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Sebastian Spaleck
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Einleitung Inhalt des Referats ist die kritische Auseinandersetzung mit der Theorie der Wissensschaffung bzw. des Wissenmanagements in Unternehmen von Nonaka und Takeuchi. Deren Theorie der "Wissensspirale" wird von Jos Schreinemakers und Juup Essers in deren Artikel Nonaka's Subjectivist Conception of Knowledge in Corporate Knowledge Management kritisiert. Die Ausarbeitung der Kritikpunkte Schreyögg's hatte den Artikel Wissensmanagement in Theorie und Praxis von Prof. Rafael Capurro als Grundlage. Nonaka's und Takeuchi's Konzept der Wissensschaffung Für Nonaka und Takeuchi stellt das Konzept der Wissensschaffung in Unterhehmen (organizational knowledge creation) einen Lösungsansatz für das Handhaben der technologischen und organisatorischen Innovationen eines Unternehmens dar. Für Nonaka ist Innovation der zentraler Punkt der Wissensspirale. Seine Theorie zielt auf die Wissensmehrung und Weitergabe im Unternehmens ab und er stellt den Drang zu Innovation als überlebenswichtig für die Unternehmen dar, vorallem in der heutigen Situation, in der die technologische Entwicklung immer schneller voranschreitet. Die Unterscheidung von explizitem und implicitem Wissen (explicit and tacit knowledge) dient Nonaka als Grundlage seines Spiralmodells der Wissensmehrung. Die Einzelheiten der Theorien von Nonaka und Takeuchi hat Susan auf ihrer Homepage dargestellt: http://homepages.hbi-stuttgart.de/~bierbrauer/wm/nonaka.htm Abgrenzung des Begriffs Wissensmanagement In ihrem Artikel The Conceptions of Knowledge and Information in Knowledge Management versuchen Essers und Schreinemakers zunächst eine Abgrenzung des Begriffs Wissen(smanagement) vor allem zu Information(smanagement) in folgender Form: In diesem Zusammenhang verweisen sie auf Nonaka und dessen Definition, der Wissen als "justified true belief" definiert und auf Grund folgender Überzeugung begründet liegt: "[Nonaka] states that knowledge is created by the flow of information 'anchored on the commitment and beliefs of its holder'" (Schreinemakers/Essers(1996): S. 96)Dies ist zweifellos eine subjektive Definition von Wissen, da sie auf eine bestimmte Person bezogen ist. Er lässt dabei traditionell anerkannte wissenschaftliche "Bewertungskriterien" für Wissen außer Acht (dazu später mehr). Nach Nonakas Definition kann für eine Person Wissen sein, was für eine andere als Information ist und umgekehrt. Nonaka's Subjektiver Ansatz (Schreinemakers/Essers) Die beiden Autoren des Artikels Nonaka's Subjectivist Conception of Knowledge in Corporate Knowledge Management sind beide Professoren an der Rotterdam School of Management der Universität Rotterdam (NL). Schreinemakers und Essers analysieren zunächst die Theorie Nonakas und Unterscheiden darin zwei Richtungen. Zum einen stellen sie den Unterschied zwischen explicit knowledge und tacit knowledge heraus, zum anderen machen sie eine sogenannte "ontologische Dimmension" aus: "Firstly Nonaka defines an epistemological dimension of CKM [corporate knowledge management] in which he adopts the distinction [...] between explicit and tacit knowledge as the two basic forms in which knowledge can be operative in an organization. Next to this an 'ontological dimension' is proposed, in which Nonaka subsequently tries to capture the communicative interaction requirements between individuals and groups of people, which are needed to develop new knowledge and generate new ideas" (Schreinemakers/Essers: S. 27/I)Das in expliziter und impliziter Form vorhande Wissen wird also mit Hilfe der "ontologischen Dimmension" vermittelt, umgewandelt und kommuniziert. Neues Wissen hat demnach seinen Ursprung immer im impliziten Wissen von Personen und wird durch Artikulation und Kommunikation explizit. Ständiger Erfahrungsaustausch und Kommunikation (constant dialogue and communicative interaction) sind eine Voraussetzung dafür. Kritik durch Schreinemakers und Essers Schreinemakers und Essers bezweifeln, dass sich das theoretische Modell Nonakas als Standardkonzept in der Realität umsetzen lässt. Sie stellen die Frage, was geschieht, wenn nur einige wenige Teammitglieder so sehr von ihren eigenen Ansichten überzeugt sind, als dass sie bereit sind, diese kreativ in die Weiterentwicklung von Produkten oder Konzepten einzubringen. Für Schreinemakers stellt seine Annahme ein in der Realität durchaus verbreitetes Problem dar. "What will happen in these 'self-organizing teams' if and when some members are committed more to some of their own (tacit) convictions than to finding consensus on new product or organizational concepts?" (Schreinemakers/Essers: S. 28/II)Ihren zweiten Kritikpunkt sehen Essers und Schreinemakers in der "Richtigkeit des Wissens" (knowledge justification). Damit meinen sie zum Beispiel die Anwendbarkeit, die Erklärbarkeit oder die logische Vereinbarkeit mit anderen Theorien oder Umständen. Sie verweisen dabei auf in der Wissenschaft anerkannte Kriterien zu Bewertung von Wissen und fragen ob Nonaka diese für die Anwendung im Bereich des Wissensmanagements in der Wirtschaft (CKM) außer Acht gelassen hat oder ob er diese für diesen Bereich gar nicht als relevant ansieht. Wörtlich schreiben sie: "...in the context of knowledge justification it is surprising that no mention at all is made by Nonaka of any of their usual criteria adopted in science to establish the truth or validity of knowledge claims (like consistency, scope, explanatory power, empirical testability, etc.). [...] are we to believe that these criteria do not matter as much to corporate knowledge creation as they do in scientific knowledge production? How then do these scientific criteria relate to the ones Nonaka has mentioned? Can they be overruled by criteria like profitability or return on investment?" (Schreinemakers/Essers: S. 28/II)Unvergleichbarkeit von Konzepten (incommensurability) Schreinemakers' und Essers' erster Kritikpunkt bezieht sich hauptsächlich auf die Bewertung von Wissen und auf die Probleme bei der Kommunikation von Wissen. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf Kuhn's Konzept der Unvergleichbarkeit von verschiedenen Paradigma (incommensurability of different paradigms by their very nature). Nach Kuhn beinhaltet dieser Begriff drei Dimensionen:
Die Dimension der Wahrnehmung beinhaltet den Standpunkt der Betrachtung, also die Perspektive der Wahrnehmenden auf das Objekt. Nach Kuhn können Gesprächsparter, obwohl sie die gleiche Sprache benutzen scheinbar sprechen, als ob sie in unterschiedlichen Sprachen sprechen. Dimension der Grundsätze bedeutet das Vorhandensein, bzw. in diesem Fall das Nichtvorhandensein, von anerkannten Standards oder Kriterien zur Bewertung der Objekte oder Schverhalte. "In this axiological context Kuhn specifically mentions the inadequacy of a criterion like 'empirical testability' to decide which of two rivaling paradigms is to be preferred (Kuhn, 1974, 260f). According to Kuhn there 'are' no neutral or 'objective' facts or paradigm-independent observations on which such a decision could be founded [...]. More generally, while there may be wide agreement in science on the relevance and legitimacy of scientific standards like testability, precision, scope, elegance and the like, there are bound to be differences between paradigms in the way these standards are applied in concrete cases or a set in a ranking order of importance. Therefore Kuhn (1974, p.262) insists that in this sense scientific assessment standards inevitably function as values and that each paradigm tends to define its own self-serving set of such standards" (Schreinemakers/Essers: S. 29/II)Schreinemakers und Essers begründen ihre Theorie und damit die Kritik an Nonaka damit, dass es zu bewerten gilt, wann eine neue Theorie wirklich die bessere ist. Für sie ist es die Methode zu wissen welches Modell das Bessere ist ebenso von Bedeutung wie die Wissensschaffung an sich. "There will be good reasons to adopt a new conceptual scheme, but there will also be good reason to stick to what you know" (Schreinemakers/Essers: S. 30/I)Außerdem werfen sie Nonaka vor, er würde bei seinem auf Komminikation ausgerichtetem Modell die Möglichkeit eines Zusammenbrechens der Kommunikation außer Acht lassen. Dieses kann sowohl technisch (Leitungen, Netzwerke) als auch sozial (zwischenmenschliche Konflikte) bedingt sein. Diese von Schreinemakers und Essers aufgezeigten Probleme stellen für die praktische Umsetzung des Modells von Nonaka erhebliche Hürden dar. Richtigkeit des Wissens (knowledge justification) Schreinemakers und Essers verweisen in diesem Zusammenhang (besonders in Bezug auf Standards) auf ihre zuvor geäusserte Kritik. Sie unterstellenen Nonaka, dass er die nicht erwähnten wissenschaftlich anerkannten Kriterien als gegeben vorausgesetzt hat, sich in seiner Theorie also nicht um z.B. die Bewertung von Wissen kümmert. In diesem Fall verweisst Schreinemakers erneut auf Kuhn und dessen Aussage, dass es durchaus gute Gründe geben kann um das eine oder andere Paradigma einem anderen zu bevorzugen, dieses jedoch in keinem Fall als Bewertungsmaßstab zu verwenden sein kann. Schreinemakers wirft außerdem die Frage auf, wie Meinungsverschiedenheiten zwischen verschiedenen Paradigma gelöst werden sollen. Wer entscheidet, wenn zum beispiel zwei in ein Projekt verwickelte Abteilung verschiedene Prioriäten setzen? Dies stellt eine zentrales Problem bei der Entscheidung dar. Zwischenmenschliche Unstimmigkeiten scheinen , so Schreinemakers, bei Nonaka nicht berücksichtigt worden zu sein. Bei Nonaka scheint die Lösung dieses Problems in der organisatorischen Struktur des Unternehmens zu liegen. Die Einflussnahme der Geschäftsführung kann sich allerdings auch negativ auf die zu erreichenden Ziele (Entwicklung neuer Produkte) auswirken. Zusammenfassung des Standpunktes von Schreinemakers und Essers Grundsätzlich sehen die Autoren den Ansatz von Nonaka als einen Schritt in die richtige Richtung, allerdings bewerten sie die Theorien Nonakas als zu subjektiv. Kritik durch Schreyögg und Capurros Kritik an Schreyögg Georg Schreyögg's Kritik zielt im Gegensatz zur oben beschriebenen mehr auf theoretische Gesichtspunkte ab. Schreyögg lehrt derzeit am Institut für Management an der FU Berlin. Schreyögg führt zunächst an, dass Wissen in Unternehmen immer auf Grundlage von im Unternehmen bereits vorhandenem Wissen entsteht. Schreyögg fasst Nonakas Theorie der Einteilung in explizites Wissen und implizites Wissen auf. In Bezug auf die Wissensumwandlung mit Hilfe des Spiralmodells unterscheidet Schreyögg verschiedene Lerntypen Nonakas Konzept der Wissensschaffung kann auf diese Theorie übertragen werden. So kann die Externalisierung (Umwandlung von implizit zu explizit) Lernen II und Lernen III zugeordnet werden. Sozialisierung (implizit zu implizit) und Internalisierung (explizit zu implizit) finden im Bereich von Lernen I statt. Schreyögg kritisiert am Spiralmodell, dass es das Individum selbst als Ursprung ansieht und nicht die allgemeine Wissensbasis des Unternehmens. Capurro reletiviert in seinem Aufsatz diese Kritik Schreyöggs und betont, dass man bei Betrachtung des Spiralmodells zwar zu dieser Schlussfolgerung gelangen könnte, jedoch aber alle 4 Stadien der Wissensumwandlung als Startpunkt gewählt werden können. So hat das Individuum sein Wissen beispielsweise über den Sozialisierungsprozess erworben. Dieses Wissen gründet sich aber wiederum auf zuvor explizit gemachtes und/oder kombiniertes Wissen u.s.w. Einen weiteren Kritikpunkt sieht Schreyögg in der Behauptung, dass bei der Wissensschaffung der Weg durch alle 4 Stadien gegangen werden muss. Für Schreyögg trifft dies so nur auf sein "Lernen I" zu. Capurro bestätigt Schreyögg insofern, dass dies nicht nur nicht sinnvoll sondern in vielen Fällen auch gar nicht notwendig oder möglich ist. Allerdings bezweifelt Capurro dabei, dass dies von Nonaka und Takeuchi überhaupt behauptet wurde. Zusammenfassend sagt Schreyögg, dass nach seiner Meinung die vier Stadien der Wissensschaffung im Rahmen seines Modells unterschiedlich bewertet werden müssen. Außerdem verweisst er auf andere Formen der Wissensschaffung wie "Systemvergleich, Experimentieren oder das neugierige Suchen" die je nach Bedarf mehr zu berücksichtigen sind (Capurro S. 350/I). |
| Mehr zum Thema Wissensmanagement
findet sich auf der WM-Website
der VHBI.
Literatur
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