderbrechen. Die Infobahn, welche für die Einen den besseren Lebensrahmen bietet, wird für die Anderen die letzte Chance auf Beschäftigung zerstören. Denn die Infobahn erlaubt ungekannte Differenzierungen zwischen den einzelnen Arbeitnehmern und ihren Leistungen. Das bedeutet im Klartext, es gibt kein stabiles Einkommen mehr, d.h. schwankt die Arbeitskraft macht sich das sofort auf dem Konto bemerkbar.
Die neue Technologie fragmentiert die Gesellschaft, sie erlaubt Differenzierungen, die bisher nicht möglich waren und drängt zu mehr Individualität. Es entsteht eine Gesellschaft, in der alte Formen der Solidarität verloren gehen - und neue erst gefunden werden müssen.
Das Schlüsselwort der elektronischen Zukunft heißt " Gemeinschaft". Menschen können unabhängig von Raum und Zeit im Computernetz den Anschluß finden, den sie in ihrer realen Umgebung vermissen.
Entgegen dem Versprechen der Digitaloptimisten fördert die Infobahn keine gemeinsamen Werte, sondern streicht die Unterschiede heraus. Sie ermöglicht dem Einzelnen sich irgendwo auf der Erde Gleichgesinnte zu suchen und sich von allen anderen abzugrenzen. Dabei besteht die Gefahr, daß man den Unterschied zwischen Cyberclub und der Welt außerhalb des Netzes nicht mehr wahrnimmt.
Nach meiner Ansicht wird in diesem Aufsatz sehr schnell deutlich, daß die neue Technologie nicht nur Vorteile mit sich bringt, sondern auch ihre Opfer fordert. Die Infobahn, welche den Transport der Informationen übernimmt, verändert die bestehende Gesellschaft erheblich.
Zum Beispiel besitzen immer mehr Menschen ein Modem, welches den Weg durch den Dschungel der Informationen ermöglicht. Jedoch stellt sich mir die Frage, was passiert mit den Menschen, die nicht an Computerarbeit gewöhnt sind oder keine Möglichkeit haben "online" zu sein. Denn auch ich stimme dem Autor dieses Aufsatzes zu, daß eine Veränderung in der Arbeitswelt unumgänglich ist. Die Zahl der Selbständigen wird steigen und immer weniger Be-schäftigte zahlen in die Sozialversicherung, so daß sich der Wandel in die Informations-gesellschaft mit Sicherheit auch auf das Sozialsystem auswirken wird.
Uwe Heuser prophezeit in seinem Aufsatz den Zusammenbruch des Sozialsystems, ob das in dieser Weise geschieht oder ob neue Formen für das vorherrschende System gefunden werden, das möchte ich hier noch nicht beurteilen. Jedoch ist eines sicher die Informationstechnologie schreitet weiter fort und wird nicht vor denjenigen Halt machen, die diese Technik nicht gewollt haben.
Außerdem spielt die Zeit eine erhebliche Rolle in der neuen Gesellschaft. Immer mehr Zeit wird vor dem Computer verbracht, die alten Formen der Kommunikation sind längst vergessen.
Heute werden Aufträge und Projekte per Email vergeben, man spart auf diese Weise viel Zeit und Geld. Auch die private Kommunikation findet am Computer statt und wer keinen PC mit Modem hat, kann mit Hilfe von sogenannten Computercafes weltweit Kontakte knüpfen.
Mein Schlußwort an dieser Stelle: Computer und Netze sind zwar eine schöne Erfindung, jedoch sollte man die Realität außerhalb des Netzes nicht aus den Augen verlieren und der Technik nicht kopflos das Feld überlassen.
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