Fragen und Antworten zum Skript
Computernetze
Prof. Dr. Wolf-Fritz Riekert
Fachhochschule Stuttgart - Hochschule der Medien (HdM)
University of Applied Sciences Stuttgart
- School of Media
riekert@hdm-stuttgart.de
http://v.hdm-stuttgart.de/~riekert/
Stand: 14. September 2002
Fehlerkorrekturen
Sind im Skript noch Fehler enthalten?
Ja, leider sind im Skript noch zwei Fehler enthalten, die bereits bekannt
gegeben wurden und die bei der nächsten Überarbeitung korrigiert
werden. Bitte ändern Sie Ihre Ausdrucke entsprechend:
S. 5O: Die englische Übersetzung
des Begriffs "Frequenzmultiplexverfahren" lautet "frequency division multiplexing",
die Abkürzung FDM [nicht WDM!]
S. 78: Hubs arbeiten auf der Ebene 1 (Bitübertragungsschicht) [nicht
Sicherungsschicht!]
Serielle Schnittstelle - elektrische
Festlegungen
Skript S.48: Könnten Sie
das mit der elektrischen Festlegung von der seriellen Schnittstelle nochmal
erklären? Wie können Informationen fließen, wenn keine Spannung
also 0 anliegt?
Wenn immer nur die Spannung
0 anliegt, kann selbstverständlich keine Information fließen.
Information kann über elektrische Leitungen natürlich nur fließen,
wenn sich die Spannung im Lauf der Zeit ändert. Die Besonderheit der
seriellen Schnittstelle besteht allerdings darin, dass die Datensignale
"active low" übertragen werden. Das bedeutet, im Grundzustand, d.h.
solange keine Daten übertragen werden, liegt an der Leitung eine hohe
Spannung ("high") an. Während der Übertragung eines Datenbytes
hingegen geht die Spannung für gewisse Zeitintervalle auf einen niedrigen
Wert ("low" = idealerweise die Spannung Null) zurück, und zwar immer
dann, wenn ein gesetztes Bit übertragen wird (das ist der Grund für
die Bezeichnung "active low"). Den Start der Übertragung eines Datenbytes
wird markiert durch das sogenannte Startbit, das - "active low" - erstmals
das Spannungsniveau für die Zeitdauer einer Bitübertragung auf
Null herunterzieht. Dann schließen sich die eigentlichen Datenbits
an, wobei ein "aktives" Datenbit vom Wert 1 mit Spannung Null ("low") uebertragen
wird, die Datenbits mit dem Wert Null werden hingegen mit hoher Spannung
("high") uebertragen.
Codecs und Modems
Skript S.53: Wo ist nochmal
der Unterschied zwischen Codecs/Modems? Eigentlich passiert doch das gleiche
nur umgekehrt oder?
Die Aufgabe der beiden Geräte insoweit "spiegelbildlich" ähnlich,
dass eine Art von Signal über eine Strecke geleitet werden kann,
die für die jeweils andere Signalart ausgelegt ist. Das heisst, ein
Modem dient dazu, digitale Signale über analoge Strecken zu transportieren.
Ein Codec dient dazu, analoge Signale über digitale Strecken zu transportieren.
Die Funktionsweise der beiden Geräte ist dabei jedoch völlig
unterschiedlich. Vordergründig koennte man zwar schon denken, dass
der Coderteil des Codecs und der Demodulatorteil des Modems beide dasselbe
tun, nämlich analoge Signale in digitale zu wandeln. Eine Wandlung
in umgekehrte Richtung, digital nach analog, wird sowohl vom Dekoder des
Codecs als auch vom Modulator des Modems vorgenommen.
Das ist jedoch bereits die ganze Gemeinsamkeit. Es würde jedoch
nicht funktionieren, statt des einen Geräts das andere zu verwenden.
So kann ein Dekoder aus einer entsprechenden Datenfolge durchaus z.B. Beethovens
Neunte rekonstruieren, denn das ist seine Aufgabe (in jedem CD-Player steckt
uebrigens auch ein Dekoder). Ein Modulator in einem Modem wird das nie
schaffen, egal mit welcher Datenfolge man es füttert, es wird stets
das typische Modemgepfeife entstehen, das nur für den Demodulator
auf der anderen Seite der Analogstrecke interpretierbar ist und von diesem
als Datenfolge rekonstruiert werden kann.
(Bildlich gesprochen könnte man den Transport mittels Modem und
Codec mit einer Autofähre bzw. einem Bootsanhänger vergleichen:
Eine Autofähre transportiert ein Straßenfahrzeug über das
Meer. Ein Bootsanhänger transportiert ein Meeresfahrzeug über
eine Straße. Wenn man aber einen mit einem Segelboot beladenen Bootsanhänger
auf ein Autofähre setzt, dann ist das zwar möglich und u.U. auch
sinnvoll, doch ergibt das noch lange keine befriedigenden Segelfahrt.)
Leitungsvermittelt und verbindungsorientiert
Skript S.55: Sind leitungsvermittelte
Verbindungen auch immer verbindungorientierte bzw. umgekehrt? Wenn
ja wie passt die virtuelle Verbindung da rein? Denn die ist doch verbindungorientiert,
also ein fester Pfad ist da, aber irgendwie auch ein Teil von der Paketvermittlung,
und den Unterschied verstehe ich nicht.
Zunächst würde ich in der Frage lieber den Begriff "leitungsvermittelte
Übertragung" verwenden, denn das Wort "Verbindung" würde ja bereits
vorwegnehmen, dass es sich um einen verbindungsorientierten Dienst handelte.
Auf die Frage selbst möchte ich etwas vorsichtig antworten: Der
Begriff Verbindung stammt ursprünglich aus der klassischen Telefonie
und dort waren Verbindung und leitungsvermittelte Übertragung anfänglich
miteinander gleichbedeutend. Umgekehrt ist die Paketvermittlung in ihrer
ursprünglichen Reinform (z.B. im Internet) verbindungslos, der Vorteil
besteht ja gerade darin, dass für die Dauer einer längeren Übertragung
nicht eine ganze Leitung reserviert werden muss.
Die virtuelle Verbindung ist eine Art Zwitter, mit der Vorteile beider
Übertragungsarten miteinander verbunden werden. Beim Aufbau einer virtuellen
Verbindung reserviert man sich nicht komplette Leitungen, sondern nur Bandbreiten
bzw. Datenübertragungsraten. So können mehrere Übertragungen
in Form verschiedener Paketströme über dieselbe Leitung geführt
werden. Beim Aufbau der virtuellen Verbindung werden die Bandbreiten bzw.
Datenübertragungsraten reserviert. Falls die Leitungen schon ausgelastet
sind, wird der Verbindungswunsch abgelehnt. Im Grunde handelt es sich um
eine besondere Art des Multiplexing, die durch diese Vermittlungstechnik
möglich wird.
Einen weiteren Fall haben wir in der Vorlesung nicht problematisiert,
deshalb können Sie diesen für die Prüfungsvorbereitung überspringen,
aber ich möchte ihn der Vollständigkeit halber dennoch anführen:
Ein Switch, der für jeden ankommenden Rahmen ganz geschwind mal eine
Leitung durchschaltet, führt zwar eine Leitungsvermittlung durch, baut
aber keine Verbindung auf. Das zeigt, dass heute die Begriffe Verbindung
und Leitungsvermittlung doch unterschiedliche Bedeutung haben.
ISDN
Skript S.56: Wie genau funktioniert
das mit dem ISDN. Warum muss man z.B. eine Null vorwählen in manchen
Systemen, bzw. was genau tut die ISDN-Karte, wandelt sie mit dem PCM die
analogen Signale in digitale um?
Die Nullvorwahl ist keine Besonderheit von ISDN, Sie hat vielmehr etwas
mit einer lokalen Vermittlungsanlage zu tun, wie sie Betriebe besitzen
oder auch manche Privathaushalte. Diese benötigt die Null, um zu erkennen,
dass ein Anruf an einen externen Teilnehmer gerichtet ist und nicht an
einen internen. Diese Technik wurde bereits bei alten Analogvermittlungsanlagen
genutzt. Auch die Nullvorwahl für Ferngespräche hat eine ähnliche
Funktion. Man wählt sich mit dieser aus der Ortsvermittlung "heraus"
in das Fernvermittlungssystem.
Die ISDN-Karte eines PC hat keine Wandlerfunktion, denn sie muss ja
nur die digitalen Daten eines Computers in die ebenfalls digitalen ISDN-Signale
umsetzen bzw. umgekehrt. Im Grunde macht sie etwas ähnliches wie eine
serielle Schnittstelle, denn die Daten müssen ja bitweise auf die
ISDN-Leitung geschickt werden bzw. von dort abgeholt werden. Ein bisschen
komplizierter ist die Aufgabe der ISDN-Karte allerdings schon als die einer
normalen seriellen Schnittstelle, da ja das ISDN-Signal zeit-gemultiplext
ist und die ISDN-Karte die Bits immer zum richtigen Zeitpunkt innerhalb
des ISDN-Zeitmultiplexrasters übertragen muss.
Ein ISDN-Telefonapparat hingegen muss eine Analog/Digitalwandlung vornehmen.
Dazu enthält jeder ISDN-Telefonapparat einen einfachen Codec, der die
analogen Sprachsignale in digitale PCM-Signale umsetzt bzw. umgekehrt. Außerdem
muss der Telefonapparat ebenso wie die ISDN-Karte auf das Zeitmultiplexing
der ISDN-Signale Rücksicht nehmen.
ADSL
Skript S.62: ADSL, ist das eigentlich
eine Modemübertragung die nicht beschnitten wird, weil sie nicht als
Telefongespräch angesehen wird? Oder ist die Datenübertragung
deswegen so groß, weil der Telefonkanal einfach dreifach gemultiplext
wird und nicht nur einfach? Was heißt, S. 63,"muss nur die letzten
Meilen zu einem Glasfaseranschluss überbrücken"?
Ihre erste Frage kann uneingeschränkt mit Ja beantwortet werden.
ADSL ist eine Modem-Übertragung, die allerdings einen sehr großen
Frequenzbereich (d.h. eine große Bandbreite) belegt. Auf dem Weg zum
nächsten Vermittlungsknoten wird der Frequenzbereich nicht durch die
Telekom beschnitten, denn die Telefonleitung vom Hausanschluss bis zum nächsten
Vermittlungsknoten ist dem Telefonteilnehmer ganz alleine zugeordnet. Ab
dem Vermittlungsknoten beginnt allerdings das Glasfasernetz der Telekom.
Ab hier stehen für Normaltelefongespräche nur begrenzte Bandbreiten/Übertragungsraten
bereit, damit mittels Multiplexverfahren möglichst viele Gespräche
auf eine Glasfaser gezwängt werden können. Deshalb muss ab dort,
anders als noch bei einer normalen 56k-Modem-Übertragung, eine Sonderbehandlung
des ADSL-Signals erfolgen.
Denn würde das ADSL-Signal wie ein normales Analoggespräch
behandelt, so würde es vom Codec mit 8000 bit/sec abgetastet, in ein
PCM-Signal gewandelt und mit zusammen mit anderen PCM-Kanälen nach
dem Zeitmultiplexverfahren über eine Glasfaser geleitet. Der Informationsgehalt
der Übertragung würde dabei massiv leiden. Denn mehr als die 64000bit/sec
(in USA: 56000bit/sec) eines PCM-Kanals könnten nach dieser Wandlung
nicht übrig bleiben. Für eine normale 56k-Modem-Übertragung
ist das kein Problem, denn dafür reicht der PCM-Kanal gerade noch aus.
Die 768000bit/sec des ADSL-Verfahrens TDSL der deutschen Telekom würden
diese Behandlung jedoch nicht überstehen..
Aus diesem Grund wird beim Vermittlungsknoten das ADSL-Signal mit Hilfe
eines Splitters abgezweigt, so dass nur noch die normalen analoge bzw.
ISDN-Signale auf herkömmliche Weise weiterverarbeitet werden. Das
abgezweigte ADSL-Signal wird beim Vermittlungsknoten durch ein ADSL-Modem
in ein Digitalsignal zurückgewandelt und durch den Computer eines
Internet-Service-Providers (z.B. T-Online) weiterverarbeitet, der direkt
am Vermittlungsknoten steht. Dieser Computer ist über Glasfaserleitungen
mit ausreichend hohen Übertragungsraten mit dem Internet-Backbone-Netz
verbunden. Der Trick ist also, dass der Internet-Provider näher zum
Kunden rückt, nämlich bis hin zu seinem Vermittlungsknoten.
Die Antwort auf Ihre zweite Frage lautet also nein: Multiplexing allein
kann nicht für hohe Übertragungsraten sorgen, die zugrunde liegende
physikalische Leitung muss die hohe Übertragungsrate bzw. Bandbreite
grundsätzlich bereithalten, die auf alle gemultiplexten Kanaele aufgeteilt
wird. Allerdings ist es schon eine große technische Herausforderung,
über eine Telefon-Zweidrahtleitung so hohe Datenraten zu realisieren,
wie dies mit ADSL möglich ist. Dies ist erst mit den heutigen ausgefeilten
Modulationstechniken möglich geworden, die im ADSL-Modem realisiert
sind. Bei sehr langen oder schlechten Leitungen funktioniert diese Technik
schlecht oder gar nicht. Deshalb sind Übertragungsraten wie die 768000
bit/sec von TDSL auch nur theoretische Maximalwerte, die in der Praxis
nicht immer erreicht werden. In ländlichen Regionen, in denen die Entfernungen
zum Vermittlungsknoten zu groß sind, wird ADSL überhaupt nicht
angeboten.
Zur dritten Frage: Die "letzten Meilen zu einem Glasfaseranschluss"
verwende ich synonym mit dem Begriff "Telefonleitung zwischen dem Hausanschluss
und dem nächsten Vermittlungsknoten", aber das ist wahrscheinlich bereits
aus den vorigen Antworten klargeworden.
PPP
Skript S.76: PPP. Wird die
Aufgabe der Sicherungsschicht, Bits in sinnvolle Rahmen zu verwandeln,
von diesem Protokoll übernommen? Was heisst "voller Internetzugang
ohne besonders lokale Netzwerkkonfigurationen möglich?" Und werden
die PPP-Kanäle von diesem Protokoll errichtet?
Zunächst: PPP sträubt sich ein wenig gegen die Einordnung ins
Schichtenmodell. Grundsätzlich bietet der PPP-Dienst Dienstoperationen
auf der Sicherungsschicht (2) an, doch benötigt man auch eine besondere
darauf abgestimmte Vermittlungsschicht (3) oberhalb von PPP, um alle diese
Dienstoperationen zu nutzen. In Abb. 1, entnommen aus dem Skript unseres
LAN-Praktikums
, Seite 3 links oben, sieht man ein Beispiel. Bei der Netzwerkkomponente
"DfÜ-Adapter" handelt es sich um den PPP-Dienst. Bei der Netzwerkkomponente
"TCP/IP => DfÜ-Adapter" handelt es sich um die Internetdienste auf
den Ebenen 3 (Vermittlung = IP) und 4 (Transport = TCP & Co.), die imstande
sind, die besonderen Möglichkeiten des PPP-Dienstes zu nutzen.
Abb. 1: Die Netzwerkkomponente "DfÜ-Adapter" repräsentiert den
PPP-Dienst (Skript
LAN-Praktikum
, Seite 3 links oben)
Zur Frage, ob PPP nun wirklich Rahmen aufbaut: Das ist ist grundsätzlich
der Fall, allerdings geschieht das dadurch, dass PPP eine bestehende serielle
Schittstelle nutzt, mit deren Hilfe die Rahmen dann tatsächlich produziert
bzw. empfangen werden. Das heißt, eigentlich hat PPP auf der Ebene
der Sicherungsschicht nur die Aufgabe, einen bereits vorhandenen Dienst
der Sicherungsschicht, nämlich die serielle Datenübertragung,
so zurechtzumodeln, dass die besonderen PPP-Dienste möglich werden.
Deshalb nennt Microsoft wohl diese Komponente auch DfÜ-Adapter. Übrigens
gibt es auch ein "PPP over Ethernet" (PPPoE), das dasselbe mit dem Ethernetdienst
macht (der selbst schon der Sicherungsschicht 2 angehört). PPPoE wird
bei Computern mit ADSL-Anschluss verwendet, da man das ADSL-Modem über
ein Ethernet-Netzwerkkabel ansteuert und nicht über eine serielle Leitung
wie z.B. ein 56k-Modem.
Zur Besonderheit, dass mit PPP "voller Internetzugang ohne besondere
lokale Netzwerkkonfigurationsangaben möglich" ist: PPP bietet außer
der eigentlichen Datenübertragung noch weitere Dienstoperationen an.
Die wichtigste besteht darin, dass man sich an einem über PPP angeschlossenen
Computer die Arbeit der Internet-Konfiguration sparen kann. Das heißt,
es ist nicht erforderlich, die vielen IP-Adressen etc. anzugeben, die man
bei der manuellen Konfiguration des Internets sonst immer eingeben muss:
eigene IP-Adresse, IP-Adresse des Gateways, IP-Adresse des DNS-Servers, Subnetmaske...
All diese Daten werden beim Aufbau einer PPP-Verbindung automatisch vom Computer
des Providers auf den eigenen Computer übertragen. Der PPP-Dienst leitet
diese Informationen nach oben an den IP-Dienst auf der Vermittlungsschicht,
im obigen Beispiel also an die Netzwerkkomponente "TCP/IP => DfÜ-Adapter",
die sich dann automatisch selbst konfiguriert.
Mit dem Begriff "PPP-Kanäle" kann ich nichts anfangen. Ich habe den
Begriff nicht verwendet und im Tanenbaum steht er meines Wissens auch nicht.
Der Oberbegriff, der oft für den PPP-Dienst verwendet wird, heißt
Punkt-zu-Punkt-Verbindung auf der Sicherungsschicht. Das bedeutet so viel,
dass dabei anders als z.B. in einem Ethernet-LAN genau zwei Computer ("Punkt
zu Punkt") miteinander über eine Leitung kommunizieren.
Funktionsweise von Switches
Skript S.78: Wie schafft
es der Switch, zwei Datenübertragungen gleichzeitig laufen zu lassen,
es handelt sich doch meist um eine Broadcast-Netz, das nur eine Leitung
hat, auf die viele Geräte zugreifen, oder?
Sie haben recht, in einem reinen Broadcast-Netz kann es eigentlich nur
eine Übertragung zu einem Zeitpunkt geben.
Der Trick, den ein Switch anwendet, ist, dass er das Netz in unterschiedliche
"Kollisionsdomänen" aufteilt. Das heisst, jede Leitung von einem Computer
hin zum Switch ist eine eigene Kollisionsdomäne, die von allen anderen
Kollisionsdomänen abgeschottet ist. Innerhalb einer Kollisionsdomäne
kann nach wie vor nur eine Übertragung laufen. Zwei Übertragungen,
die in unterschiedlichen Kollisionsdomänen laufen, stören dann
einander nicht.
Ein weiterer Trick besteht darin, das ein Switch ganze Ethernet-Rahmen
zwischenspeichern kann, bevor er diesen in an einen anderen Computer (in
einer anderen Kollisionsdomäne) weiterleitet. Dies ist dann sinnvoll,
wenn in der anderen Kollisionsdomäne gerade schon eine Übertragung
läuft. Dann wartet der Switch mit dem Weiterleiten in die andere Kollisionsdomäne,
bis dort Ruhe ist.
Das Resultat ist, dass in Netzen, die mit Switches realisiert sind, fast
keine Kollisionen mehr auftauchen. Der Switch vermeidet die Kollisionen
in den meisten Fällen.
Ethernetz und Token Ring als
"logische Netzwerktopologien"
Skript S.80: Könnte man
das Ethernet/Token Ring auch als logische Netzwerktopologie bezeichnen?
Diesen Begriff logische Netzwerktopologie habe ich nicht verwendet. Die
Netzwerktopologie ist zunächst eine physische Angelegenheit, die besagt,
wie die Computer untereinander über Leitungen verbunden sind, als Stern,
als Ring, als Bus... Ethernet und Token Ring möchte ich nicht als Topologien
bezeichnen (auch nicht als "logische"). Ethernet und Token Ring sind für
mich Netze, die auf den Schichten 1 und 2 Dienste anbieten. Auf der Ebene
1 (Bitübertragungsschicht, Physical Layer) verfügen diese
Netze über eine (physikalische) Netzwerktopologie. Kurz gesagt: Ein
Ethernet ist keine Topologie, doch es hat eine Topologie.
Manche Autoren verstehen unter einer logischen Topologie die tatsächlichen
Kommunikationsbeziehungen, die zwischen Computern in einem Netzwerk herrschen,
doch das war nicht Stoff meiner Lehrveranstaltung.
IP-Adresse, IP-Dienst
Skript S.94: Unterschied IP-Adresse/IP-Dienst,
adressiert der IP-Dienst die IP-Adresse beim Verschicken seine Pakete
und heißt es deswegen IP-Adresse, oder ist das Zufall?
Es ist, wie Sie vermuten: IP-Adressen, auch Internet-Adressen genannt,
sind die Adressen, die der IP-Dienst zum Adressieren von Paketen an bestimmte
Computer verwendet.
Netzaufteilung mit Klassen
und classless routing
Skript S.98: Was bedeutet
die Netzaufteilung Class A, Class B? Wie sieht eine heutige Aufteilung
aus, mit dem classless routing?
Die Netzaufteilung hat etwas mit dem "Routing-Algorithmus" zu tun. Das
heißt mit dem Verfahren, das entscheidet, wohin ein Paket des Internet-Vermittlungsdienstes
IP als nächstes geschickt werden muss: direkt an den Computer, dem
die Ziel-IP-Adresse gehört oder zunächst an einen Router, der
die Weiterleitung dann übernimmt. Diese Entscheidung muss in Abhängigkeit
von der jeweiligen Ziel-IP-Adresse in jedem Computer und in jedem
Router getroffen werden können.
In Anbetracht der großen Zahl von IP-Adressen ist es erforderlich,
die IP-Adressen in Gruppen zusammenzufassen, die vom Routingalgorithmus
gleichartig behandelt werden. IP-Adressen, die gleichartig behandelt werden
können, befinden sich in zusammengehörigen Teilnetzen des Internet,
die auch als "Subnetz" bezeichnet werden.
Wie erkennt nun der Routing-Algorithmus, welche IP-Adressen zu einem Subnetz
gehören und somit gleichartig behandelt werden können?
Die Antwort ist: Indem man die IP-Adressen als binäre Zahlen betrachtet.
Im bisher geltenden Internet-Protokoll Version 4 besteht jede IP-Adresse
aus 32 Bits. (In der künftigen Version 6 sind das 64 Bits). IP-Adressen
gehören zum selben Subnetz, wenn Sie sich nur "in den letzten Bits"
unterscheiden.
Doch was heißt das: "die letzten Bits"? Sind das die letzten 4 Bits,
die letzten 8 Bits oder die letzten 10 Bits oder wieviele?
Mit Hilfe der "klassischen" Klassenaufteilung von IP-Adressen ließ
sich die Frage beantworten:
Sogenannte Class-C-Adressen gehören zum selben Subnetz, wenn sie sich
nur in den letzten 8 Bits unterscheiden.
Sogenannte Class-B-Adressen gehören zum selben Subnetz, wenn sie sich
nur in den letzten 16 Bits unterscheiden.
Sogenannte Class-C-Adressen gehören zum selben Subnetz, wenn sie sich
nur in den letzten 24 Bits unterscheiden.
Abb. 2: IP-Adressformate laut Tanenbaum,
Kapitel 5
(Abbildung 5-47)
Ob es sich um eine Class-A-, -B-, oder -C-Adresse handelt, erkennt man
an den ersten Bits der Adresse. Die darauffolgenden Bits identifizieren
das jeweilige Subnetz (Network-Id), die letzten 32, 16 oder 8 Bits identifizieren
den einzelnen Computer (Host-Id) innerhalb des jeweiligen Subnetzes; denn
die IP-Adressen aller dieser Hosts unterscheiden sich untereinander nur in
den letzten 32, 16 bzw 8 Bits.
In jedem Router (und in vereinfachter Form sogar in jedem internetfähigen
Computer) gibt es nun eine sog. Routingtabelle, in der die Adressen von
Subnetzen (in Form von Class-A-, -B-, oder -C-Adressen) aufgeführt sind
sowie die Art, wie das jeweilige Subnetz über Netzwerkkarten oder Router
erreicht werden kann. Außerdem steht dort auch, an welchen Default-Router
eine Nachricht geschickt werden soll, wenn ihre Zieladresse in keinem der
aufgeführten Subnetze liegt.
Insbesondere um mit dem Adressraum sparsamer umgehen zu können, wird
heute das sogenannte "classless Routing" verwendet. Wieviel Bits fuer die
Codierung der Subnetzadresse verwendet werden und wieviele bits für
die Codierung der Hostadresse, erkennt man nicht mehr an der Klasse der Adresse
(bzw. den führenden Bits). Vielmehr benötigt man zur eindeutigen
Angabe eines Subnetzes zwei Angaben: Eine IP-Adresse und eine sogenannte
Subnetmaske.
Abb. 3: Subnet-Mask: Aufteilung in Host-Id und Subnet-Id (
Skript Computernetze
, Folie Nr. 99)
Die Subnet-Maske besteht aus 32 Bit wie eine Internetadresse. Sie beginnt
mit einer Folge von gesetzten Bits (binäre Einsen), welche anzeigen,
welcher Teil der IP-Adresse das betreffende Subnetz adressiert. Es schließt
sich eine Folge nicht gesetzten Bits an (binäre Nullen), die festlegen,
welcher Teil der IP-Adresse einen einzelnen Computer im Subnetz identfiziert.
Das Routing mit klassenlosen Subnetzeinteilungen funktioniert prinzipiell
genauso wie oben beschrieben. Nur benötigt man in den Routing-Tabellen
zu Identifikation eines Subnetzes zwei Angaben: Eine IP-Adresse, deren vorderer
Teil das Subnetz identifiziert sowie eine Subnet-Maske, deren gesetzte Einsen
anzeigen, aus wieviel Bits dieser "vordere Teil" besteht.
Übrigens sieht die Routing-Tabelle in jedem Router grundsätzlich
etwas anders aus, da das Internet von unterschiedlichen Routern auch unterschiedlich
aussieht. Der Administrator eines Routers muss diese Routintabelle wohlüberlegt
einrichten. Auch die Routingtabellen in normalen Computern variieren, doch
sehen sie in Computern, die demselben Subnetz angehören, wenigstens
gleich aus.
Internet und verbindungsorientierte
Dienste
... Dabei stellte sich mir
die Frage, was im Bezug auf das Internet ein verbindungsloser bzw ein verbindungsorientierter
Dienst ist. Laut meinen Recherchen ist das auf TCP/IP basierende Internet
ein Zwitter aus verbindungslosem und verbindungsorientiertem Dienst. In verschiedenen
Quellen habe ich folgendes entdeckt:
TCP = verbindungsorientiert, weil damit die Fehlerkorrektur gewährleistet
wird.
IP = verbindungslos, weil die Pakete ohne Reihenfolge verschickt werden
können.
Welche Aussage ist richtig? Ist das Internet verbindungsorientiert,
verbindungslos oder beides?
Kann man es so sagen, dass das Internet ein Zwitter aus verbindungslosem
Dienst und verbindungsorientiertem Dienst ist? Denn eine genaue Zuordnung
der Internets in eine verbindungslose Sparte oder eine verbindungsorientierte
Spalte ist durch die verschiedenen Orientierungen von TCP und IP nicht
mehr möglich.
Vorsicht: das Internet ist kein Dienst, sondern ein Netz. Als Netz lässt
es sich in verschiedene Schichten zerlegen. Auf diesen Schichten befinden
sich unterschiedliche Dienste wie z.B. die verbindungsorientierten Dienste
TCP, Telnet und FTP oder die verbindungslosen Dienste WWW, UDP und IP.
Die Begriffe "verbindungslos" und "verbindungslos" lassen sich nur auf solche
Dienste anwenden, nicht auf Netze wie das Internet, das unterschiedliche
derartige Dienste umfasst.
Umgangssprachlich wird oft
das Internet mit dem WWW gleichgesetzt, das ist jedoch wisssenschaftlich
nicht korrekt. Für das WWW gilt, wie bereits gesagt, dass es verbindungslos
ist. Erstaunlicherweise nutzt das WWW auf Schicht 4 aber den verbindungsorientierten
TCP-Dienst. Und dieser nutzt auf Schicht 3 wiederum den IP-Dienst, der verbindungslos
ist. Der IP-Dienst kann wiederum über
das verbindungsorientierte Protokoll PPP
auf Schicht 2 geführt werden. Das macht deutlich, dass die Frage der
Verbindungsorientiertheit nur für einen bestmmten Dienst auf einer bestimmten
Schicht beantwortet werden kann.