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Das Internet als Medium wird von immer mehr Menschen genutzt. Es bietet mittlerweile umfangreiche Informationen für jedermann, eröffnet aber auch neue Gräben auf dem weiten Feld zwischen Künstlern, Verwertungsgesellschaften, Plattenindustrie, Verlagen, Handel und Öffentlichkeit. Es gibt eindeutige Trends, die vorraussagen, daß dieses globale Netz der Musikmarkt der Zukunft werden könnte. Schon jetzt findet man im Internet von A wie ABBA bis Z wie ZZ Top fast jede Musik als kostenlosen MP3-Download. MP3 - ein Format zur digitalen Komprimierung von Musik - ermöglicht das schnelle Kopieren von Audiodateien über das Internet. Neben legalen Angeboten gibt es auch eine enorme Zahl von Raubkopien. Diese sind für jedermann leicht zugänglich. Musikpiraten bieten die Stücke auf eigenen Providern an, die oft nach wenigen Tagen vom Netz genommen werden, ohne dass die Behörden Zeit hätten, etwas dagegen zu unternehmen. Deshalb versetzt das Internet-Musikformat MP3 die milliardenschwere Musikindustrie in Angst und Schrecken. Eine Minute unkomprimierter Musik belegt etwa zehn Megabyte Speicher. Im MP3-Format benötigt dasselbe Musikstück nur ein Megabyte. Wenn man MP3-Stücke auf CD brennt, kann man somit auf einem Rohling die Inhalte von zehn bis zwölf Musik-CDs unterbringen. Für die Datenkompression des MP3 Formats liefert die Psychoakustik das Grundlagenwissen. Diese Wissenschaft erforscht Bereiche, die mit physikalischen Meßmethoden nicht erfaßbar sind. So wird unter anderem auch die Lautheit untersucht, deren subjektives Empfinden von Schallpegelmessungen abweicht. Durch geschulte Testhörer wird in langwierigen Hörtests versucht, die Frequenzen, die für das menschliche Gehör im allgemeinen nicht mehr wahrnehmbar sind, zu lokalisieren und später auszufiltern. Ein MPEG-Encoder, der aus einem Audiotrack ein MP3 File erzeugten kann, macht im Grunde nichts anderes - er lokalisiert Frequenzbereiche, die für das menschliche Gehör nicht mehr wahrnehmbar sind und verringert sowohl den Frequenzumfang als auch den Rauschabstand im nicht wahrnehmbaren Bereich. Für die Plattenindustrie ist MP3 geschäftsschädigend, denn mit diesem Verfahren kann nun jeder Mensch seine Lieblings-CDs in handliche Audiodateien umwandeln und über das Internet der ganzen Welt zum Download anbieten. Unerschrockene Netzpiraten nutzen dieses Angebot und decken sich kostenlos mit neuer Musik ein. Ein paar Mausklicks genügen, und in Minutenschnelle rauschen die gewünschten Songs oder gar komplette Alben auf die heimische Festplatte. So hat sich im Internet längst ein reger Austausch von Raubkopien entwickelt. Musikverleger forderten die Politiker auf, das Urheberrecht so zu verändern, daß die Künstler nicht durch eine neue Technologie um ihre Existenz gebracht würden. Pressestimmen zum Thema: Andrea Rothaug, Pressesprecherin des Bundesverbandes der phonographischen Wirtschaft, beziffert den Schaden für die deutschen Plattenverleger durch den Vertrieb illegaler Raubkopien über das Internet im letzten Jahr auf 20 Millionen Mark und erwartet für dieses Jahr einen Schaden von 40 Millionen. Henrik Gümoes von EMI General Music meint dazu: "Wenn sich die Piraterie im Internet in den nächsten Jahren weiter ausbreitet, kann bald keiner mehr von der Musik leben und dann macht keiner mehr Musik". In einer Resolution bei der Jahreshauptversammlung des Deutschen Musikverlegerverbandes (DMV) hieß es, Musik zum Nulltarif sei die schlimmste Ausbeutung von Autoren, Produzenten, Künstlern und Musikverlegern. Wenn die digitale Musik-Piraterie nicht gestoppt werde, drohe ein "Ausverkauf der Musikvielfalt in Deutschland". Jürgen Becker, Vorstandsmitglied der GEMA meint, die Folgen des von MP3 ausgelösten "Wildwuchses" seien aber nicht nur wirtschaftlich. Der Jurist befürchtet eine "Verarmung der Kultur". Wenn das Geschaffene nicht mehr gewinnbringend vermarktet werden könne, "dann entziehen wir den Kreativen die Lebensgrundlage."
Einige Musiker nutzen die neuen Möglichkeiten von MP3 Während die Musikindustrie klagt, haben Nachwuchskünstler allen Grund zur Freude: dank MP3 können sie mit geringem Kostenaufwand ihre Musik im Internet einem breiten Publikum zugänglich machen. Die Beastie Boys z.B. haben diese Möglichkeit von Anfang an genutzt. Andere bekannte Musiker wie der Rapper Chuck D liegen im Clinch mit ihrer Plattenfirma, weil sie ihre Musik übers Internet veröffentlichen. Der Grund ist klar: die Plattenfirmen fürchten um ihre Gewinne. Der Rappmusiker Ice T meint zum Thema: "Wir befinden uns im Wandel und die Zukunft bietet neuen Künstlern die Chance, Aufnahmen zu veröffentlichen und ihre Musik direkt den Leuten anzubieten, ohne dass sie sich durch einen Plattenvertrag zu Sklaven machen müssen."
Die Musikindustrie, die sich von MP3 bedroht sieht, macht mittlerweile mobil, um in einer "koordinierten weltweiten Strategie" gegen die Internetpiraterie vorzugehen. Man will gegenüber Hunderten von Websites in 20 Ländern vorgehen, um das Internet von einem Großteil der Raubkopien zu säubern und so den Weg für Musikfirmen und Künstler ebnen, ihre Musik elektronisch und legal in der ganzen Welt anzubieten.
International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) Zu diesem Zweck wird in verschiedenen Ländern von der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI), einer internationalen Vereinigung der Musikindustrie, die auch von einigen Künstlern unterstützt wird, eine "Kampagne für legale Musik im Internet" durchgeführt. Sie richtet sich hauptsächlich gegen jene, die illegal Musikdateien normalerweise im MP3-Format kostenlos oder gegen Bezahlung im Web zum Herunterladen anbieten, oder gegen Internetprovider, die auf Abmahnungsschreiben, derartige Websites vom Netz zu nehmen, nicht reagieren. Angeblich sind im Internet mehr als eine Million raubkopierter Musikdateien zu haben. Der IFPI-Vorsitzende Jay Perman will zusammen mit Künstlern und Musikproduzenten das Internet nutzen, um große Musik Millionen von Fans und Käufern auf der ganzen Welt zu vermitteln. Man müsse die Menschen darüber aufklären, dass das Anbieten und Herunterladen von Raubkopien den Künstlern nicht die Möglichkeit lasse, den Gebrauch ihrer Werke zu autorisieren. Wie die IFPI sagt, geht man davon aus, dass der Handel mit Musik im Internet in den nächsten Jahren einen Markt von mehreren Milliarden Dollar schaffen werde. In letzter Zeit konnte die IFPI folgende Erfolge erzielen: in Japan hat man in diesem Jahr bereits 2037 illegale MP3-Dateien gelöscht, in Süd-Korea 80 Briefe an Betreiber von Piraterie-Websites geschickt, wobei 65 Prozent von ihnen daraufhin geschlossen worden seien. Ähnlich sei dies in Taiwan und Hong Kong gewesen. In Italien hat die IFPI 535 Websites, in Schweden 1000, in Holland 100, in Großbritannien 30, in Dänemark 1000 und in Deutschland 500 Websites zum Schließen gebracht und in vielen Ländern überdies Betreiber solcher Websites angezeigt. Der Verband der Musikindustrie beklagt sich allerdings auch über die müßigen Regierungen, die sich nicht genug um die Durchsetzung entsprechender Copyright-Gesetze und den Schutz vor Copyright-Verletzungen kümmern.
Recording Industry Association of America (RIAA) Die Vereinigung der amerikanischen Musikunternehmen (RIAA) hat mit zahlreichen bekannten Unternehmen der US-Unterhaltungsindustrie die "Secure Digital Music Initiative" (SDMI) gegründet. Bei dieser Initiative für geschützte digitale Musik geht es um die Entwicklung eines neuen Standards für den Verkauf von Musik über das Internet. SDMI wird von großen Namen in der Industrie unterstützt, darunter Strauss Zelnick, Chef von Bertelsmanns BMG Entertainment, Ken Berry von EMI Recorded Music, Thomas Mottolam von Sony Music Entertainment, Doug Morris von Seagram's Universal Music Group sowie Bob Daly und Terry Semel von Warner Brothers und der Warner Music Group. Ebenfalls mit von der Partie sind zahlreiche andere große Unternehmen wie America Online, AT&T, IBM, Intel, Lucent, Microsoft, Sony, und Toshiba. RIAA-Sprecherin Alexandra Walsh erläuterte SDMI als eine industrieweite Initiative, um das Copyright im Internet zu sichern. Der neue Standard solle es Computernutzern erlauben, Musik zu kaufen und vom Netz herunterzuladen, wobei die Betonung auf dem Wort "verkaufen" liege. Anders als bei MP3 werde man keine kostenlosen Vervielfältigungen herstellen können. Mehrere Angestellte der RIAA surfen hauptberuflich durch das Web, immer auf der Suche nach urheberrechtlich geschützten Audiodateien.
Fraunhofer-Institut Im Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen befinden sich die Spezialisten der "Moving Picture Experts Group", die wesentliche Bestandteile des "MPEG 1 Layer 3" - so heißt das MP3-Format in voller Länge - ausgetüftelt haben. Den Leiter der Multimedia-Abteilung, Karlheinz Brandenburg, ärgert es, daß MP3 bisher in erster Linie als Werkzeug für Musikpiraten Karriere gemacht hat. Deshalb wollen er und seine Wissenschaftler jetzt gemeinsam mit der Phonoindustrie effektivere Sicherungsmechanismen entwickeln, die es erlauben, Musik legal in Form von MP3-Dateien zu verbreiten.
Liquid Audio und A2B Liquid Audio entwickelte ein digitales Wasserzeichen zum Schutz des Urheberrechts. Dieses Wasserzeichen zeichnet auf, wer den Titel von welcher Web-Site heruntergeladen hat. Außerdem kann von einer Liquid Audio-Datei nur eine Kopie angefertigt werden. Auch A2B von der amerikanischen Telefongesellschaft AT&T kann immer mehr Marktanteile für sich verbuchen. A2B enthält einen Krypto-Algorithmus, der sicherstellt, daß nur derjenige, der einen Song erworben hat, ihn abspielen kann. Mit Hilfe eines Lizenzsystems kann der Rechteinhaber festlegen, wie oft ein Song kopiert werden darf. Sowohl Liquid Audio als auch A2B gehören der von amerikanischen Plattenfirmen ins Leben gerufenen SDMI an. Sie sind wie MP3 Streaming-fähig, allerdings untereinander nicht kompatibel.
Phonographische Industrie Peter Zombik, Vorsitzender der Geschäftsführung des Bundesverbands der Phonographischen Industrie verkündete im Mai dieses Jahres auf dem Internationalen Medienforum Berlin-Brandenburg: "Wir haben einen Weg gefunden, den Zugang zu einzelnen Servern direkt sperren zu lassen". Der Prototyp des "Right Protection Systems", wurde den Vertretern aus verschiedenen Ministerien von der Wirtschafts- über die Technologie- bis zur Wirtschaftsverwaltung vorgestellt. Technische Details wurden jedoch nicht bekannt gegeben. Die Phonographische Industrie beschäftigt eine ganze Surfertruppe, um die MP3-Server zu lokalisieren. Am meisten zu schaffen macht diesem Verband ausländische MP3-Fanatiker. Beispielsweise gibt es einen russischen Server mit über 200.000 geklauten Titeln. Man wüsste zwar genau, wo der Rechner stehe, jedoch könne man ihn nicht dichtmachen, ohne sich mit der russischen Mafia anzulegen. Und in Deutschland sei die Abrufbarkeit der Files nicht zu unterbinden. Zombik fordert daher von den Politikern, die Internetprovider zur Verantwortung zu ziehen . Die momentan vorgesehenen Regelungen in der überarbeiteten Richtlinie zum Schutz des Copyrights seien in dieser Hinsicht "ausreichend", da sie den Zugangsprovidern flüchtige Kopien untersage. So werde klargestellt, dass die Zwischenspeicher, die viele Provider für einen schnelleren Abruf von Inhalten bereitstellen, bereits den Tatbestand einer illegalen Datenübertragung erfüllen können. Die Internet Society (ISOC) hat dagegen im März die EU-Kommission darauf hingewiesen, dass ein Verbot der Caches bei den Providern dem Internet das Rückrat brechen könnte.
MP3 und Radio Ursprünglich sollte MP3, das beim Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen entwicket wurde, die volldigitalen Radiostationen mit Formatfunk von der Festplatte revolutionieren. Der Medienmacher Johnny Häusler, Geschäftsführer der Defcom Webdressing, der beim Potsdamer Jugendsender Fritz unter anderem das Chaosradio moderiert, sieht MP3 als nichts anderes als einen teils nützlichen, teils den Musikansprüchen der normalen Fans nicht genügenden Standard an. Fritz stellt zum Beipsiel ganze Sendungen als ganz legalen MP3-Stream ins Netz. Damit will er den Hörern den Abruf on Demand ermöglichen und das Format gleichzeitig aus dem illegalen Dunstkreis holen. Die GEMA macht es kleinen Radiosendern jedoch nicht leicht, den Schritt zur legalen MP3-Verwendung zu realisieren. 5 Mark für 30 Sekunden MP3-Streaming will die Verwertungsgesellschaft momentan noch haben, die Lizensierung vollwertiger, auf andere digitale Geräte übertragbarer MP3-Files ist noch deutlich teurer.
Richard Stallman, Gründer der Free Software Foundation und dem GNU Betriebssystem ist der Ansicht, daß es eine feine Sache ist, Musik über MP3 zu verbreiten. Er hofft, daß die Leute viele MP3-Stücke verteilen - ob es nun legal ist oder nicht. Das große Problem mit MP3 liegt für ihn in der Tatsache, das die Technik patentiert ist. Deshalb könne man keine wirklich freie Software für MP3 machen. Diese Situation kann nach Stallmans Meinung noch 10 Jahre bestehen. Früher waren die Plattenfirmen seiner Meinung nach unersetzbar. Nur über sie konnten viele Leute Musikaufnahmen bekommen. Damals war es gut, daß es Plattenlabels gab. Nach Stallmans Ansicht ist das heute nicht mehr so. Für ihn sind die Plattenfirmen heute schlicht Hindernisse für die Musikverbreitung, und sie sind sogar schlecht für die Musiker. In den USA erhalten die meisten Bands, die Plattenverträge bekommen, kein Geld. Sie bekommen nur Publicity, weil die Plattenfirmen die Werbungskosten als eine Vorauszahlung an die Band betrachten. Und bis die Bands genügend Kopien verkaufen, um diese Publicitykosten zu einzuspielen, erhalten sie kein Geld. Die meisten machen nicht so viel Geld und erhalten deswegen nie einen Pfennig von ihrem Copyright. Stallman ist der Meinung, die Plattenfirmen würden uns unsere Freiheit im Namen der Musiker rauben, die sie ausbeuten und wir dürften diese Unterdrückung nicht länger hinnehmen, sondern müßten unsere Freiheit, Musik zu vertrieben, wieder beanspruchen. Wenn es möglich wäre, exakte Kopien von Stücken mit einer deutlichen Angabe des Namens der Band und ihrer Website zu vertreiben, würden die Bands mehr Publicity bekommen als jetzt durch die Plattenunternehmen. Den Bands ginge es besser als im jetzigen System, da sie CDs oder downloadbare Stücke über ihre eigene Site verkaufen könnten. Eigentlich würden alle davon profitieren - nur nicht die machtzentrierten Plattenfirmen.
MP3 schaft neue Online-Musik-Labels Michael Robertson, der Chef von MP3.com pflegt auf seiner Site einen regelrechten Propagandafeldzug für MP3 als Online-Audioformat der Zukunft: Er sieht die Verbraucher "im Würgegriff" von wenigen etablierten Labels, die den Markt unter sich aufgeteilt hätten. Robertson will auf eine neue Art helfen, unentdeckte Talente zu fördern und sie bei CD-Produktion und -Vertrieb unterstützen. Über sein neues Online-Label "Digital Automatic Music" (D.A.M.) verschafft er Musikern einen kostenlosen Internet-Auftritt bei MP3.com. Dort können sie Kostproben ihres Könnens als MP3-Files darbieten und CDs verkaufen. D.A.M. produziert, vermarktet und versendet die Silberscheiben und kassiert dafür die Hälfte der Einnahmen, die eine Band auf diese Weise erwirtschaftet. Im Gegensatz zu den althergebrachten Labels verlangt D.A.M. von den Gruppen aber keine Vermarktungsrechte, so daß die Musiker die Vereinbarung jederzeit problemlos kündigen können. Mit diesem Konzept will Robertson vor allem Künstler vermarkten, die nicht mit millionenschweren Marketing-Etats der Musikindustrie in die Charts gehoben werden. Inzwischen hat schon eine bekannte Größe des Pop-Geschäfts einen Platz auf den Seiten von MP3.com gebucht, nämlich die "Beastie Boys". Das großes Label Platinum Entertainment verbreitet ebenso MP3-Files über das Internet. Über MP3.com stehen Promotion-Stücke zum kostenlosen Download bereit. Platinum will so den Internet-Verkauf seiner CDs fördern. Steve Devick, Chef von Platinum Entertainment meint dazu: "Während andere Labels MP3 noch als kontroverses Format einschätzen, sehen wir es als sinnvolles Promotion-Medium". Das interessante daran ist, daß das Label selbst Mitglied der RIAA ist, also der Vereinigung der amerikanischen Musikunternehmen, die mit der "Secure Digital Music Initiative" (SDMI) das MP3-Format bekämpfen.
Download-Musik von "Goodnoise" Auch beim Online-Label "Goodnoise" können sich Fans ganze Alben oder auch nur einzelne Songs als MP3-Dateien auf den Rechner laden, sofern sie über eine Kreditkarte verfügen. Von der bucht "Goodnoise" den fälligen Betrag ab, nämlich 99 Cents pro Song oder 8,99 Dollar für das ganze Album. Das Label macht sich damit einen entscheidenden Vorteil des Online-Musikvertriebs zunutze: Wer nur bestimmte Musikstücke hören will, braucht nicht das ganze Album zu kaufen, die Kaufschwelle sinkt - von den Vertriebskosten ganz zu schweigen. MP3 Association Um die MP3-Verbreitung zu fördern, hat sich "Goodnoise" mit den Firmen Diamond Multimedia, Xing Technology, MP3.com und Musicmatch zur "MP3 Association" zusammengeschlossen. Die große Koalition hat sich auf die Fahnen geschrieben, MP3 als Standardformat für Download-Musik zu etablieren.
China und MP3 In China wird es eine erste, von einer Regierung offiziell anerkannte MP3-Website zum Herunterladen von Musikdateien geben. Das chinesische Kulturministerium plant in einem Joint Venture mit China Culture Information Net, dem Investmentunternehmen Hainan Dingshen und der amerikanischen Firma Houston InterWeb die Einrichtung einer kommerziellen Website, auf der chinesische Musiker ihre Musikdateien zum kostenlosen Herunterladen im MP3-Format anbieten können. Ziel der Website, die es zuerst auf Englisch und erst später auf Chinesisch geben wird, ist, die chinesische Musik zu fördern und neue Vertriebsformen zu schaffen. Begonnen hat man bereits damit, eine Datenbank mit klassischen Stücken und Volksliedern aufzubauen.
Digitales Kulturgut Das Internet läßt sich durchaus mit Radio oder Fernsehen vergleichen. Trotz Video- und Audio-Aufnahmen wurden wahrscheinlich nicht bedeutend weniger CDs und Schallplatten verkauft. In unserer Wissensgesellschaft, die von der Aufmerksamkeit der Menschen regiert wird, sind Veröffentlichungen Teil des Erfolgs. Im grunde ist es doch so: was man nicht kennt und worauf man nicht aufmerksam geworden ist, kauft man in aller Regel auch nicht. Außerdem will niemand alles selber herstellen, sondern auch fertige Produkte kaufen, wenn dies in einem angemessenen Verhältnis zu der verfügbaren Zeit und dem Einkommen steht. Es ist auch nicht so, daß man im Netz ständig über raubkopierte Top-Ten-Hits stolpert, sondern man muß sie oft mühsehlig ausfindig machen. Und Raubkopien hat es schließlich schon immer gegeben. Wirklich neu an MP3 ist, dass zum ersten Mal ein Vertriebsweg für Musik nicht direkt von der Industrie kontrolliert wird. So können Künstler neue Verkaufswege selbst schaffen, um ihre Musik zu eigenen Preisen zu verkaufen oder sogar zu verschenken. Innovative Musiktrends entstehen generell abseits der normalen Verwertungsketten. Die RIAA träumt jedoch immer noch von einem eigenen, in ihrem Sinne gesicherten Internetstandard, anstatt den bislang einzigen Standard MP3 aufzugreifen, während die Hardware-Firmen durchaus das Geschäft etwa in Form von MP3-Playern sehen. Die Befürworter des SMDI-Standards wollen von Hardware- und Software-Herstellern verlangen, daß sie in ihre Produkte eine Art Zeitbombe einbauen, die man dann auslösen kann, wenn der SDMI-Standard realisiert ist, um das Herunterladen und Abspielen von nicht mit diesem Standard kompatiblen Songs zu unterbinden. Welcher Hersteller sich weigert, diese Möglichkeit des Umschaltens einzubauen, dem würde kein Zugang zu den SDMI-Spezifikationen und auch zu der von den großen Konzernen produzierten Musik gewährt werden. In den USA und einigen anderen Ländern gibt es keine freie Software für MP3, denn 1998 wurde amerikanischen Entwicklern, die freie MP3-Programme geschrieben hatten, mit einer Patentklage gedroht, so daß sie gezwungen waren, diese Programme zurückzuziehen. Einige von ihnen sind nun in Europa verfügbar. Ein Softwarepatent-System nach amerikanischem Vorbild soll auch in Europa eingeführt werden. Nimmt das Europäische Patentamt die geplanten Änderungen vor, könnte es damit auch hier vorbei sein, denn diejenigen Staaten, die hinter dem Europäischen Patentamt stehen, bereiten die Zulassung der Patentierung mathematischer Berechnungsverfahren vor, angespornt von großen Unternehmen und ermutigt von Patentanwälten. Die im Musikbereich sehr hohe Marktkonzentration (4 Plattenfirmen haben bereits jetzt zusammen einen Weltmarktanteil von rund 80%) steht im Widerspruch zum Interesse an Marktvielfalt wie auch die Erfahrungen mit der Dezentralisierung und Freigabe von Kreativität der zunehmenden Marktkonzentration der Musikindustrie im Wege ist. Angesichts der sich hier abzeichnenden Tragweite dieses Konfliktes wird die dringende Notwendigkeit ausgleichender politischer Rahmenbedingungen offenbar. Es muß eine Balance geschaffen werden für die verschiedenen Interessen. Das Schutzbedürfnis der Rechteinhaber und das öffentliche Interesse an freiem Zugang zur Kultur sind abzuwägen.
Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Mercedes Bunz, erschienen am 21.04.2000 bei Telepolis: "MP3 ist weit mehr als einfach ein Komprimierungsverfahren für Klang. Es lässt sich als Beispiel dafür gebrauchen, wie mit digitalem Kulturgut in der Zukunft der Netze umgegangen wird. Denn sicher ist: Schon bald werden, bei wachsender Bandbreite und noch besseren Komprimierungsverfahren, alle digitalisierbaren kulturellen Formate durch Netze jagen. Die Vernetzung der Kultur, die Vernetzung aller digitalisierbaren Information findet deshalb im Rahmen der Entscheidungen um MP3 und Musik im Netz ihren Anfang." |