Mind Mapping
 

Kerstin Maier
maierke@hbi-stuttgart.de

       
    1. Tony Buzan
    Tony Buzan ist der Erfinder und Urheber des Mind Mapping. Er studierte Psychologie, Anglistik, Mathematik und Allgemeine Naturwissenschaften an der University of British Columbia. 
    Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und fungierte als Berater für Ministerien und multinationale Konzerne (z.B. BP, IBM und Hewlett-Packard) und lehrt in führenden internationalen Unternehmen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen. Er ist außerdem Präsident der Stiftung Brain 
    Foundation.
    2. Entstehung der Technik 

    Während seines Studiums stellte Tony Buzan fest, daß es kaum Bücher zu Themen wie zum Beispiel der effektivsten Nutzung des Gehirns gab. Er begann sich mit grundlegenden Fragen zu dieser Thematik zu beschäftigen, wie zum Beispiel: 
     

    • Wie lernt man das Lernen?
    • Was ist das Wesen des Denkens?
    • Was sind die besten Memorierungstechniken?
    • Worin bestehen die besten Techniken für kreatives Denken?
    • Besteht die Möglichkeit zur Entwicklung neuer Denktechniken oder einer allumfassenden Technik?
    Dabei beschäftigte er sich mit verschiedenen Gebieten, wie Psychologie, Neurophysiologie des Gehirns, Neurolinguistik, Informationsverarbeitung, Gedächtnis, Mnemotechniken, Wahrnehmung und kreativem Denken. 

    Er erkannte, daß die verschiedenen physischen Aspekte und intellektuellen Fähigkeiten des Gehirns harmonisch zusammenarbeiten müssen, damit das Gehirn besser und effizienter arbeitet. 

    Die Forschung hat gezeigt, daß das menschliche Gehirn sich während des gesamten Lernprozesses hauptsächlich an folgendes erinnert: 
     

    • Dinge vom Anfang des Lernabschnitts (Primacy-Effekt)
    • Dinge vom Ende des Lernabschnitts (Recency-Effekt)
    • Dinge, die mit bereits gespeicherten Daten oder Mustern assoziiert oder mit andeen Aspekten dessen, was gelernt wird, verknüpft werden
    • Dinge, die als irgendwie herausragend oder einzigartig betont werden
    • Dinge, die besonders stark einen der fünf Sinne ansprechen
    • Dinge, die für die betreffende Person von besonderem Interesse sind
     

    Dieses Wissen veranlaßte Buzan zur Entwicklung des Mind Mapping. 
    Er erkannte, daß es bei linearen Notizen an den zwei Hauptfaktoren des Erinnerns: "Betonung" und "Assoziation" mangelt. Während er sich fragte, wie  
    er es fertig bringen könnte in Notizen Assoziation und Betonung zu vermitteln, gelangte er Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre zu einer frühen Form der Mind Maps. 

    Zusammenhang zwischen MindMaps und der Arbeitsweise des Gehirns  
    Während des Denkvorgangs, während ein Botschaft, ein Gedanke oder eine Erinnerung von Gehirnzelle zu Gehirnzelle weitergeleitet wird, wird ein biochemischer elektromagnetischer Pfad errichtet. Diese neuronalen Bahnen sind als "Erinnerungsspuren" oder "geistige Landkarten" bekannt.  
    Jedesmal, wenn man einen Gedanken denkt, wird der biochemische/elektromagnetische Widerstand entlang des Pfades verringert, desto öfter man also bestimmte Gedankenmuster wiederholt, desto weniger Widerstand begegnet man.  
    Je mehr Pfade und Wege geschafft und benutzt werden, um so klarer, schneller und leistungsfähiger wird das Denken.  
    Das MindMap stellt nach Buzan einen äußeren Spiegel des eigenen Radialen Denkens dar und sind somit graphische Repräsentationen der geisten Landkarten des Gehirns.  

    1971 beschloß Buzan seine Forschungsarbeiten in einer Reihe von Büchern zu veröffentlichen. Er entwickelte das Konzept des Radialen (strahlenden) Denkens (radiant thinking) und des MindMapping. Die MM Technik wurde erstmals 1974 durch den Vorläufer des Mind-Map-Buchs (mit dem Titel "Kopftraining) vorgestellt.  

    3. Grundregeln für MindMaps  
     

    • Das Papier wird im Querformat genutzt. Es sollte mindestens ein Größe von DIN A3 haben. In der Mitte der Seite sollte wenn möglich ein einprägsames Bild oder eine kleine Skizze gezeichnet werden, die das Thema der Mind Map darstellt. 
    • Von dem zentralen Bild ausgehend wird für jeden tiefergehenden Gedanken bzw. Unterpunkt eine Linie gezeichnet. 
    • Auf diese Linien werden die einzelnen Schlüsselworte zu den Unterpunkten geschrieben. Er sollten dafür immer Großbuchstaben verwendet werden. 
    • Von den eingezeichneten Linien können wiederum Linien ausgehen. Auf Ihnen werden die Hauptgedanken weiter untergliedert. Von diesen Linien können wieder weitere Linien ausgehen, usw... 
    • Es sollten unterschiedliche Farben verwenden werden. Man kann so die Übersichtlichkeit erhöhen und zusammengehörende Gedanken durch gleiche Farben kennzeichnen. 
    • Symbole, wie Pfeile, Figuren, Bilder, Ausrufe- oder Fragezeichen sollten so oft wie möglich verwendet werden. 
     
    4. Vorteile der MindMap Technik   
    • Das Hauptthema beziehungsweise die Grundidee wird zentral angeordnet und kann somit schnell erfaßt werden. Ein kurzer Blick auf eine Mind Map genügt, um festzustellen worum es geht. Die graphische Darstellung unterstützt beim Denken.  
     
    • Durch die Verästelungen wird eine Hierachisierung und Strukturierung der Gedanken und Ideen  vorgenommen.  
     
    • Eine Mind Map offenbart Lücken. Aufgrund der graphischen Darstellung ist sehr leicht ersichtlich, welche Gedanken bereits gut bzw. welche bisher wenig entwickelt sind (wie eine Leere Zelle in einer Tabelle)  
     
    • Durch die Verwendung von wenigen Schlüsselwörtern kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren; gleichzeitig werden Zeit (zum Erstellen u. Lesen) und Raum (auf dem Papier) gespart  
     
    • Die Mind Map eignet sich hervorragend zur Wiederholung eines Stoffes, da die Grundgedanken sind bereits verstanden sind. Zur Rekonstruktion und Erinnerung reichen Schlüsselwörter aus, die Assoziationen hervorrufen.  
     
    • Eine Mind Map spart Platz, es reicht meistens eine Seite Papier (DIN A4, besser: DIN A3) aus. Information wird also lokal zusammengefaßt, wodurch der Inhalt leichter und schneller aufgenommen werden kann. Es kann sich schnell ein Überblick verschafft werden.  
     
    • Die Mind Map ist stets für Erweiterungen offen, es können jederzeit problemlos weitere Verästelungen hinzugefügt werden.  
     
    • Jede Mind Map sieht anders aus, dadurch kann man sich an den Inhalt gut erinnern.  

    5. Nachteile der Mind Map Technik  
     

    • An die Mind Map Technik muß man sich zuerst gewöhnen. Es besteht eine geringe Akzeptanz bei Personen die mit der Form der Aufzeichung nicht vertraut sind. 
     
    • Mind Maps wirken auf den ersten Blick unübersichtlich und verwirrend. 
     
    • Mind Maps, die man nicht selbst erstellt hat, sind kaum nachzuvollziehen, da man die verwendeten Schlüsselwörter nicht richtig assoziieren kann.
     
    6. Anwendungsgebiete der Mind Maps  

    6.1 Entscheidungsfindung  

    Mind Maps sind gut dafür geeignet Entscheidungen zu treffen, denn sie erlauben es dem Gehirn unverzüglich eine ganze Reihe von Informationen aufzunehmen, sie konzentrieren sich auf alle für die Entscheidung wichtigen Punkte.  
    Oftmals führt das Erstellen einer Mind Map schon zur Entscheidung oder die Entscheidung wird  
    Zumindest dadurch ausgelöst.  
    Mind Maps bringen eine größere Anzahl entscheidungsrelevanter Argumente als jede Listenmethode hervor und gewährleisten so eine treffende Entscheidung.  

    6.2 Eigene Ideen ordnen  

    Mind Maps eignen sich gut zum Ordnen von Ideen, da sie es ermöglichen, komplexe Daten in einer vollständigen Form auf einer einzigen Seite zu sammeln, außerdem werfen sie Schlaglichter auf die wichtigsten Fragen.  

    6.3 Die Ideen anderer ordnen/Aufzeichnungen  

    Durch die zahlreichen Assoziationen beim Erstellen von Mind Maps, macht man sich automatisch eigene Gedanken zum Thema der Aufzeichnungen.  

    Lernziele können schneller erreicht werden und die Klarheit des analytischen Denkens nimmt zu.  

    Die Aufzeichnungen in Form einer Mind Map können mühelos zu Aufsätzen, Reden, öffentlichen Darstellungen und anderen kreativen Formen umgestaltet werden.  

    Aufzeichnungen mit Mind Maps machen mehr Spaß, das Vergnügen am Lernen steigt.  

    Die Mind Maps stellen auch einen ständigen und leicht zugänglichen Bericht aller bedeutsamen Lernerfahrungen dar.  

    6.4 Mind Maps als Gedächtnishilfe  

    Mind Maps nutzen alle kortikalen Fähigkeiten und vergrößern somit drastisch die Wahrscheinlichkeit, sich an etwas zu erinnern, denn sie aktivieren das Gehirn auf allen Ebenen.  

    Sie sind im Grunde als Gedächtnishilfe angelegt.  

    6.5 Kreatives Denken  

    Mind Maps fördern in starker Weise das kreative Denken, weil sie alle mit Kreativität verbundenen Fähigkeiten (wie Vorstellungskraft, Ideenassoziation, Flexibilität) nutzen.  

    Durch sie werden sehr viele Elemente auf einmal betrachtet und so erhöhen sie die Wahrscheinlichkeit der kreativen Assoziationen.  

    Sie befähigen das Gehirn, neuen Ideen nachzuspüren, die normalerweise an den Randzonen des Denkens verborgen liegen.  

    6.6 Gruppen Mind Maps  

    Zitat zu Gruppen Mind Maps von Michael Bloch vom Sperry Laboratory in seinem Thesenpapier "Improving Mental Performance":  

    "In unsrem Alltagsleben häufen wir unglaubliche und ganz individuelle Erfahrungen an.   
    Wegen dieser Einzigartigkeit verfügt jeder einzelne über ein ganz indivuelles Wissen und einen ganz individuellen Blickwinkel. Daher ist die Zusammenarbeit mit anderen bei der Lösung von Problemen so segensreich. Indem wir unser Mind-Map-Wissen mit dem anderer Menschen kombinieren, fördern wir sowohl unsere Assoziationen wie auch die anderer Menschen"  

    Hauptanwendungsmöglichkeiten für das Gruppen Mind Mapping  
    - Vereinte Kreativiät  
    - Vereintes Erinnerungsvermögen  
    - Problemlösungen und Analyse in der Gruppe  
    - Entscheidungsfindung in der Gruppe  
    - Projektmanagement in der Gruppe  
    - Gruppenaus- und Weiterbildung  

    Vorteile  

    Während des Gruppen Mind Map Prozesses liegt auf dem einzelnen Mitglied  
    und der ganzen Gruppe die gleiche und beständige Betonung.  

    Gruppen Mind Mapping läßt automatisch einen Konsens entstehen, schafft somit Teamgeist und konzentriert den Geist aller auf die Gruppenziele  

    Jede Idee jedes Mitglieds wird akzeptiert.  

    Gruppen Mind Mapping fungiert als Anhaltspunkt für das Gruppengedächtnis.  
     
    7. Mind Manager  

© Kerstin Maier