Technologien des UnbewusstenTechnologien des Unbewussten
Folgende Textstellen stehen anhand der Textsammlung "Kursbuch Medienkultur - Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard" zur Diskussion:
Sigmund Freud – Der Wunderblock
Biographie:
Sigismund Schlomo Freud, bekannt als Sigmund Freud (* 6. Mai 1856 in Freiberg (Mähren); † 23. September 1939 in London) war ein Neurologe aus Österreich, der die Hypnose und deren Wirkung erforschte, um psychisch kranken Personen zu helfen. Später wandte er sich von dieser Technik ab und entwickelte die psychoanalytische Kur, die auf freien Assoziationen und der Traumdeutung beruhte. Er war der Begründer der Psychoanalyse.
Freud suchte zu erklären, wie das Unbewusste funktioniert, indem er ihm eine bestimmte Struktur zugrunde legte. Seinem Vorschlag zufolge ist das Unbewusste Teil einer dreigliedrigen Struktur, an der das Es, das Ich und das Über-Ich beteiligt sind. Er entwickelte die Theorie, dass ca. 80-90 % der menschlichen Entscheidungen unbewusst motiviert sind und nur ein geringer Teil „sichtbar“ ist. Diese Feststellung gleicht in etwa den Größenordnungen, in denen ein Eisberg sichtbar bzw. unsichtbar (unter der Oberfläche) für den Betrachter liegt.
Jean-Louis Baudry – Das Dispositiv
Wahrnehmung – Bewusstsein / Kommunikation / Realitätseindruck
Michel FOUCAULT definiert in seinen Texten den Begriff des Dispositiv folgendermaßen:
„Was ich unter diesem Titel [dem Titel „Dispositiv“, J.G.] festzumachen versuche ist erstens ein entschieden heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen, architekturale Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen, philosophische, moralische oder philanthropische Lehrsätze, kurz: Gesagtes ebenso wohl wie Ungesagtes umfasst. Soweit die Elemente des Dispositivs. Das Dispositiv selbst ist das Netz, das zwischen diesen Elementen geknüpft werden kann.“ (DM, S.119f.)
Zusammenfassend kann man nun zum Dispositiv-Begriff bei Foucault folgendes festhalten:
Mit dem Dispositiv wird ein Netz aus mehreren Aspekten verdeutlicht, die zur Konstitution von Wirklichkeit bzw. von Wahrheiten beitragen. Im Allgemeinen sind dies Wissen, Handeln und die daraus resultierenden Gegenstände bzw. Vergegenständlichungen. Im Besonderen sind dies Diskurse, Lehrmeinungen, Institutionen, Normen usw. Das Dispositiv ist der Zusammenhang zwischen diesen Elementen. Deshalb sollte an dieser Stelle auch einmal angemerkt werden, dass für das Verständnis des Dispositivs auch Begriffe wie Struktur und Anordnung eine wichtige Rolle spielen.
Der Einfluss, den die einzelnen Elemente untereinander ausüben, wird durch den Aspekt der Macht erklärt.
Baudry - Mediendispositive
Die Anwendung des Dispositiv-Ansatzes im Medienbereich erfolgte über die französische Filmtheorie und zwar insbesondere durch die Arbeiten von Jean-Louis Baudry und Jean-Louis Comolli. Für den Medienbereich war der Ansatz interessant, weil man dadurch verdeutlichen konnte, wie die Wahrnehmung durch Medien strukturiert und gelenkt werde.
Baudry verdeutlicht dies am Aufbau einer Kinosituation. Die Filmvorführung bedarf bestimmter technischer Voraussetzungen: ein dunkler Vorführungsraum, Projektionstechnik, eine Leinwand. Der Zuschauer hat seinen Platz vor dem Projektionsapparat; er befindet sich also mit dem Rücken zum Projektionsapparat gewandt mit Sicht auf die Leinwand bzw. das projizierte Bild genau zwischen diesen beiden Elementen. Dies alles zwingt ihn zu einer bestimmten Rezeptionsweise. Darüber hinaus werden auch die Filmräume nach bestimmten Regeln der Wahrnehmung gestaltet. Der Zusammenhang, der sich nun zwischen diesen Aspekten (Technik, Rezeption und Wahrnehmungsverhalten) ergibt, lässt sich mit dem Dispositiv-Modell darstellen. Dies macht den Ansatz Foucaults für den Bereich der Medientheorie bedeutsam.
Hickethier erklärt die Nützlichkeit des Konzeptes wie folgt:
„Das Produktive des Dispositiv-Begriffs liegt darin. Dass er bislang getrennt betrachtete Aspekte wie Kinotechnik, kulturelle Traditionen der Wahrnehmung und psychische Verarbeitungsprozesse, fotografische Abbildungsverfahren, gesellschaftliche Konventionen und psychische Verarbeitungsformen in einen Zusammenhang sieht.“ (Hickethier, Film- und Fernsehanalyse S.19 [2001])
Platons - Höhlengleichnis
Das Höhlengleichnis ist das berühmteste Gleichnis Platons und eines der beliebtesten Lesestücke im Philosophieunterricht. Es steht am Beginn des siebten Buches der Politeia, die um 380 v. Chr. entstanden ist. Platons Lehrer und "Held" Sokrates entwickelt darin gegenüber dem Dialogpartner Glaukon das folgende Szenario:
"Einige Menschen sind von Geburt an in einer Höhle so festgebunden, dass sie dem Licht ständig den Rücken zukehren und immer nur auf eine schwach angeleuchtete Höhlenwand blicken können. Alles, was sich hinter ihnen abspielt, wirft einen Schatten an die Wand. Da sie nichts anderes wahrnehmen, halten die Menschen diese Schattenbilder für die wirklichen Dinge. Dies bleibt auch so, als einer von ihnen, der sich losbinden konnte, von draußen in die Höhle zurückkehrt und den anderen über die wahren Verhältnisse Aufschluss zu geben versucht."
Als Ganzes stellt das Höhlengleichnis eine anschauliche und dramatische Zusammenfassung von Platons Ideenlehre dar. Nach dieser hat jedes sinnliche Ding ein immaterielles, ideelles Urbild, dessen bloßes Abbild es ist.
Die Schattenbilder des Höhlengleichnisses sind nicht die Sinneswahrnehmungen, sondern die durch Wort und Schrift übernommenen Meinungen irgendwelcher Autoritäten, die den Blick schon auf die Sinneswirklichkeit verstellen.
Mit diesem Gleichnis will Platon seine objektiv-idealistischen Grundgedanken verdeutlichen, dass die raum-zeitliche Welt, in der die Menschen tätig sind, nur ein unvollkommenes Abbild, ein Schatten der wahren, wirklichen Welt der Ideen sei.
- Die Fesselung des Gefangenen entspricht einer tatsächlichen Realität in der Entwicklung des Individuums (z.B. Unbeweglichkeit des Neugeborenen), und Platon zieht daraus den Schluss, dass sie eine Auswirkung im zukünftigen Verhalten haben könnte und dass sie eine der Determinanten für den Widerstand der Gefangenen sei, sich aus der Illusion zu entfernen, in der sie sich befinden. (S. 386, unten)
- Der Traum ist eine „halluzinatorische Wunschpsychose“ – d.h. ein Zustand, in welchem die mentalen Vorstellungen für Realitätswahrnehmungen gehalten werden. Diese halluzinatorische Befriedigungsform dieselbe, die wir am Anfang unseres Seelenlebens antreffen, wenn Wahrnehmung und Vorstellung noch nicht unterschieden werden können und zwischen den verschiedenen Systemen noch Verwirrung herrscht, d.h. wenn das System Wahrnehmung - Bewusstsein noch nicht differenziert ist. Wenn das Objekt des Wunsches fehlt, kann es zu dieser Zeit halluziniert werden. Und gerade das wiederholte Scheitern dieser Form der Befriedigung hat die Differenzierung von Wahrnehmung und Vorstellung durch die Einrichtung der Realitätsprüfung zur Folge. Die Realitätsprüfung ist von der Modalität abhängig. Der Traum erscheint wegen der Unmöglichkeit des Subjekts, die Realitätsprüfung anzuwenden, mit dem Zeichen der Wahrnehmung versehen und erscheinen als Realität. (S. 395 oben)
- Ohne dass es sich fortwährend bewusst ist, wird das Subjekt dazu veranlasst, Maschinen zu produzieren, die nicht nur die Funktionen des Sekundärprozesses (Wunsch einen Zustand zu erlangen, in dem sich das Wahrgenommene nicht von den Vorstellungen zu unterscheiden ist.) vervollständigen oder ergänzen, sondern auch in der Lage sind, ihm seine Funktionen im Ganzen darzustellen, und zwar durch nachahmende Apparate, die jenen Apparat simulieren, der er selber ist. Die Gegenwart des Unbewussten wird somit auch in dem Zwang spürbar, den es durch sein bestreben ausübt, sich von einem Subjekt vorstellen zu lassen, welches fortwährend ignoriert, dass es sich selbst die eigene Szene des Unbewussten vorspielt, wo es sich aufhält. (S. 403, unten)
Jacques Lacan – Psychoanalyse & Kybernetik
Biographie:
Jacques Lacan (* 13. April 1901 in Paris, † 9. September 1981 in Paris) war ein französischer Psychoanalytiker, der die Schriften Sigmund Freuds neu interpretierte und radikalisierte. Dies beinhaltete das Ziel "Freud gegen Freud" zu lesen, also ihn dort weiter zu entwickeln, wo er hinter seinen eigenen Annahmen zurückblieb.
Eine seiner wichtigen Thesen ist, dass das Unbewusste eine symbolische Struktur hat - die der Sprache, allgemein kreisen seine Theorien um den Versuch das Abwesende im Anwesenden mitzudenken und dialektisch zu denken. Er baut damit auf den Arbeiten des strukturalen Linguisten Ferdinand de Saussure auf.
- Man weiß wohl, dass sie nicht denkt, diese Maschine. Wir sind’s, die sie gebaut haben, und sie denkt, was man ihr gesagt hat, dass sie denken soll. Aber wenn die Maschine nicht denkt, dann ist klar, dass wir selbst auch nicht denken in dem Moment, in dem wir eine Operation ausführen. Wir folgen exakt den selben Mechanismen wie die Maschine. (S. 415 Ab. 4)
- …in dieser Perspektive existiert die Syntax vor der Semantik. Die Kybernetik ist eine Wissenschaft der Syntax, und sie ist dazu da, um uns Gewahr werden zu lassen, das die exakten Wissenschaften nichts anderes tun, als das Reale an eine Syntax zu binden. (S. 417, oben)
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