Die Bibliothek der Zukunft


Die Bibliothek der Zukunft


Referat zum ZEIT-Interview von Dieter E. Zimmer
Von Priscilla Medeiros


Der Autor Dieter E. Zimmer geht in seinem Artikel ,Die Bibliothek der Zukunft" auf folgende Fragestellungen ein:

1. Wie sieht denn die Bibliothek der Zukunft aus?
2. Gibt es in der digitalen Zukunft überhaupt noch Bibliotheken?
3. Wofür wird man sie brauchen?

Anhand der Vorträge und Diskussionen über mögliche Profile der Bibliothek der Zukunft, die von Experten an der Berliner Humboldt-Universität geführt wurden, projiziert der Artikel übereinstimmende und gegensätzliche Äußerungen übereinander. Zwischen 1997 und 2003 sollen die naturwissenschaftlichen Fachbereiche der Berliner Universität auf einen neuen Campus ziehen, wo sich einer modernen Bibliothek eine Herausforderung bietet: die räumlich auseinandergerissene Universität und die ebenso in der Umgebung angesiedelten nicht universitären Forschungsinstituten und Firmen zu verknüpfen.
Hier sei nur die Rede von wissenschaftlichen Bibliotheken, die es auch in den nächsten Jahrtausenden eventuell unter der Bezeichnung ,Informations- und Kommunikationszentren" weiterhin geben soll. Obwohl der gedruckte Bestand der zukünftigen ,Exbibliothek" Anfang des nächsten Jahrtausends sinken soll, werden dort die traditionellen Bücher und Zeitschriften weiterhin aufbewahrt und gelesen. Dies solle jedoch als ,die" Überlebenschance für die Wissenschaft betrachtet werden, da die Wissenschaft aufgrund ihres exponentiellen Outputwachstums ansonsten an ihrer eigenen Produktivität ersticken würde. Zumal sich nichts mehr in einem hochstürmenden Informationschaos auffinden ließe.
Daher findet in der Bibliothek der Zukunft eine große Umstellung im Bereich der Schriftlichkeit statt: Text läßt sich in einem unmateriellen Aggregatszustand aufbewahren, weitergeben und erschließen, nämlich elektronisch-digital. Um dies jedoch zu realisieren, muß sie allerdings mit einem Rechenzentrum engstens vernetzt sein, dessen Hauptaufgabe ist, Netze effizient zu managen.
Ein weltweites ernstes Problem bilden die noch zu bestimmenden rechtlichen Rahmen für das Verbreiten digitaler Materialien. Außerdem verursachen digitale Angebote nicht nur bedeutende zusätzliche Kosten, sondern verlangen auch zusätzliches Personal und geeignete Räumlichkeiten in der Bibliothek der Zukunft, die ein multimediales Konzept erfüllen soll.
Wissenschaftliche Publikationen sollen künftig in zwei Phasen existieren: in den ersten zwei, drei Jahren existiert das Dokument in ,fluktuierender" elektronischer Form. Hat sich die elektronische Publikationsform bewiesen, wird sie in ein ,zitierfähiges" Dokument (unter anderem Papier) verwandelt.
Die ,Exbibliothek" übernimmt die Rolle einer Schnittstelle der verschiedenen Erscheinungsformen vielfältiger Medien. Einerseits entwickelt sich heutzutage ein Trend zur Auflösung aller Zentren (hierzu zählen auch Bibliotheken). Durch das Internet können sich jeder mit jedem auf der ganzen Welt und verschiedenen Datenbanken in Verbindung setzen, was gerade für Wissenschaftler eine tolle Sache ist. In dem Zusammenhang behauptet der Autor, daß somit für keinen mehr die Notwendigkeit bestünde, sich Informationen aus Bibliotheken zu holen. Schließlich wäre die ganze Welt zu einer enormen virtuellen Bibliothek geworden, deren Eingang überall zu finden sei. Andererseits bliebe das Virtuelle zum Teil auch das Unerreichbare: Computer und Peripheriegeräte benötigen ständige Pflege, Server müssen gewartet werden, um optimal zu funktionieren und in den Leitungsnetzen käme es heute schon zu wahnsinnigen Staus. Aus dieser Perspektive betrachtet wären Bibliotheken sehr wünschenswert, in denen ein Grundbestand an häufiger benutzter Literatur in Buchform vorhanden wäre. Denn jedesmal die benötigten Informationen aus den Netzen zu holen und in die Papierform zu überführen wäre viel zu umständlich und vor allem sehr teuer.
So etwas wie wissenschaftliche Bibliotheken wird es in Zukunft auch geben, wo Zeitschriften und Bücher gesammelt und gelesen werden. Diese Informationszentren bekommen jedoch eine neue Funktion: sie repräsentieren Schnittstellen zur universalen virtuellen Bibliothek. Daraufhin verändert sich der Beruf des Bibliothekars zum ,Bibliothekar-Informatiker-Dokumentaristen". ,Die Tatsache, daß sich selber aus dem Prozeß der Wissenschaft ausschließt, wer sich nicht hinreichend auf sie einstellt" berechtige die Entstehung der Bibliothek der Zukunft: betont Zimmer speziell für diejenigen, die unseren traditionellsten Bibliotheken jetzt schon nachtrauern!

Stellungnahme: Meiner Meinung nach widerspricht sich Dieter E. Zimmer ziemlich oft in seinen Äußerungen über die Bibliothek der Zukunft. Einerseits tendiert er zur radikalen Automatisierung und Digitalisierung von Bibliotheken und behauptet sogar, daß durch die Vernetzung aller Welt und den Online-Zugriff auf verschiedene Datenbanken kein Bedürfnis mehr an Bibliotheken da wäre, da diese von einer riesigen universalen virtuellen Bibliothek ersetzt wären. Andererseits gibt er zu, wir seien noch weit davon entfernt, das Virtuelle optimal nutzen zu können. Der Grund liegt einfach darin, daß das Virtuelle zu einem Teil auch das Unerreichbare sei und bliebe. Daraufhin betont Zimmer die Notwendigkeit mindestens eines gedruckten Grundbestands an häufig benutzter Literatur in Bibliotheken, um nicht unbedingt alles aus Netzen herbeischaffen zu müssen, was manchmal ziemlich aufwendig und vor allem teuer sein kann. Zimmer macht mir den Eindruck als wäre er sich selber nicht ganz sicher, wie die Bibliothek der Zukunft wirklich aussehen soll, was er eigentlich auch gar nicht wissen kann, nur vermuten......




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