Frauen und Technik
Referat zum ZEIT-Artikel von Susanne Gaschke
Von Susanna Neder
Am Anfang des Artikels steht die Feststellung, daß Frauen als Nutzerinnen des Internets mit 10% unterrepräsentiert sind.
Dieser Zustand wird nicht mehr nur von feministisch engagierten Frauen, sondern inzwischen auch von Frauenzeitschriften bis hin zur Boulevardpresse beklagt. Die Ursache wird im Verlauf der weiblichen Sozialisation gesucht und gefunden.
Abhilfe sollen frauenspezifische Angebote wie beispielsweise Frauen-Computerkurse, Frauen-Newsgroups und -Mailboxen schaffen. Der koedukative Unterricht in naturwissenschaftlich-technischen Fächern wird mittlerweile in Frage gestellt.
Als Motiv für diese Maßnahmen wird die Gefahr, daß die Frauen den Anschluß an Arbeitsmarkt und Gesellschaft verpassen, genannt.
Nun stellt Frau Gaschke aber die zentrale Frage des Artikels: "Wie groß ist eigentlich der Verlust, den die Frauen durch ihre Abneigung gegen Netze und Netzes-Netze erleiden?"
Frau Gaschke gesteht zu, daß die Möglichkeiten, die das Internet im Bereich der Informations-beschaffung jetzt schon bietet und noch bieten wird, durchaus sinnvoll sein können, grenzt sich jedoch vom Enthusiasmus und und den Machbarkeitsphantasien der Männer entschieden ab.
Sie prophezeit, daß sich beispielsweise das Teleshopping nicht durchsetzen wird, weil sich die Frauen die sinnlichen Eindrücke die sie beim Einkaufen haben, nicht nehmen lassen werden, ebensowenig die dabei - wenn auch nur oberflächlich - entstehenden sozialen Kontakte etwa zur VerkäuferIn. Hier wird, so Frau Gaschke, von Marketing-Experten ein künstliches Bedürfnis erzeugt, das von Frauen niemals geteilt werden wird.
Auch zum Thema Telearbeit, die Frauen ermöglichen soll, neben ihrer Familienarbeit, beruflich tätig zu sein, meldet die Verfasserin des Artikels Bedenken an. Der Grund für die Verlagerung von Arbeiten nach außen ist immer ein betriebswirtschaftlicher (Verschlankung von Unternehmen) gewesen, wobei es sich dabei von je her um die wenig profitablen Arbeiten handelt. Auch im Falle der Telearbeit wird sich daran nichts ändern: Frauen tragen quasi als Subunternehmerinnen das volle Risiko. Außerdem bezweifelt Frau Gaschke, daß es möglich ist, umgeben von Kindern und Haushalt eine halbwegs geistig anspruchsvolle, Konzentration erfordernde Arbeit auszuführen.
Zum Schluß des Artikels noch einige wenig schmeichelhafte Bemerkungen über den typischen Internet-Nutzer: "ein unerwachsen anmutendes Individuum mit viereckiger Brille und einem Hang zu formlosen Sweatshirts". Kurzum: Männer mit Kommunikationsproblemen und mangelnder sozialer Kompetenz.
Frauen werden sich, nach Frau Gaschke, "aus der elektronischen Kommunikation davonstehlen", ganz einfach deshalb, weil ihnen ihre Zeit zu wertvoll ist.
Das Problem der weiblichen Sozialisation
In Zusammenarbeit mit dem Institut Frau und Gesellschaft wurden 1985 am Otto-Hahn Gymnasium in Springe/Niedersachsen Diskussionen, Befragungen und Einzelinterviews mit Schülerinnen und Schülern geführt, um über die Hintergründe und Ursachen für die Distanz der Mädchen in den angebotenen Informatik- und Computerkursangeboten Aufschluß zu erhalten. Die Auswertung der Untersuchung ergab, daß diese Abwehrhaltung der Mädchen in erster Linie auf eine traditionelle geschlechtspezifische Sozialisation zurückzuführen ist, d.h. den Mädchen und Jungen werden von Eltern und Umfeld von klein auf durch unterschiedliche Verhaltenserwartungen bezüglich Durchsetzungsvermögen, Emotionalität und Verantwortlichkeit für bestimmte Aufgabenbereiche die geschlechtsspezifischen Rollen zugewiesen. Auch die Lehrer und Lehrerinnen sind bei der Gestaltung des naturwissenschaftlich-technischen Unterrichts nicht frei von diesen Mustern, aus denen heraus sie die Schülerinnen oftmals übersehen oder "schonen". Hieraus ergibt sich die Forderung nach einer mädchen- bzw. frauengerechten Vermittlung der Inhalte.
Obwohl dieser Aspekt für die Einbindung von Frauen in die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien äußerst wichtig und auch richtig ist, so reicht er meiner Meinung doch nicht aus, um das Problem der Unterrepräsentiertheit von Frauen im Internet und in der Technik allgemein zu erklären und - wenn es überhaupt sein muß - zu lösen. Mir fehlt der Aspekt der rGeschlechterdifferenz, daß sich Frauen in ihrem Wesen, d.h. in ihren Eigenschaften, Fähigkeiten und Denkweisen von Männern unterscheiden (neuestes Schlagwort: Soziale Kompetenz).
Die Annahme der Geschlechtergleichheit
Die feministische Theorie befaßt sich seit Jahren mit der Frage, ob bzw. inwiefern Frauen und Männer gleich oder verschieden sind. Bis zum Beginn der 80er Jahre gingen die Feministinnen davon aus, daß Männer und Frauen gleiche Eigenschaften und Fähigkeiten haben, daß sie in dieser Gesellschaft jedoch unterschiedliche Eigenschaften aufweisen gemäß ihren patriarchal definierten Geschlechterrollen aus denen sich dann auch die unterschiedlichen Lebenschancen und Lebensweisen ableiten lassen. Demnach liegt die Ursache und die Lösung einzig in der Sozialisation.
Die Annahme der Geschlechterdifferenz
In den letzten Jahren wird immer mehr Kritik an der Gleichheitstheorie geübt. Die meisten GehirnforscherInnen sind inzwischen überzeugt, daß weibliche und männliche Gehirne auf unterschiedliche Weise an der Lösung von Problemen arbeiten und trotzdem zu gleichen Resultaten gelangen können (Auch diese unterschiedliche Zugangsweise zu Problemen muß in die Gestaltung des Unterrichts miteinfließen.). Feministinnen haben die Diskussion auch auf die Themen "Frauen und Wissenschaft" und "Frauen und Technik" gelenkt.
Ich will die Bedeutung der Errungenschaften der Gleichheitstheoretikerinnen keinesfalls leugnen, sie waren für den Kampf um die Rechtsgleichheit der Frauen von enormer Wichtigkeit, mir scheint es aber realistischer, die wesentlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen anzuerkennen und auf dieser Basis weiterzumachen. Dann stellt sich nämlich auch gleich die Frage nach den Bedürfnissen und Wertvorstellungen von Frauen.
Die Bedürfnisse von Frauen
Übertragen auf das Thema "Frauen und Internet" fragt frau sich: "Ist es eigentlich mein innerstes Bedürfnis zu hacken und net zu surfen?". Und wer hat das Internet erfunden und wozu? Und wieso muß ich jetzt plötzlich übers Netz kommunizieren, wo ich mich eigentlich immer schon auch ohne Netz gut unterhalten habe?
Das bedeutet aber nicht, daß Frauen kein Bedürfnis nach Information haben. Schließlich waren sie immer schon Bibliotheksbenutzerinnen. Um an für sie wichtige Informationen zu kommen, werden sie auf das Internet zugreifen, aber erst dann, wenn dieses ohne Zeitverlust, d.h. ohne langes Warten und ohne Überhäufung mit irrelevanten Daten im Suchergebnis möglich ist.
Ich darf aus dem Buch "Das Private und die Technik" zitieren: "Die angebliche Technikfeindlichkeit von Frauen entpuppt sich daher bei näherem Hinsehen als eine begründete, aus Erfahrung abgeleitete Technikskepsis, die Technikanwendungen in ihrer Bedeutung für menschliche Bedürfnisse bewertet und gegebenenfalls ablehnt."
Der Anschluß der Frauen an den Arbeitsmarkt
Frauen heißt es, müssen sich mit den neuen Kommunikationstechnologien auseinandersetzen, weil hier ein neuer Arbeitsmarkt entsteht. Frage: Was macht eigentlich eine Programmiererin, wenn es kein Problem ist, die Arbeit via Internet nach Indien zu schicken, wo billiger programmiert wird ?
Was weiß ich ?!
Literatur:
ifg Materialien zur Frauenforschung: Uta Brandes, Robert Schreiber: "Man kann die Technologie auch übertreiben", Bielefeld 1988
Barbara Böttger, Barbara Mettler-Meibom: Das Private und die Technik, Opladen 1990
Mechthild Cordes: Die ungelöste Frauenfrage, Frankfurt/Main 1995
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